Zu den beliebtesten Dresdner Einkaufszentren gehört seit ihrer Eröffnung 2002 die Altmarkt-Galerie, unmittelbar am Altmarkt, dem traditionellen Marktplatz der Stadt gelegen. Wer heute durch die Gänge des Shopping-Centers schlendert wird kaum nachvollziehen können, wie es einst hier aussah. Grund, einmal in die Geschichte des Areals zu schauen.

Schon im Mittelalter war das Grundstück zwischen Altmarkt und Stadtwall, an den noch heute die Wallstraße erinnert, dicht bebaut. Durchzogen war das Gebiet von drei Gassen: der Zahnsgasse, der Webergasse und der Scheffelgasse. Erste ist 1396 erstmals erwähnt und verdankt ihren Namen der Bürgerfamilie Zahn. Parallel verlief die im gleichen Jahr erwähnte "wenynge Webergasse", später Kleine Webergasse genannt. In dieser Straße lebten vor allem Weber, die bis 1878 hier auch ihr Innungshaus hatten. Außerdem gab es die Große Webergasse. Da an der Ecke zum Altmarkt der städtische Eichscheffel zur Kontrolle der Markthändler angebracht war, bürgerte sich für diese ab 1500 der Name Scheffelstraße ein (Bild um 1840). Verbunden waren die drei Gassen durch namenlose schmale Durchgänge, die noch bis 1945 existierten.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden viele der kleinen mittelalterlichen Häuser umgebaut, erweitert oder durch repräsentative Neubauten ersetzt. So entstand an der Webergasse 2 / Ecke Altmarkt ein Renaissancebau, der nach seinem Umbau 1790 Domizil der bekannten Arnoldschen Buch- und Kunsthandlung war. 1709 erwarb der Rat zu Dresden das Eckgebäude an der Scheffelstraße und ließ dieses 1741/45 vom Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel zum Rathaus umbauen. Bis zur Errichtung des Neuen Rathauses kurz vor dem Ersten Weltkrieg nutzte die Dresdner Stadtverwaltung dieses Gebäude (Foto).

Stadtbekannt waren zudem einige Lokale in diesem Viertel. Zuallererst ist dabei die "Bärenschänke" auf der Webergasse zu nennen. Das volkstümliche Wirtshaus bot nach mehreren Erweiterungen in zehn Räumen Platz für über 1000 Gäste (Bild). Die Innenraumgestaltung übernahm der Künstler Oswin Hempel. Zudem verfügte die Bärenschänke über eine für damalige Zeit hochmoderne Küche und sogar über ein eigenes Rittergut in der Nähe von Kreischa, um ständig frische Lebensmittel beziehen zu können. In der benachbarten Scheffelgasse gab es den Gasthof "Zum kleinen Rauchhaus", eines der ältesten Lokale Dresdens. Diese Konzentration von Gastronomiebetrieben brachte der Webergasse im Volksmund den Namen "Fressgasse" ein.

Foto: Der Eingang zur Bärenschänke vor der Zerstörung 1945

1945 versank das gesamte Gebiet in Trümmer und löschte so über 700 Jahre Stadtgeschichte aus. Nach Abtragung der Ruinen blieb die Fläche bis Ende der 1950er Jahre unbebaut. Im Zuge des Wiederaufbaus am Altmarkt entschloss man sich, dieses Viertel komplett neu zu gliedern und zu einem Fußgängerbereich mit Läden und Gaststätten umzugestalten. Unter dem Namen "Einkaufszentrum Webergasse" wurden zwischen 1958 und 1962 nach Plänen von Wolfgang Hänsch, Gerd Dettmar und Werner Wunderwald pavillonartige Neubauten errichtetet. Hier fanden u.a. die Gaststätte "Wallterrasse" und ein Dienstleistungskomplex mit öffentlicher Reinigung ihren Platz (Foto um 1960/SLUB - Fotothek).

Nach 1990 beschloss die Stadt, das gesamte Viertel neu zu gestalten und rief dazu einen Wettbewerb ins Leben. 1993 erhielt das dabei entstandene städtebauliche Konzept einen Preis. Dieses sah vor, die vorhandenen Gebäude abzutragen und durch ein modernes Einkaufszentrum zu ersetzen. Die verbleibenden Freiflächen sollten als Aufenthaltsbereiche gestaltet und die verschwundene Scheffelstraße und Zahnsgasse als Fußgängerpassagen neu geschaffen werden. Nach mehrjähriger Bauzeit öffnete am 18. September 2002 das Einkaufszentrum "Altmarkt-Galerie". Nach Abbruch des sogenannten "Linde-Hauses" an der Wilsdruffer Straße wurde 2009-11 noch ein Erweiterungsbau errichtet, so dass heute auf einer Fläche von ca. 44.000 m² über 200 Geschäfte existieren. Hinzu kommen ein Hotel und Büroräume. Insgesamt gibt es drei Etagen für größere Märkte, kleine Boutiquen, gastronomische Einrichtungen und Spezialshops. Sitzgruppen, Brunnen und Flächen für wechselnde Ausstellungen sorgen zudem für Aufenthaltsqualität über den Einkauf hinaus. Zu den hier zu findenden Anbietern gehören Modeanbieter wie Jack & Jones, der Elektronikmarkt Saturn, ein Verkaufsladen des Süßwarenherstellers "Halloren" und viele weitere Geschäfte die zum Einkaufsbummel anregen. Auch die traditionsreiche Dresdner Konditorei Kreutzkamm besitzt in der Altmarkt-Galerie eine Filiale."

 


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