Coschütz

Gemeindesiegel von Coschütz

Postleitzahl: 01189



 

Das Gebiet des heutigen Stadtteils Coschütz war bereits in der Bronzezeit besiedelt, wie zahlreiche Funde an der Heidenschanze beweisen. Die jahrhundertelang genutzte frühgeschichtliche Wehranlage gehört zu den ältesten nachgewiesenen Siedlungsplätzen im Dresdner Raum und ist trotz teilweiser Zerstörung durch den Steinbruchbetrieb ein  bedeutendes Kulturdenkmal. Das Dorf Coschütz wurde in einer Urkunde vom 7. März 1267 erstmals als Coswicz genannt und entstand wie die meisten Dörfer im südlichen Stadtgebiet als slawischer Rundweiler. Der Name ist wahrscheinlich von einem Ortsgründer Kos abgeleitet. Andere Sprachkundler vermuten die Herkunft vom slawischen Wort für “Winkel, Ecke” (nach der geografischen Lage) bzw. für Korb (nach hier lebenden Korbflechtern). Auch das slawische Wort “Grodistje” für “Schanze” wird mit Coschütz in Verbindung gebracht.

Bereits 1285 sorgten die Bauern des Ortes für Aufsehen, da sie Acker- und Weideland der Meißner Bischöfe ohne deren Zustimmung in ihren Besitz gebracht hatten. 1315 unterstand das Dorf mit einem zugehörigen Vorwerk dem Dresdner Maternihospital. Neben der Landwirtschaft war zeitweise auch der Obst- und Weinbau von Bedeutung, der am Collmberg, am Frankenberg und am Lachenberg betrieben wurde. Einzelne Güter befanden sich zeitweise im Besitz verschiedener Adels- und Bürgerfamilien, was zu einer starken Zersplitterung der Flur führte. 1580 erwarb Kurfürst August den gesamten Ort und unterstellte ihm dem kurfürstlichen Amt Dresden. Bis heute sind in Altcoschütz noch zahlreiche Gehöfte des 18. und 19. Jahrhunderts erhalten geblieben, so dass der Coschützer zu den schönsten Dorfkernen Dresdens zählt (Foto).

Während des Dreißigjährigen Krieges mussten die Orte, auch wenn sie nicht direkt von Einquartierungen oder Kampfhandlungen betroffen waren, erhebliche Kontributionen leisten. Für Coschütz und Birkigt ist nachweisbar, das das ärmere Birkigt sich von seinem Nachbarn eine größere Summe zur Bezahlung dieser Abgaben leihen musste. Da eine Rückzahlung nicht möglich war, wurden die Birkigter Sumpfwiesen an Coschütz verpfändet.

Im 18. Jahrhundert wurden auf Coschützer Flur Steinkohlevorkommen entdeckt, die 1738 erstmals kartographisch erfasst wurden. Im Zuge der wachsenden Industrialisierung entstanden um 1780 zwei Kohlenschächte, denen 1836 das herrschaftliche Claus´sche Kohlenwerk folgte. Bereits 1767 war in einer zum Weißeritztal führenden Schlucht erfolglos nach Kupfererz gesucht worden. Das Huthauses dieses Bergwerkes blieb als “Coselvilla” noch bis nach 1970 erhalten. Das 1794 im Plauenschen Grund entstandene Eisenhammerwerk führte zur Entstehung des Ortsteils Neu-Coschütz, welcher sich zu einer Arbeitergemeinde mit ca. 1400 Einwohnern entwickelte und 1896 nach Potschappel eingemeindet wurde. Aus der ehemaligen Coschützer Pulvermühle ging 1830 die königliche Garnisonsmühle hervor, deren Siloturm bis heute ein Wahrzeichen des Plauenschen Grundes geblieben ist. Im 19. Jahrhundert wurden auf Coschützer Flur einige Steinbrüche zum Abbau des Syenodioritgesteins aufgeschlossen, die die wirtschaftliche Struktur des Ortes weiter veränderten. Dem Steinbruchbetrieb fielen auch Teile des frühgeschichtlichen Burgwalls Heidenschanze zum Opfer. Hinzu kam eine Ziegelei im Osten der Ortsflur.

