Werbeanzeige der Firma Seidel & Naumann

Werbeanzeige der Firma Leonhardi

Werbeanzeigen aus dem Dresdner Adressbuch von 1925

Zu den selbstverständlichen Erfordernissen einer modernen Stadt gehört eine effektive Verwaltung. Aber auch Unternehmen, Vereine und private Haushalte nutzen für ihre Büroorganisation alles, was die moderne Technik heute ermöglicht.

In der Vergangenheit war das deutlich schwieriger. Schauen wir in die Geschichte Dresdens zurück, so stellt man fest, dass die Gründung der Stadt und der meisten heutigen Stadtteile gar nicht schriftlich belegbar ist. Grund dafür ist, dass die slawischen Ortsgründer und Bewohner keine Schriftsprache besaßen und Vereinbarungen, Verträge usw. deshalb nur mündlich überliefert wurden. Erst mit der Ankunft deutscher Siedler und der Gründung der Burg Meißen 968 begann der Aufbau einer Verwaltung, die nun auch auf schriftlich fixierte Urkunden zurückgriff. Lese- und Schreibkenntnisse besaßen jedoch nur wenige Kanzleibeamte, die meist für den Landesherren bzw. den Bischof von Meißen tätig waren (Bild: Blick in eine mittelalterliche Schreibstube, Holzschnitt von Urban Wyss, Zürich 1549). Ein frühes Verwaltungszentrum befand sich am Burgwart Briesnitz, der im 11. und 12. Jahrhundert so etwas wie die "Hauptstadt" der Dresdner Region war. Ein Zeugnis der damaligen Verwaltungstätigkeit sind die überlieferten urkundlichen Ersterwähnungen, die sich sämtlich auf alte Urkunden, Steuerverzeichnisse und Gerichtsakten zurückführen lassen. Auch die Stadt Dresden selbst feiert ihre Jubiläen auf Grundlage einer solchen Urkunde, die am 31. März 1206 einen Urteilsspruch über Streitigkeiten zweier Adliger schriftlich fixierte und dabei erstmals den Namen Dresden erwähnte.

Dresdens frühe Verwaltung hatte ihren Sitz am Altmarkt, wo sich das 1295 erstmals als Kaufhaus der Gewandschneider genannte alte Rathaus befand. Hier war auch das Büro des Stadtschreibers, der wichtige Ratsentscheidungen und Verträge der Bürger in den ab 1404 überlieferten Stadtbüchern festhielt. Diese Schreiber waren hoch angesehene Experten, die neben Schreib- meist auch juristische Kenntnisse besaßen. Einer von Ihnen, in den Überlieferungen als "Thomas, der alte Stadtschreiber" bezeichnet, brachte es 1413 sogar zum Bürgermeister der Stadt. Auch Privatpersonen ließen ihre Korrespondenz meist von Schreibern erledigen, in Dresden oft von Schülern der Kreuzschule. Noch heute erinnert der Name der Schreibergasse in der Nähe des Altmarktes daran. Das Bild zeigt einen Blick in die Schreibergasse mit der alten Kreuzschule im 19. Jahrhundert.

Machen wir einen großen Sprung ins 19. Jahrhundert. Mit der industriellen Revolution einher ging ein rasant steigender Bedarf an Büro- und Schreibtätigkeiten, um Verträge, Bestellungen, Transporte, Abrechnungen, Warenverzeichnisse u.ä. jederzeit anlegen und verbreiten zu können. Faktisch zu jedem größeren Unternehmen gehörte eine eigene Büroabteilung, die die nötige geschäftliche Korrespondenz erledigte und die Bücher führte. Auch Dresdner Firmen waren an der Entwicklung der dafür notwendigen Hilfsmittel beteiligt. So gehörte u.a. die 1868 von Bruno Naumann als Feinmechanikerwerkstatt gegründete Firma Seidel & Naumann um 1900 zu den größten Herstellern von Schreibmaschinen. Unter dem Markennamen "Erika" verließen ab 1910 jährlich Tausende Maschinen das Werk auf der Hamburger Straße. Ab 1951 firmierte der Betrieb als VEB Schreibmaschinenwerk Dresden und stellte noch bis 1990 Schreibmaschinen und andere Bürotechnik her.

Ein anderes wichtiges Dresdner Unternehmen, das seinerzeit aus keinem Büro wegzudenken war, war die Tintenfabrik des Chemikers Christian August Leonhardi. Ab 1854 produzierte er im Loschwitzgrund (Foto um 1900) vor den Toren der Stadt seine berühmten Schreibtinten, aber auch andere Büroartikel wie Siegellack, Durchschreibpapier und Farbbänder für Schreibmaschinen. Zwei Jahre später meldete er ein Patent auf die von ihm entwickelte wasserfeste Alizarintinte an. Umwelt- und Platzgründe führten 1927 zur Schließung des Betriebes und die Verlegung nach Trachau, wo die Firma ab 1953 unter dem Markennamen "Barock" und dem Zwinger-Logo noch bis zur Insolvenz 1998 ansässig war. Erwähnt werden soll auch das DDR-Kombinat Robotron, einst Hersteller und Entwickler moderner Bürotechnik, die weit über die Grenzen der DDR hinaus verkauft wurde.

Die politischen Entwicklungen nach 1990, aber auch der generelle Strukturwandel in der Wirtschaft brachten in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen mit sich. Zum einen wurden neue technische Möglichkeiten Standard im Büro, welches heute oft weitgehend papierlos und digital geführt wird. Daten lassen sich in Sekundenbruchteilen zum Empfänger senden und einst typische Büroausstattungen wie Schreibmaschinen, Fernschreiber und Rechenmaschinen sind längst Exponate in Museen. Eine große Sammlung solcher Geräte kann heute u.a. in den Technischen Sammlungen im ehemaligen Ernemann-Werk im Stadtteil Striesen bewundert werden. Aber auch völlig neue Dienstleistungen entstanden. Damit sich Existenzgründer und Klein- und Mittelständler voll auf ihre eigentliche Tätigkeit konzentrieren können, bietet ein Büroservice einen Rundum-Service fürs Büro an, nimmt Telefonate im Auftrag der Kunden entgegen und erledigt die anfallende Korrespondenz.

 


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