Die Gemeinde Loschwitz entwickelte sich aus einem Rundweiler unmittelbar am Elbufer und
ist mit ca. 350 Hektar einer der flächenmäßig größten Stadtteile Dresdens. Neben dem eigentlichen Dorfkern südlich des Körnerplatzes gehören auch die Elbhänge bis zur Bautzner Landstraße, der Loschwitzgrund bis in Höhe Ulrichstraße und Fluren entlang der Pillnitzer Landstraße dazu. Der Ort wurde 1315 als Loscuicz urkundlich erwähnt, war jedoch bereits
zuvor besiedelt. Neuere Quellen weisen auf eine Ersterwähnung des Dorfes in einer Tauschurkunde des Bischofs von Meißen vom 18. Oktober 1227 hin. An Stelle der späteren Gaststätte Burgberg befand sich im 11./12. Jahrhundert eine slawische Wallanlage, von der
jedoch keine Spuren mehr zu sehen sind. Der Ortsname wurde vermutlich vom Ortsgründer Lozek abgeleitet, könnte aber auch auf das slawische Wort Loziza = Weinstock bzw. Leska = Haselnußstrauch zurückgehen.
Loschwitz bestand früher aus drei Gemeindeteilen, von denen der Dorfkern an der heutigen Friedrich-Wieck-Straße der älteste ist (Foto). Neben dieser Ratsgemeinde,
die dem Rat der Stadt Dresden bzw. dem Maternihospital gehörte, existierte noch die dem Justizamt unterstehende Amtsgemeinde entlang der Grundstraße sowie die Winzergemeinde, die die verstreuten Weinbergsgrundstücke an den Elbhängen
umfasste. Hinzu kamen sechs weitere Grundstücke, die zum Rittergut Wachwitz gehörten. Die komplizierten Besitzverhältnisse erschwerten die Herausbildung einer
einheitlichen Gemeindeverwaltung, die erst nach dem Zusammenschluss der drei Ortsteile im Zuge der sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 erfolgte. Anteile an den Loschwitzer Weinbergen besaßen u. a. das Dresdner
Maternihospital, das Augustinerkloster in der Neustadt und die Pirnaer Stadtkirche. Später kamen die meisten Flächen
in den Besitz wohlhabender Dresdner Bürger und Adliger, die hier ihren Sommerwohnsitz nahmen. Zu diesen gehörten
der Kreuzkantor Heinrich Schütz, der Oberlandbaumeister Wolf Kaspar von Klengel und der Goldschmied Melchior
Dinglinger. 1785 erwarb auch die Familie Körner ein Weinberggrundstück in Loschwitz, in dem zeitweise Friedrich Schiller weilte und hier an seinem “Don Carlos” schreib
Die Bewohner im Dorf lebten hingegen vorrangig von der Elbe und verdienten ihren
Lebensunterhalt als Fischer und Elbschiffer. Der Ackerbau blieb unbedeutend, da Loschwitz nur zwei Bauerngüter besaß. Die übrigen Einwohner des Ortes waren arme
Häusler, die ihre Wohnungen in den Weinbergen bzw. im unteren Teil der Grundstraße hatten. Meist betrieben diese neben Wein- auch etwas Obst- und Gartenbau bzw. führten
kleinere handwerkliche Arbeiten aus. 20 von ihnen waren nebenberuflich als Jagdhelfer des Kurfürsten beschäftigt und wurden deshalb die “Zwanziger” genannt. An sie erinnert
noch die Zwanzigerstraße im Stadtteil Weißer Hirsch. Außerdem existierten in Loschwitz einige Mühlen an der heutigen Grundstraße, die vom Loschwitzer Dorfbach “Trille”
angetrieben wurden. Schwer betroffen war das Dorf durch die häufig auftretenden Elbehochfluten, aber auch durch
kriegerische Ereignisse. Am 25. Juni 1639 brannten schwedische Soldaten fast alle Gebäude nieder. Zerstörungen gab
es aber auch im Siebenjährigen Krieg und durch Napoleons Truppen im Jahr 1813. Hochwasserkatastrophen sind in
den Chroniken u.a. für 1501, 1530, 1655, 1784, 1799, 1845, 1890 und zuletzt 2002 verzeichnet. An letztere erinnert ein Denkmal an der Friedrich-Wieck-Straße.
