Wilschdorf

Gemeindesiegel von Wilschdorf

Postleitzahl: 01109


Wilschdorf entstand vermutlich um 1150 und wurde 1242 erstmals als Ranis maius (Groß-Rähnitz) erwähnt. 1279 ist in einer alten Urkunde erstmals von Wilczdorf die Rede. Der Name bedeutet Ort am Wolfsbach und vereint slawische und deutsche Elemente. Möglicherweise ist er auch vom Lokator des Dorfes abgeleitet (“Wielandsdorf”), da Wilschdorf als slawische Siedlung entstanden ist, später jedoch von deutschen Bauern erweitert und ausgebaut wurde. Insgesamt sind heute 14 verschiedene Schreibweisen überliefert, die eine genauere Deutung erschweren. Unklar ist auch, ob eine in der Nähe der “Entenpfütze” genannte Wüstung (“Das alte Dorf”) als frühe Dorfanlage von Wilschdorf betrachtet werden kann.

Im Mittelalter befand sich Wilschdorf  im Besitz des St. Afra-Stiftes Meißen. Ab 1547 gehörte es dem Rittergutsbesitzer Christoph von Carlowitz. Durch diesen Besitzerwechsel unterstand der Ort bis ins 19. Jahrhundert dem Rittergut Hermsdorf und dessen wechselnden Eigentümern. Wilschdorfer Bauern mussten dort bis zur Ablösung der Fronen 1832 verschiedene Dienstpflichten erfüllen und waren auch am Wiederaufbau des 1729 abgebrannten Hermsdorfer Schlosses beteiligt. Wichtigster Wirtschaftszweig blieb bis zur Gegenwart die Landwirtschaft. Die Bauern bewirtschafteten um 1900 ca. 480 Hektar Land, wozu auch die Fluren des untergegangenen Ortes Cunnersdorf südlich des Oberen Waldteiches gehörten. Außerdem wurde an den Hängen des Hellerberges zeitweise Weinbau betrieben. Betroffen von Plünderungen und Einquartierungen war Wilschdorf im Dreißigjährigen Krieg (1637) und im Siebenjährigen Krieg (1756-1759). 1850 fielen Teile des Oberdorfes einem Brand zum Opfer, welches jedoch schnell wieder aufgebaut wurde.

Im Dorfkern sind bis heute einige historische Bauerngüter erhalten geblieben. Bemerkenswert ist u. a das Fachwerkhaus Altwilschdorf Nr. 41, welches zu den ältesten Gebäuden im Dresdner Norden gehört. Hier steht auch die bereits 1243 erstmals erwähnte Christophoruskirche, älteste Kirche im Dresdner Stadtgebiet. Am Pfarrhaus befindet sich ein historisches Portal von 1612. Zu den alten Wilschdorfer Schankstätten gehören die Gaststätte “Der alte Graf”, welche bereits zwischen 1883 und 1949 bestand und der 1242 erstmals genannte Dorfgasthof am Anger (Foto). 1942 wurde in dessen Saal eine wertvolle Kassettendecke eingebaut, die beim Abbruch des Schlosses von Altfranken geborgen worden war. Der 2002 geschlossene und danach viele Jahre leerstehende Gasthof wurde 2008 von einem Bühnentechnik-Unternehmen zum Firmensitz umgebaut.

Bekannt ist auch die in der Jungen Heide gelegene Gaststätte “Waldmax”. Nach 1885 entstanden abseits vom Ortskern die Siedlung Waldhof sowie neue Wohnhäuser an der Radeburger und der Keulenbergstraße. Am 1. Juli 1950 kam Wilschdorf als Ortsteil zu Dresden. Zu den bedeutendsten Dresdner Neuansiedlungen von Industrie gehört das 1999 eröffnete Chipwerk des US-Herstellers  AMD.

Foto: Bauerngehöfte in Altwilschdorf

Schulen in Wilschdorf:

Die erste Wilschdorfer Schule entstand um 1809 an der heutigen Kirchstraße 8. Zuvor fand der Unterricht in dem 1612 erbauten Wohnhaus des Küsters statt. 1899 wurde am Reineckeweg 6 ein Neubau errichtet, welcher 1929 erweitert und später als 86. Oberschule genutzt wurde. Heute befindet sich hier der Kindergarten “Fuchsbau”, der zeitweise nach dem Begründer der Kindererholungsstätte am Oberen Waldteich, Max Hünig, benannt war (Foto). Jetzt besuchen die Kinder des Ortes die 85. Grundschule an der Radeburger Straße 168, die 1983 als gemeinsames Schulhaus für Wilschdorf und Rähnitz eingeweiht wurde.
 

Waldhof:

Das Grundstück wurde 1625 erstmals als “Weinbergstede” erwähnt, als Kurfürst Johann Georg I. dieses Anwesen dem Markscheider Balthasar Zimmermann überließ. Spätere Besitzer bauten die Gebäude mehrfach um, bevor 1884 der Bauunternehmer und Bildhauer Peter Henseler das Grundstück erwarb. Dieser ließ die noch heute vorhandenen Plastiken an der Einfahrt aufstellen. In dieser Zeit erhielt das Haus den Namen “Waldhof”, der auch der vorbeiführenden Straße den Namen gab.

1922 kaufte der Dichter Carl Sternheim den Waldhof und bewohnte das Haus gemeinsam mit seiner Frau Thea und seinen beiden Kindern. Sternheim, Verfasser zahlreicher gesellschaftskritischer Dramen, traf sich hier regelmäßig mit seinen Künstlerfreunden, unter ihnen der Maler Conrad Felixmüller, der Dichter Walter Hasenclever und der Verleger Jakob Hegner. Auch der sozialistische Politiker und Agitator Otto Rühle gehörte zum Freundeskreis des Paares. Im Oktober 1924 verzog das Ehepaar Sternheim an den Bodensee, womit dieses Kapitel Dresdner Kulturgeschichte endete.

Ab 1929 wurde das Gebäude als Kindererholungsheim der Sächsischen Landesversicherungsanstalt genutzt, in den 1930er Jahren auch als privates Frauenbildungsseminar. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Waldhof als Notkrankenhaus. Nach 1945 wurde das Haus wieder Kinderheim und diente ab 1967 als Rehabilitationszentrum. Künftig ist der Ausbau zu einer Wohnanlage geplant.


Glasewaldts Ruhe:

Das seit 1885 als Gaststätte genutzte Grundstück erhielt seinen Namen nach dem Ruhesitz des Wilschdorfer Pfarrers Jonathan Glasewaldt, der dieses Amt zwischen 1739 und 1762 innehatte. Glasewaldt hatte hier einen kleinen Rastplatz angelegt und später noch um ein Weingut erweitert. Mit seinem Umzug nach Lausa übergab er das Anwesen seinem Bruder Friedrich, der zwischen 1771 und 1783 Dresdner Bürgermeister war. Zwischen 1900 und 1918 wurde das Gebäude als Militärgenesungsheim des XII. Sächsischen Armeekorps genutzt, danach wieder als Gaststätte. 1932 entstand auf dem Areal ein kleines Bad. Die Gaststätte wurde nach 1945 geschlossen und in ein staatliches Gästehaus umgewandelt, wofür umfangreiche Erweiterungsbauten entstanden. Seit dessen Schließung 1992 steht der Komplex leer.

Weiterführende Literatur und Quellen

[Home] [Nord] [Nordwest] [Neustadt] [Nordost] [West] [Zentrum] [Südwest] [Süd] [Südost] [Ost] [Register] [Kontakt] [Impressum]