Am 20. April 1829 wurden große Teile des Dorfkerns bei einem Großbrand zerstört, den nur fünf Höfe überstanden. Ursache des Feuers soll der Überlieferung nach ein Schuss des Hegereiters auf einen Marder gewesen sein, der auf einem strohgedeckten Scheunendach Zuflucht gefunden hatte. Die schon bald wieder aufgebauten Gehöfte erhielten nun ihr heutiges Aussehen (Foto um 1900). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Coschütz über seine früheren Grenzen hinaus. Neue Wohngebäude entstanden u. a. an der Karlsruher Straße und der Saarstraße. 1898/99 erhielt die Gemeinde einen Wasserhochbehälter, 1900 ein eigenes Elektrizitätswerk. Der 1901 geplante Bau einer “gleislosen Bahn” von Plauen über Coschütz und Gittersee nach Potschappel, wie er zwei Jahre später in Klotzsche realisiert wurde, scheiterte jedoch ebenso, wie eine Straßenbahnlinie von Dresden über Coschütz und Birkigt.

1897 schied Coschütz aus der Kreuzkirch-Parochie aus und bildete, zunächst gemeinsam mit Gittersee, eine eigene Kirchgemeinde, für die 1900 ein Pfarrhaus mit Betsaal an der heutigen Windbergstraße errichtet wurde. Zwischen 1924 und 1928 baute der Deutsche Siedlerbund eine Reihenhaussiedlung am Achtbeeteweg. Bereits am 1. April 1921 war Coschütz gemeinsam mit zahlreichen weiteren Orten nach Dresden eingemeindet worden. 1927 erhielt der Ort durch die Verlängerung der Plauener Strecke den langersehnten Anschluss an das Dresdner Straßenbahnnetz

Zu den bedeutenden Bauvorhaben, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen wurden, gehört das Coschützer Wasserwerk. Kriegsbedingt konnte dieses Werk jedoch erst 1947 vollendet werden und versorgt heute einen Großteil der Dresdner Bevölkerung mit Trinkwasser aus dem Erzgebirge (Foto). In seiner Nachbarschaft wurde eine kleine Wohnsiedlung für die Angestellten des Werkes errichtet. Heute ist der Stadtteil Standort der 1973/81 entstandenen größten Dresdner Brauerei und weiterer Gewerbebetriebe, die sich bevorzugt in einem nach 1990 erschlossenen Gewerbepark östlich der Karlsruher Straße ansiedelten. Am 27. Oktober 2000 erfolgte am Rande der Coschützer Flur der Anstich für den zweiten neuen Autobahntunnel der A 17, der den Ort zwischen Plauenschem Grund und Kaitzbachtal unterquert.

Rathaus Coschütz:

Das Coschützer Rathaus entstand 1902/03 an der Körnerstraße (heute Windbergstraße) für die mittlerweile auf über 2.300 Einwohner angewachsene Gemeinde. Zuvor hatte es einen Wettbewerb gegeben, wobei man die Bauplanung dem dabei zweitplatzierten Dresdner Architekten Schleinitz übertrug. Die Ausführung übernahm der Coschützer Baumeister Seiffert. Bereits am 4. März 1903 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die feierliche Einweihung des Rathauses erfolgte im Beisein zahlreicher Ehrengäste am 13. September 1903.

Im Erdgeschoss des im Jugendstil gestalteten Neubaus waren die Polizeiwache und der Ratskeller untergebracht, während sich im ersten Stock Versammlungs- und Büroräume sowie die Wohnung des Gemeindevorstandes befanden. Außerdem gab es hier früher einen Tanzsaal, der unter dem Namen “Demos” bekannt war. 1936 pachtete der Gastwirt Emil Max Rahm den Coschützer Ratskeller und bewirtschaftete ihn bis 1949. Rahm war zuvor Oberkellner im Basteihotel in der Sächsischen Schweiz und “Entdecker” eines noch heute als “Rahm-Hanke” bekannten Kletterpfades unterhalb des Basteifelsens. Von der künstlerisch bemerkenswerten Innenausstattung des Lokals sind heute nur wenige Reste erhalten.

Über dem Haupteingang des Rathauses erinnert das 1903 eingeführte Gemeindewappen des Ortes an die früher wichtigsten Wirtschaftszweige Landwirtschaft, Brauwesen und Steinbruchbetrieb. Nach der Eingemeindung von Coschütz übernahm die Stadt Dresden das Gebäude, welches heute als Ärztehaus genutzt wird. In den Räumen des früheren Ratskellers war ab 1955 bis nach 1990 ein Klub der Volkssolidarität untergebracht. Heute befindet sich hier eine Kindertagesstätte.