“...besonders erbarmungswürdig anzusehen war es, als des Morgens ein Schiff aus der
Gegend von Schandau mit zwei darauf befindlichen und um Hülfe flehenden Schiffsleuten in den wüthenden Eisschollen mit ankam... Die Wut des Stromes traf 43 Einwohner. Davon litten 24 mehr
oder minder großen Schaden an Gebäuden, 2 Häuser wurden fast völlig ruiniert.”
Aus alten Loschwitzer Aufzeichnungen von 1799 |
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Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das frühere Winzer- und Fischerdorf zunehmend zum Ausflugsort,
was zur Gründung zahlreicher kleiner Weinschänken und Gastwirtschaften führte. Vor allem Künstler fühlten sich von
der Atmosphäre des Ortes angezogen. So verbrachten u.a. die Maler Gerhard von Kügelgen und Ludwig Richter viele
Sommer ihres Lebens in Loschwitz. Hinzu kamen Tagesbesucher aus der nahen Residenzstadt sowie deren Gäste aus
aller Welt. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die Einrichtung einer Schiffsanlegestelle im Jahr 1851 und den Einsatz leistungsstärkerer Dampfboote für die bereits 1556 erstmals erwähnte Elbfähre. Foto: Blick vom Blasewitzer Elbufer auf die Loschwitzer Elbhänge um 1920
Einhergehend mit dieser Enwicklung und der Bildung der Gemeinde Loschwitz um 1839 veränderte sich auch die Sozialstruktur des Dorfes. Die vorhandenen Weinberge wurden Mitte des 19. Jahrhunderts wegen des Rückgangs der
Erträge zum Großteil parzelliert und mit villenartigen Landhäusern bebaut. Kurz zuvor hatte der Dresdner Rat den im
Besitz des Maternihospitals befindlichen Weinberg in der Nähe der Kirche veräußert. Heute erinnern nur noch Reste
alter Weinbergsmauern, Treppen und Weinspaliere an einigen Häusern an den früher wichtigsten Wirtschaftszweig, der
mit dem Auftreten der Reblaus 1887 endgültig zum Erliegen kam. Dank dem aus Loschwitz stammenden Pionier der Fotografie August Kotzsch sind bis heute viele Aufnahmen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Auch im westlichen Ortsteil veränderte sich das Bild. Auf dem früheren Weinberg des Grafen
Findlater entstanden ab 1850 die drei “Albrechtsschlösser” für den preußischen Prinzen
Albrecht, seinen Kammerherren Baron von Stockhausen und den Großkaufmann Souchay. Die Gebäude dominieren bis heute das Panorama dieses Elbeabschnitts und gehören neben dem Blauen Wunder zu den Wahrzeichen von Loschwitz
. Am nahegelegenen Schotengrund besaß einst die bekannte Verlegerfamilie Brockhaus ein Grundstück. Unweit davon befindet sich seit 1870 das Wasserwerk Saloppe, benannt nach einer 1945 zerstörten Ausflugsgaststätte am Elbhang.
