Gruna

Gemeindesiegel von Gruna

Postleitzahl: 01277



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Bildungseinrichtungen
in Gruna:

Bibliothek Gruna
Papstdorfer Str. 13
01277 Dresden
Tel. 0351/2561037

 

Der heutige Stadtteil Gruna wurde im Mittelalter von deutschen Siedlern gegründet und 1370 als Grunow erstmals erwähnt. Der Name bedeutet “Ort in der grünen Aue” und bildete ein Platzdorf mit Block- und Streifenflur. Die ausgedehnte Dorfflur erstreckte sich zwischen der heutigen Winterbergstraße bis zum Striesener Friedhof sowie zwischen Hepkeplatz und Enderstraße. Begrenzt wurde das Gebiet von zwei alten Elbarmen, die später als Gartenland genutzt wurden. Ein Teil dieses tiefergelegenen Geländes wird bis heute vom Landgraben genutzt (Foto) , der bereits 1309 erwähnt ist und als Entwässerungsgraben, Wasserreservoir und natürlicher Schutz vor feindlichen Übergriffen genutzt wurde.

Ursprünglich unterstand Gruna dem Domstift zu Meißen, kam jedoch im Zuge der Reformation an das Religionsamt Dresden bzw. das kurfürstliche Amt. Erst im Zuge der Landgemeindeordnung des 19. Jahrhunderts wurde diese Unterstellung zugunsten moderner Verwaltungsformen aufgehoben. Wichtigster Erwerbszweig blieb jahrhundertelang die Landwirtschaft. Später kamen noch Gartenbau und einige Ziegeleien hinzu. Kirchlich gehörte Gruna zur Dresdner Kreuzkirche. Veränderungen der Dorfflur erfolgten 1547 durch die Einbeziehung der Felder des untergegangenen Dorfes Praschütz sowie die 1678 vom Kurfürsten erzwungene Abtretung von Flächen zugunsten des Großen Gartens.

Wichtigste Verkehrsverbindung aus der Stadt in Richtung Osten war die Pirnaische Landstraße, deren Verlauf sich noch heute teilweise in der Grunaer Straße und der Bodenbacher Straße erhalten hat. Ein mittelalterliches Sühnekreuzinmitten des Großen Gartens erinnert noch an die einstige Straßenführung. Gruna war für diesen Verkehrsweg von besonderer Bedeutung, da sich hier eine schon 1439 erwähnte “brucke bie Grunow” befand, die den Landgraben überquerte. Zur Betreuung der Fuhrleute entstand in ihrer Nähe eine Schmiede, die später als Schank- und Beherbergungsstätte diente und noch bis 1945 unter dem Namen “Grüne Wiese” bestand.

Schwer betroffen war das Dorf Gruna in den Napoleonischen Kriegen, in deren Folge der Ort am 11. Oktober 1813 niederbrannte. Für den Wiederaufbau der Gehöfte fanden Steine der früheren Umfassungsmauer des Großen Gartens Verwendung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Gruna zum beliebten Ausflugsziel der Dresdner Bevölkerung, die gern die hier gelegenen Ausflugsgaststätten besuchten. Zeitweise wurde von der Gemeinde sogar eine Art “Kurtaxe” von 10 Groschen zugunsten der Gemeindearmenkasse erhoben.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die 1873 eröffnete Pferdebahnlinie vom Neumarkt bis zum Dorf. Nicht nur Sommergäste ließen sich in Gruna nieder, auch die ständige Einwohnerzahl wuchs innerhalb weniger Jahre deutlich an. Allerdings blieben Villenbauten, wie das Parkhaus von Julius Rothermundt die Ausnahme. Stattdessen dominierten Mietshäuser (Foto: Zwingli- / Leitmeritzer Straße - 1945 zerstört) für die Arbeiter der beiden Ziegeleien sowie der in den Nachbarorten entstandenen Industriebetriebe. Abseits des Dorfkerns entstand ab 1876 im ehemaligen Tännicht der Ortsteil Neugruna im Anschluss an die Blasewitzer Villenviertel. 1892 wurde an der Bodenbacher Straße die Thomaskirche eingeweiht.

