Hechtsches Weingut






Die Geschichte des Hecht´schen Weingutes begann im Jahr 1715, als der kurfürstliche Förster Johann August Hecht ein Grundstück an der heutigen Maxim-Gorki-Straße erwarb und hier einen Weinberg anlegen ließ. Hecht war als Revierförster für das Revier Neudorf verantwortlich und bezog ein Haus auf seinem neuen Besitz. Bereits 1706 hatte er für dieses Gebäude das Schankrecht erhalten, welches jedoch nur für seine Bediensteten und die Waldarbeiter galt.

Auch in Neudorf selbst erwarb Johann August Hecht ein Bauerngut und richtete dort eine Schankwirtschaft ein. Als “Unterer Gasthof” gehörte dieses Gut zu den beiden Alt-Neudorfer Schankstätten und besaß ab 1739 auch das Recht, Gäste zu beherbergen. Dieses Privileg sowie die zusätzliche Konkurrenz der Weinbergswirtschaft zum Reiheschank führten immer wieder zu Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und der Förstersfamilie. Hinzu kam der Konflikt zwischen Einwohnern und Revierförster Hecht um die Nutzungsrechte des Neudorfer Elbwerders.

Nach Hechts Tod 1743 übernahmen seine Nachkommen das Weingut sowie die Gastwirtschaft im Ort. Trotz wiederholter Eingaben und Petitionen seitens der Gemeinde konnte die Familie die Schänke mit kurfürstlicher Erlaubnis weiter betreiben. 1823 wurde der Untere Gasthof an den bisherigen Pächter verkauft. Auch die Weinbergswirtschaft war inzwischen an einen neuen Betreiber übertragen worden, da sich der Enkel Christian August Hecht nicht im Stande sah, das Anwesen neben seiner Haupttätigkeit als Revierförster zu bewirtschaften. 1835 wurde das gesamte Hecht´sche Grundstück verkauft und wenig später bebaut. Heute befindet sich auf dem Gelände der “Marienhof”, eine Einrichtung für gehörlose Kinder und Jugendliche.

In Erinnerung an den früheren Weinberg und dessen Besitzer erhielt eine am Fuße der Hellerberge zum Bischofsweg führende Straße im 19. Jahrhundert den Namen Hechtstraße. Dieser ging später auch auf das hier ab 1842 entstandene Wohnviertel über, welches zuvor als Oppellvorstadt bekannt war. An der Ecke Radeberger/ Marienhofstraße existierte noch bis in die 1930er Jahre die Gaststätte “Zum blauen Hecht” als Nachfolger der einstigen Weinbergsschänke (Foto). Zwischen 1891 und 1945 befand sich hier ein Endpunkt der Straßenbahn.
 


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