Foto: Schloss Albrechtsberg
Der Aufschwung des Ortes führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu Eingriffen in die überkommene Bausubstanz. Teile des Dorfkerns mussten 1893 dem Bau der Elbbrücke “Blaues Wunder” weichen. Weitere Gebäude fielen der
kompletten Umgestaltung des Körnerplatzes im Stil der Gründerzeit zum Opfer. Für bessere Verkehrsverbindungen
sorgte nicht nur der Bau der Straßenbahnlinie nach Pillnitz, sondern auch die Anlage der beiden Bergbahnen zum Weißen Hirsch (1895) und nach Oberloschwitz (1901). An ihren Kopfstationen entstanden beliebte Gaststätten wie der Luisenhof und die heute nicht mehr vorhandene Loschwitzhöhe. Trotz des heftigen Widerstandes der Einwohner wurde
Loschwitz am 1. April 1921 nach Dresden eingemeindet. Foto: altes und neues Loschwitz um 1930: Blick von der Grundstraße zum Luisenhof
Auch dieser Stadtteil blieb nicht von den Zerstörungen des Luftangriffs 1945 verschont. Neben mehreren Wohnhäusern fielen die Körnerschule und die gegenüberliegende Kirche den Bomben zum Opfer. Die Sprengung des Blauen
Wunders wurde durch mutige Dresdner in den letzten Kriegstagen verhindert, so dass sich in Loschwitz zeitweise der
einzige erhaltene Elbübergang im Stadtgebiet befand. Die Nachkriegszeit führte zu einem Verfall der erhaltenen
Bausubstanz und zur Schließung zahlreicher Loschwitzer Gaststätten. So wurden der 1945 zerstörte Gasthof Burgberg sowie die 1967 wegen Baufälligkeit geschlossene Loschwitzhöhe abgerissen. Auch das Elbe-Hotel am Dorfplatz musste
1979 baubedingt schließen und stand seitdem in ruinösem Zustand leer. Derzeit läuft der Ausbau zu Wohnzwecken. Nach 1990 gelang es, einen Großteil der historischen Gebäude in Loschwitz zu sanieren. So wurden die Gründerzeithäuser rund um den Körnerplatz restauriert, ebenso wie viele
denkmalgeschützte Häuser im alten Dorfkern (Foto) und am Elbhang. Moderne Wohnparks entstanden mit dem Augustuspark und den Loschwitz-Arkaden in der Nähe der Pillnitzer Landstraße. Dank privater Initiative und Spenden aus ganz Deutschland
konnte 1991-94 die zerstörte Loschwitzer Kirche wiederaufgebaut werden. Aus dieser Bürgerinitiative ging auch das mittlerweile traditionelle Elbhangfest hervor, welches zu den
größten Dresdner Volksfesten gehört und alljährlich im Juni begangen wird.
Rathaus Loschwitz: Das frühere Loschwitzer Rathaus entstand 1859 als Gaststätte “Unterer Burgberg” an der Einmündung der Grundstraße in den Körnerplatz
(im Foto rechts). Die Gemeindeverwaltung nutzte zu diesem Zeitpunkt ein Bauernhaus im alten Dorfkern an der Friedrich-Wieck-Straße. Architekt des Neubaus war der ortsansässige
Architekt und Bauunternehmer Theodor Lehnert, welcher sechs Jahre zuvor bereits den “Oberen Burgberg” entworfen hatte. 1883 bezogen die Gemeinderäte die
Räume über der Gaststätte, die unter dem Namen “Loschwitzer Ratskeller” noch bis in die 1970er Jahre existierte. Ein weiteres Lokal entstand mit dem “Bräustübel” im vorderen Teil des Grundstücks (ganz links)
. Hier befanden sich zuvor die Diensträume der Loschwitzer Ortspolizei mit drei Arrestzellen. Später wurde der kleine Bau u.a. als Zeitungskiosk und “Stadtcafé” genutzt, 1978 jedoch wegen Baufälligkeit geschlossen.
Ab 1903 gehörten auch die angrenzenden Grundstücke Grundstraße 1 und 3 zum Rathauskomplex. Hier befanden sich
u.a. die Prüfstation und die Rohrmeisterei des Wasserwerkes, die Steuer- und Wasserzinshebestelle, das Loschwitzer
Einwohnermeldeamt und die Brückenverwaltung für das “Blaue Wunder”. Weitere kommunale Behörden folgten bis zur
Eingemeindung des Ortes 1921. Danach übernahmen städtische Dienststellen wie das Stadtsteueramt, die Kreisstelle
des Fürsorgeamtes und die Spar- und Girokasse die Räume. Zeitweise gab es hier auch eine Polizeidienststelle. Beim Luftangriff auf Dresden wurde
das zum Rathaus gehörende Nebengebäude Grundstraße 1 schwer beschädigt. In den 50er Jahren entstand an seiner Stelle eine Trafostation sowie eine Buswartehalle mit öffentlichen Toiletten und einem
Zeitungskiosk. Grundstraße Nr. 3 wurde bis 1989 u.a. von der Wohnbezirksparteiorganisation der SED genutzt. Das
frühere Rathaus selbst diente noch bis 1975 als Gaststätte und Wohnhaus, danach noch einige Jahre als Lagerraum. Eine geplante Rekonstruktion der Gebäude durch eine Handwerker-PGH scheiterte am Materialmangel in der DDR.
Das stark verfallene frühere Rathaus wurde 1994 zugunsten des Ortsamtes Loschwitz abgetragen.