Foto: Wohnhäuser an der Schneebergstraße

Erst nach dem Ersten Weltkrieg verlor der am 1. April 1901 nach Dresden eingemeindete Stadtteil endgültig sein ländliches Bild. Zwar waren bereits 1886 die Lehmgruben der westlich des Dorfkerns gelegenen Ziegelei mit dem Bauschutt der zugunsten der König-Johann-Straße abgebrochenen Badergasse verfüllt worden. Trotzdem wurden noch um 1900 fast 75 % der Ortsflur landwirtschaftlich genutzt.

1925 begannen der gemeinnützige Bauverein Gartenheim und der Dresdner Spar- und Bauverein auf einer bereits zum Ende des Ersten Weltkrieg erworbenen Fläche zwischen Junghans-, Hepke-, Bärensteiner Straße und Frauensteiner Platz mit der Errichtung von insgesamt 1.400 Wohnungen. Die Pläne für diese Siedlung stammen von Paul Beck und Max Oertel, die die Häuser im Stile einer Gartenstadt zwischen Junghansstraße (Foto rechts) und Landgraben projektierten. Das in sich geschlossene Wohnviertel besitzt neben einer Mittelachse (Gartenheimallee) drei zentrale Plätze sowie großzügige Gartenanlagen für die Bewohner. Ursprünglich gehörten noch 13 Holzhäuser zur Siedlung, welche jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fielen. Weitere Wohnviertel entstanden zwischen 1924 und 1928 an der Haenel-Clauß- und der Hepkestraße. Trotz dieses Wandels bestanden noch bis 1945 drei Bauernhöfe im Dorf.

Durch die Luftangriffe im Februar 1945 wurde auch Gruna schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zu den zerstörten Gebäuden gehörten die Gehöfte im Dorfkern, das Parkhaus Rothermund sowie die Ausflugsgaststätte “Grüne Wiese”. Die ebenfalls schwer beschädigten Wohnhäuser um den Falkensteinplatz (Foto: Ecke Schneebergstraße) wurden bereits ab 1949 wieder aufgebaut. 1975/77 wurde die Umgestaltung des Stadtteils mit einem Neubaugebiet an der Zwinglistraße fortgesetzt. Vorrangig entstanden hier und auf ehemaligem Gärtnereigelände an der Bodenbacher Straße fünfgeschossige Plattenbauten, ergänzt um einige Hochhäuser und eine moderne Fußgängerzone mit Läden und Gaststätten. Nach 1990 wurden die verbliebenen Baulücken mit weiteren Wohn- und Geschäftshäusern geschlossen. 1999 folgte der Umbau des wichtigen Verkehrsknotenpunktes Zwinglistraße zum neuen Stadtteilzentrum.

 

Schulen in Gruna:

Dorfschule: Ursprünglich wurden die Kinder des Ortes, wie in den meisten Dörfern, in den Bauernstuben der Einwohner unterrichtet. Ab 1838 besuchten sie die Schule im benachbarten Striesen. Ihr erstes Schulhaus erhielt die Gemeinde 1865, als an der Bodenbacher Straße 29 ein kleines Schulgebäude übergeben werden konnte. Da dieses bald zu klein wurde, wurde es 1884 erweitert und nach der Eingemeindung Grunas als 31. Bezirksschule bezeichnet. Zusätzlich mussten um 1900 einige Baracken aufgestellt werden, um die stark angewachsene Schülerzahl bewältigen zu können. Nach der Einweihung der neuen Schule an der Junghansstraße endete der Schulbetrieb. Das Gebäude wurde nun zunächst für städtische Verwaltungszwecke und von der Sparkasse, später als kommunales Kinderheim genutzt. 1945 fiel das Haus den Bomben zum Opfer.

