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Es gehört heute zu den bequemen Annehmlichkeiten des Alltags, sich Waren jederzeit ins Haus liefern zu lassen, von Büchern, Bekleidung und CD´s bis hin zu Lebensmitteln, Speisen und Getränken. Moderne Kommunikations- und Transportmittel tragen dazu bei, das ohne großen Aufwand und fast rund um die Uhr tun zu können. Auch in früheren Zeiten war dieser Service nicht völlig unbekannt, stand jedoch meist nur wohlhabenden Schichten zur Verfügung. Der einfache Bürger erledigte seine Besorgungen hingegen auf öffentlichen Märkten, die in Dresden in der Regel auf dem Altmarkt stattfanden. Begüterte Familien gingen nicht selbst, sondern schickten dafür ihr Hauspersonal zum Einkauf.

Eine Besonderheit bildete der kurfürstliche, später sächsische Hof. Es galt unter Händlern und Produzenten als besondere Ehre, zum erlauchten Kreis der "Hoflieferanten" zu zählen und damit werben zu dürfen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Liste der sächsischen Hoflieferanten lang und zählte allein in Dresden weit über 100 Unternehmen. Unter ihnen waren so klangvolle Namen wie die Bienertschen Mühlenwerke in Dresden-Plauen, der Königliche Hofverlagsbuchhändler von Baensch, die Lampen- und Kronleuchterfabrik Bösenberg, die Dresdner Reiseutensilien- und Lederwarenfabrik Lippold, der Hoffotograf Hugo Engler, die bekannte Schokoladenfabrik Hartwig & Vogel sowie die Plauener Bisquit- und Waffelfabrik Hromadka & Jäger. Einige ausgewählte Unternehmer waren sogar für mehrere regierende Adelshäuser tätig, wie der Königlich-sächsische Hofjuwelier Moritz Elimeyer am Neumarkt, der zugleich Hofjuwelier der Königin von England und des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha war. Auch der Onkel des Schriftstellers Erich Kästner, der Pferdehändler Paul Augustin mit Firmensitz auf der Hechtstraße nannte sich stolz "Hoflieferant".

Um in den Genuss der Frei-Haus-Lieferung von Brot und anderen Backwaren zu kommen, musste man jedoch nicht adlig sein. Die über 200 Dresdner Bäckereien lieferten mit Hilfe von "Brötchenjungen" fast überall ihre Ware bis an die Haustür. Sicherlich gehörte auch Gottfried Louis Braune hinzu, der an seinem Ladengeschäft auf der Schlossstraße 19 stolz mit "Lieferungen von Gebröde, Kaffee und Backwaren" warb und seit 1857 ebenfalls zum erlauchten Kreis der Hoflieferanten gehörte. Auch verschiedene Gaststätten und Hotels brachten auf Wunsch frisch zubereitete Speisen direkt in Häuser ihrer Kunden und selbst der Besitzer der im Vorort Gruna gelegenen Gartenwirtschaft "Grüne Wiese" erwirkte für sich das Privileg, seine "Kuchenmädchen" an den Wochenenden in den Großen Garten schicken zu dürfen, um frischen Kuchen an die Ausflügler zu verkaufen.

Heute nutzt wohl ein Großteil der Dresdner mehr oder weniger oft einen Lieferservice. Unter den Anbietern befinden sich vor allem zahlreiche Pizzerias, die ganz in der Tradition ihres Dresdner "Urahns" Torniamenti italienische Speisen anbieten. Torniamenti war im 19. Jahrhundert Besitzer des ersten italienischen Restaurants der Stadt auf der Brühlschen Terrasse. Aber auch andere mehr oder weniger "exotische" Speisen stehen auf den Speisekarten der Lieferdienste, über deren reiche Auswahl man sich auf der Webseite www.lieferheld.de informieren kann. Dort gibt es sogar einen "Award" als Auszeichnung für besonders empfehlenswerte Bringdienste. Nur auf so exquisite Produkte wie "englische Austern, Trüffel und Gänseleberpastete", mit denen ihre Vorgänger um 1900 warben, wird man wohl leider verzichten müssen

 


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