Auch die Häuser Grundstraße 1 und 3 mussten dem Bauvorhaben weichen. Der moderne Neubau nach Plänen des Architektenbüros Hentrich und Partner KG stieß wegen seiner architektonischen
Gestaltung auf heftige Kritik seitens der Bevölkerung. Heute befinden sich hier u.a. Räume für den Ortsbeirat Loschwitz, verschiedene städtische Dienststellen und eine Filiale der Sparkasse. An das
alte Rathaus erinnert noch das in den letzten Jahren sanierte und wieder gastronomisch genutzte “Bräustübel” am Körnerplatz unmittelbar neben der Talstation der Standseilbahn (Foto). An der
Fassade befindet sich ein in den Zwanziger Jahren entstandenes Wandbild, welches einen Bier trinkenden Ritter auf seinem Pferd zeigt. Das in der Nachkriegszeit entfernte Gemälde konnte 2004 nach historischen
Vorlagen rekonstruiert werden.
Foto: Das Loschwitzer Ortsamt an Stelle des früheren Rathauses Schulen in Loschwitz: Dorfschule:
Loschwitz war früher als Schulort für die umliegenden Dörfer von Bedeutung. Bereits 1668 wurde die hiesige Dorfschule erstmals erwähnt, die zu diesem Zeitpunkt auch von den Kindern aus Wachwitz und vom Weißen
Hirsch besucht wurde. Beide Gemeinden errichteten erst im 19. Jahrhundert eigene Schulhäuser. Der Unterricht in
Loschwitz fand zunächst in wechselnden Bauernstuben, später im alten Pfarrhaus am Dorfplatz statt, welches 1892 dem
Bau des Blauen Wunders weichen musste. Bereits 1710 wurde die Schule jedoch in einen Neubau zur Pillnitzer
Landstraße 8 verlegt. Mehrfach erweitert, diente dieses Haus bis 1886 seinem Zweck. Nach erneuter Verlagerung der
Klassenräume wurde das Gebäude als Wohnhaus, öffentliche Bücherei und zwischen 1904 und 1909 von der Höheren Bürgerschule genutzt. Zwischen 1934 und 1948 hatte hier auch das Loschwitzer Ortsmuseum sein Domizil. Heute
befinden sich in diesem Gebäude Wohnungen, die Pfarramtskanzlei und ein Naturkostladen. Körnerschule: Trotz der erfolgten Umbauten genügte die alte Schule gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr den Anforderungen. Gegenüber der Kirche erbaute die Gemeinde
Loschwitz deshalb 1886 ein neues Schulgebäude, welches am 18. April 1887 eingeweiht werden konnte. Der dreistöckige Schulbau im Stil der Gründerzeit (Foto) besaß neben den
Klassenräumen auch eine eigene Turnhalle und trug seit 1919 den Namen Körnerschule. Das Gebäude brannte beim Luftangriff 1945 aus und wurde in den 50er Jahren abgerissen.
Heute befindet sich an dieser Stelle eine Grünfläche.
Schillerschule:
Als viertes Schulhaus des Ortes errichtete die Gemeinde 1909 die Schillerschule (Foto). Architekt des mit modernen Fachkabinetten, Aula und Bibliothek
ausgestatteten Gebäudes war der Loschwitzer Professor Georg Schramm. Zunächst als Höhere Bürgerschule genutzt, wurde diese Schule nach der Eingemeindung des Ortes
1921 zur 62. Volksschule umgewandelt, behielt jedoch gleichzeitig ihren alten Namen. Die zwischen 1959 und 1992 als 62. POS “Friedrich Schiller” bezeichnete Schule wird
heute als Mittelschule weitergeführt. Ende der 1990er Jahre erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Ein 1913 von Georg Schwenk aus Wachwitz geschaffenes Wandbild in der Aula wurde
1951/52 übermalt, konnte jedoch 2003 restauriert werden. Das Gemälde stellt “Die Erziehung der Jugend im Geiste Schillers” dar. Weitere künstlerische Details stammen von Professor Brodauf (Reliefs an der Fassade und im
Treppenhaus) sowie von Professor Goller (Glasfenster mit Tierkreiszeichen). Zum Schulgrundstück gehört auch ein Sportplatz, welcher 1979 auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Knackfuß angelegt wurde.