Gymnasium Gruna: Da die bisherige Schule durch den starken Anstieg der Bevölkerungszahl nach 1900 nicht mehr den Anforderungen genügte, wurde 1912 der Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein mit dem Entwurf für ein neues Schulhaus beauftragt. Der moderne Bau an der Junghansstraße 15 konnte am 21. April 1914 eingeweiht werden und war letzte architektonische Schöpfung des Stadtbaurates vor seinem Tod (Foto). Ursprünglich war diese Schule in einen Jungen- und einen Mädchentrakt geteilt und bot Platz für bis zu 50 Schulklassen mit ca. 1.600 Kindern. Nutzer waren die 31. Bezirksschule (ab 1919 31. Volksschule), die Knabenklassen der X. Bürgerschule und die 1. Mädchenfortbildungsschule. Während der Weimarer Republik entstanden die ersten gemischten Klassen, außerdem wurden verschiedene Reformschulprojekte erprobt. Am  14. Juni 1935 erhielt die bisherige 31. Volksschule den Namen Hans-Schemm-Schule. Schemm gehörte seit 1923 der NSDAP an und gründete 1929 den NS-Lehrerbund. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er bayrischer Kultusminister und kam 1935 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Drei Jahre später richtete man im Schulhaus ein “Heimatzimmer” als Schul- und Ortsmuseum ein. Beim Luftangriff entstanden zum Glück nur geringe Schäden, so dass der Unterricht bereits am 1. Oktober 1945 wieder aufgenommen werden konnte.

Da die seitdem als 31. Grundschule bezeichnete Schule zu den größten in Dresden gehörte, beschloss der Rat der Stadt Dresden 1956, die Einrichtung in zwei rechtlich selbständige Einheiten zu trennen. Fortan beherbergte der Nordflügel  des Gebäudes die 5. POS “Kurt Schlosser” , der Südflügel die 31. POS ”Georgi Dimitroff”. Mit in den 1960er Jahren eingeführten Namensgebung sollte an den von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer und “Roten Bergsteiger” Kurt Schlosser und an den durch sein Auftreten beim Reichstagsbrandprozess bekannt gewordenen bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff erinnert werden. 1986/87 erfolgte eine grundlegende Sanierung des Schulhauses. Seit 1992 befindet sich hier das Gymnasium Dresden-Gruna, welches 2004 den Namen “Hans-Erlwein-Gymnasium” erhielt.

Schule Neugruna: Die Kinder des Stadtteils besuchten zunächst die Blasewitzer Schule, bevor 1876 der Unternehmer Joseph Traube auf seinem Grundstück an der Tauscherstraße Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Allerdings bereitete das schnelle Bevölkerungswachstum schon bald Probleme, so dass weitere Räume in verschiedenen Gebäuden angemietet werden mussten. 1907-1909 wurde deshalb von Hans Erlwein ein moderner Schulneubau an der Hofmannstraße 34 errichtet und am 19. April 1909 eingeweiht. Der repräsentative Gebäudekomplex passt sich architektonisch der umgebenden Villenbebauung an und wurde von bekannten Künstlern wie Georg Wrba, Karl Groß, Paul Rößler und Paul Perks ausgestaltet, letzterer war Schöpfer des Mosaikbildes an der Fassade.

Ab 1919 nutzte die 32. Volksschule das Schulhaus. Nach 1945 wurde diese in die 32. Grundschule, 1958 in die 32. Polytechnische Oberschule umgewandelt. Seit dem 22. April 1966 trug sie den Namen 32. POS “Paul Gruner”, benannt nach einem antifaschistischen Widerstandskämpfer, der viele Jahre bei der Dresdner Straßenbahn tätig war. 2004 wurde sie wegen des an der Fassade befindlichen Märchenmosaiks in “Sieben-Schwaben-Schule” umbenannt und heute von der 32. Grund- und Oberschule genutzt.

Kleingartenanlage “Alte Elbe:

Die Kleingartenanlage am Frauensteiner Platz im Osten der Grunaer Flur wurde 1928 in einem ehemaligen Elbarm angelegt. Ihren Namen verdankt sie einer bereits zuvor für dieses Gebiet verwendeten Flurbezeichnung. Da das Gelände zum Teil bis zu zwei Meter tiefer als seine Umgebung lag und entsprechend hochwassergefährdet war, kam für diese Fläche eine Bebauung mit Wohnhäusern nicht in Frage. Zur Anlage, welche bis zur Enderstraße in Striesen reicht, gehörte früher auch ein Festplatz mit Gastronomie sowie ein kleines Freibad.

Grunaer Straßen

Weiterführende Literatur und Quellen

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