Neue Grundschule: Um den gewachsenen Schülerzahlen im Raum Loschwitz Rechnung zu tragen, entstand ab 2009 auf
dem Grundstück der ehemaligen Straßenmeisterei an der Winzerstraße ein Neubau für die 62. Grundschule “Friedrich
Schiller”. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Juni 2009, die Fertigstellung mit Beginn des Schuljahres 2010/11. Als
erstes Dresdner Schulhaus wurde das Gebäude im Passivhausstandard gebaut und verfügt über ein spezielles Lüft- und
Heizungssystem, welches eine automatische Sauerstoffzufuhr gewährleistet. Insgesamt gibt es acht Klassenräume, einen Werkraum, Mediathek, Gruppenräume für die Ganztagsbetreuung und eine integrierte Sporthalle. Ortsmuseum Loschwitz: Im Jahr 1882 gründeten heimatkundlich interessierte Loschwitzer einen Ortsverein, der sich der Pflege regionalen
Brauchtums und der Bewahrung von Zeugnissen der Ortsgeschichte verschrieb. 1902 rief der Gemeinderat einen Ausschuss für Ortsgeschichte ins Leben, welcher unter Leitung des Baurates Schramm mit der Sammlung und dem
gezielten Ankauf von Exponaten begann. Wenige Jahre später konnte im früheren Schulhaus an der Pillnitzer Landstraße
8 ein Ortsmuseum eingerichtet werden. Zu den Beständen gehörten u. a. kirchen- und gemeindeamtliche Dokumente, Chroniken und Fotos.
Zunächst nutzte das Museum einige Räume im Obergeschoss der Schule, zog jedoch 1909 ins Erdgeschoss um. Im Zuge der Eingemeindung gingen die Bestände in den Besitz der Kirchgemeinde über, welche sich im Gegenzug zum
Erhalt des Ortsmuseums verpflichten musste. In den Zwanziger Jahren war ein Umzug in das geplante, jedoch nie
realisierte neue Stadthaus am Körnerplatz vorgesehen. Stattdessen entschied man sich 1932, die vorhandenen Räume
umzubauen und zu erweitern. Die Einweihung des neu gestalteten Museums erfolgte am 17. Juni 1934. Fortan konnten
die Besucher neben der ortsgeschichtlichen Sammlung mit zahlreichen Fotografien von August Kotzsch ein Ludwig-
Richter-Gedenkzimmer sowie einen dritten Raum mit Werken örtlicher Künstler besichtigen. Schenkungen und Ankäufe erweiterten und ergänzten die Sammlung.
1948 wurde der Ortsverein Loschwitz per Verfügung aufgelöst. Das vorhandene Vermögen ging dabei in den Besitz der
Stadt Dresden über. Wenig später kündigte die Kirchgemeinde die Räume auf der Pillnitzer Landstraße 8, so dass auch
das Museum schließen musste. Zunächst wurden dessen Bestände in der Nordhalle (heute Militärhistorisches Museum)
deponiert und 1965 ins neue Dresdner Stadtmuseum verbracht. Eine Reihe historischer Archivalien kehrte 1997 in das Pfarrarchiv der Loschwitzer Kirchgemeinde zurück. Postamt:
Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts oblag der gesamte Postverkehr des Ortes und seiner Nachbargemeinden den
Postboten, welche - ohne festen Standort - in den Dörfern zu Fuß unterwegs waren und postalische Dienstleistungen anboten. Erst
1857 erhielt Loschwitz sein erstes eigenes Postamt, welches sich zunächst in einem heute nicht mehr bestehenden Haus an der Brückenstraße befand. Dieses war auch für die Versorgung von Blasewitz, Bühlau, Quohren,
Nieder- und Oberrochwitz, Wachwitz, Pappritz und des Weißen Hirsch verantwortlich. Auch das wenig später eingeweihte zweite Postgebäude an der Friedrich-Wieck-Straße 1 ist nicht mehr erhalten. 1885
wurde die Post zur Schillerstraße, wenige Jahre später in die Villa Pillnitzer Landstraße 14 verlegt. Diese Villa, die sich
unmittelbar neben der Körnerschule befand, fiel 1945 den Bomben zum Opfer. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Postamt aber bereits in einem anderen Gebäude, welches für diesen Zweck 1912 an der Pillnitzer Landstraße 30
errichtet worden war. Hier hatte die auch für die Nachbarorte zuständige Post bis nach 1990 ihren Sitz. Danach übernahm eine private Postagentur deren Aufgaben (Pillnitzer Landstraße 34, ab 2011 34a). Elbebad: Das Loschwitzer Elbebad entstand wie die meisten Bäder seiner Ende des 19. Jahrhunderts und befand sich im Besitz
der Elbfischerfamilie Höhle. Die Familie gehörte zu den ältesten im Ort und ist bereits vor 1600 in den Urkunden
verzeichnet. Da die Fischerei den Lebensunterhalt allein kaum deckte, entschloss man sich, als Nebenerwerb eine
Schwimm- und Badeanstalt am Elbufer zu errichten. Zu den Besuchern des stadtbekannten Bades gehörten auch die
sächsischen Prinzen, welche hier das Schwimmen erlernten. 1936 wurde das Elbebad an die Stadt Dresden verkauft.
Beim Luftangriff 1945 wurde es im Winterquartier im Loschwitzer Hafen schwer beschädigt und im September 1947 als letztes Elbebad im Stadtgebiet endgültig geschlossen. Elbfähre:
Die Geschichte der Loschwitzer Elbfähren reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Bereits um 1430 soll es hier eine Fähre
gegeben haben, welche 1556 urkundlich genannt wird. Die Fährgerechtigkeit lag auf dem noch heute erhaltenen
Fährgut (Friedrich-Wieck-Straße 45) und befand sich jahrhundertelang im Besitz Loschwitzer Familien. Für dieses Privileg
mussten die Fährmeister alljährlich 14 Groschen Erbzins an das Dresdner Maternihospital entrichten. Während der
Fährmeister im eigentlichen Fährgut wohnte, waren die vom städtischen Brückenamt verpflichteten Fährknechte im Fährhaus am Elbufer untergebracht. Da die Loschwitzer Fähre verkehrstechnisch günstig gelegen war, gehörte sie zu den
meistfrequentierten im Dresdner Raum und wurde vor allem von Fuhrleuten gern genutzt. Im Gegensatz zu diesen durften die Loschwitzer und Blasewitzer Einwohner
sowie die Bewohner einiger weiterer Dörfer die Fähre kostenlos benutzen, waren jedoch zur Zahlung eines jährlichen Betrages an den Fährmeister verpflichtet. 1862
übernahm die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft den Fährbetrieb und setzte hier erstmals eine Dampffähre ein (Foto). Diese verkehrte bis zur
Fertigstellung des Blauen Wunders 1893. Da jedoch auch die Brückenüberquerung in den Anfangsjahren gebührenpflichtig war, konnte der Personenfährbetrieb noch bis
1915 aufrecht erhalten werden. 1927 richtete man an anderer Stelle zwischen Wasserweg und Oehmestraße erneut eine
Personenfähre ein, bevor die Geschichte des Fährbetriebes in Loschwitz am 1. November 1955 endgültig endete.
Zu den tragischen Ereignissen der Ortsgeschichte gehörte das Loschwitzer Fährunglück am 5. Januar 1722. Bei Hochwasser und stürmischem Wetter war das mit 73 Personen völlig überladene Fährboot voll Wasser gelaufen und
gesunken. 19 Menschen kamen dabei ums Leben, die übrigen konnten sich mit einiger Mühe retten. Der Unfall führte zu
einer Überarbeitung der sächsischen Fährordnungen und legte fortan das unbedingte Weisungsrecht des Personals gegenüber den Passagieren fest. Für die Verunglückten wurde am Folgetag in der Loschwitzer Kirche ein
Trauergottesdienst durchgeführt. Weiterführende Literatur und Quellen
Loschwitzer Nachrichten
24. Dezember 2011:
Nach längerer Pause werden die Bauarbeiten an der Ausflugsgaststätte „Schöne Aussicht“ jetzt mit der Entkernung des Innenraums fortgesetzt. Wann die eigentliche Sanierung
beginnt, ist jedoch nach wie vor unklar. 25. November 2011:
Das Blaue Wunder wird ab heute abends beleuchtet. Erstmals leuchten 60-LED-Lampen und tauchen die Brücke in ein weißes, indirektes Licht. Die Installation war im
vergangenen Jahr beschlossen worden und soll die Attraktivität des Bauwerks weiter erhöhen. 15. Juli 2011:
Das um 1800 errichtete historische Winzerhaus Veilchenweg 16 soll wegen seines schlechten Bauzustandes abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Zustimmung des
Denkmalschutzes wurde bereits erteilt. 1. Juli 2011: Das Gebäude Friedrich-Wieck-Straße 17 wird derzeit saniert. Dabei mussten Teile des
Obergeschosses abgerissen werden, bevor der originalgetreue Wiederaufbau beginnt. Im Haus befand sich einst das bekannte Loschwitzer Lokal “Mutter Unger”: 16. Juni 2011:
Das historische Heizhaus von Schloss Albrechtsberg wird derzeit saniert und soll dabei sein früheres Aussehen zurück erhalten. Nach Fertigstellung ist eine Nutzung des Gebäudes für
verschiedene Veranstaltungen geplant. 5. April 2011: Ab Mai wird die Deutsche Post wieder eine Filiale in Loschwitz eröffnen. Diese wird in
der Nähe des Körnerplatzes in der Konsum-Filiale Pillnitzer Landstraße 34a untergebracht. Ende Februar war die bisherige Poststelle geschlossen worden. 2. April 2011:
Seit 2. April gibt es am Körnerplatz 4 ein neues Geschenke- und Souvenirgeschäft. Angeboten werden u.a. historisches Kinderspielzeug, Büchern, Deko-Artikel und Dresden-Souvenirs.
Bis 2010 waren die Räume als spanisches Modehaus genutzt worden. 29. März 2011: Das Einkaufszentrum Loschwitz-Arkaden an der Pillnitzer Landstraße wird im Sommer
umgebaut. Statt zahlreicher kleiner Geschäfte sind künftig großzügige moderne Räume geplant. Allerdings hatten die in diesem Zusammenhang erfolgten Geschäftsschließungen bereits für Unmut
unter den Anwohnern gesorgt. 7. März 2011: Mit rund fünf Monaten Verzug wird der Neubau der Schulturnhalle der 59. Grundschule
übergeben. Mit Hilfe von Fördermitteln des Konjunkturpaketes wurden über 2 Millionen Euro in den
Neubau investiert. Die neue Turnhalle soll zugleich als Aula und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. In den kommenden Wochen werden nun noch die Außenanlagen fertiggestellt. 4. März 2011: Nach kontroversen Diskussionen stimmt der Ortsbeirat Loschwitz für einen dauerhaften
Parkplatz auf dem Festplatz an der Elbe. Für das Vorhaben soll die Fläche östlich des Baches Trille dauerhaft aus dem Landschaftsschutzgebiet ausgegliedert werden. Grund sind Anwohnerbeschwerden
über den zunehmenden Verkehr im alten Dorfkern. Allerdings bleiben die Pläne umstritten und werden vor allem von den Grünen abgelehnt. 26. Februar 2011:
Die Loschwitzer Postfiliale an der Pillnitzer Landstraße 34 bleibt ab sofort geschlossen. Gegenwärtig versucht das Unternehmen, einen neuen Partner für eine Filiale in der Umgebung zu finden 28. Januar 2011: Das “Ladensterben” am Körnerplatz setzt sich fort. Nachdem bereits im
vergangenen Jahr ein Schuhladen und eine Boutique geschlossen wurden, werden 2011 auch das “Unikat” und das spanische Spezialitätenrestaurant auf der Friedrich-Wieck-Straße 2 ihre Pforten
schließen. Grund sind fehlende Parkmöglichkeiten und zuviel Verkehrslärm am Platz. 25. Januar 2011:
Voraussichtlich im März sollen die Sanierungsarbeiten an der Gaststätte “Schöne Aussicht” beginnen. Das Haus wird nach Vorlagen des Denkmalschutzes renoviert und erhält u.a. eine
neue Küche für das hier geplante Restaurant. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest 10. Januar 2010:
Nach dem Rückzug der Betreiberfamilie hat das italienische Restaurant “Il Camino” im Alten Fährgut derzeit geschlossen. Ende Januar soll das Lokal unter dem neuen Namen “Portofino”
voraussichtlich wieder eröffnet werden.
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