Schulen in Coschütz:

Die erste Schule des Ortes existierte bereits im 18. Jahrhundert und befand sich im Hirtenhaus am Dorfplatz. Ab 1838 bildete Coschütz mit dem Nachbarort Gittersee einen gemeinsamen Schulbezirk, für den ein größeres Schulhaus an der Schulstraße (heute Kleinnaundorfer Straße) 2 erbaut wurde. Nach dem dieses erneut zu klein geworden war, entstand 1875 ein Neubau an der gleichen Straße. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Mai 1875. Die Planung und Bauausführung übernahm der Plauener Baumeister Fichtner. Bereits am 9. Dezember des gleichen Jahres konnte das neue Schulhaus eingeweiht werden. 1907 folgte der Bau des dritten Schulhauses im Hof des Grundstückes. Beide Häuser wurden zuletzt von der 72. Mittelschule genutzt und 2005 geschlossen (Foto).

Zwei weitere Schulneubauten entstanden in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit dem Neubaugebiet  Kohlenstraße an der Cämmerswalder Straße und am Höckendorfer Weg. Die zunächst als 127. POS “Gottfried Ephraim Lessing” bezeichnete Schule wurde 1990 von der 127. Mittelschule übernommen und zum Ende des Schuljahres 2005/06 geschlossen. 2009 schloß auch die 126. Grundschule Cämmerswalder Straße wegen gesunkener Schülerzahlen.

Postwesen:

Alt- und Neucoschütz gehörten postalisch ursprünglich zum Postbezirk Potschappel. Am 1. Juli 1876 erfolgte jedoch die Trennung der beiden Ortsteile. Während Neucoschütz auch weiterhin dem Potschappler Postamt zugeordnet blieb, gliederte man die Altgemeinde einschließlich der Zentralziegelei und der Gebäude am Felsenkeller dem Postamt Plauen an. 1889 wurde im Ort selbst eine Posthilfsstelle eingerichtet, wenig später erfolgte auch der Anschluss an das Telefonnetz. Nach der Jahrhundertwende befand sich die Coschützer Poststelle auf der Körnerstraße 17a (Windbergstraße), bevor sie 1925 zur damaligen Dresdner Straße 6 verlegt wurde.

Ab 1927 ist das Postamt Coschütz unter der Adresse Karlsruher Straße 7 im Adressbuch verzeichnet. Anfang der 1930er Jahre erfolgte eine erneute Verlegung zur Karlsruher Straße 30. Hier befand sich die Post des Stadtteils, zunächst als Postamt Dresden A40, später als Postamt 8040 bezeichnet, noch bis nach 1990. Seit dessen Schließung werden Postdienste heute von einer privaten Postagentur am Eckhaus Karlsruher Straße 3 / Kohlenstraße angeboten. Das alte Postamt dient heute als Wohnhaus.

Collmberg:

Die mit 240 Metern höchste Erhebung auf Coschützer Flur wurde bereits im 12. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt. Frühgeschichtliche Keramikfunde, die 1909 und 1925 an der Ostseite des Collmberges gemacht wurden, belegen jedoch eine Besiedlung der Region bereits deutlich früher. Da die hier gelegenen Flurstücken einst dem Maternihospital gehörten, wurden diese auch als Spitalfelder und der Berg als Spittelberg bezeichnet. Die offizielle Namensgebung Collmberg ist vom slawischen Wort für Hügel abgeleitet. Im 19. Jahrhundert entstand ein Steinbruch. Die Felder wurden später für die Salbeipflanzungen des Bombastus-Werkes in Freital-Zauckerode genutzt. Erst in der Nachkriegszeit mussten diese aufgegeben werden, da der Berg zur Abraumhalde des Wismut-Schachtes in Gittersee wurde. Zuvor wurde am Collmberg über 90 % des deutschen Gesamtbedarfes an dieser Heilpflanze gewonnen.

Kleingartenanlage “Nautelweg”:

Die Gartensparte am Nautelweg, einem ehemals beliebten Wanderweg zwischen Coschütz, Kaitz und Mockritz, entstand 1921. Damals schenkten Coschützer Bauern Teile ihrer Felder interessierten Einwohnern, um hier eine Gartensparte anzulegen. Innerhalb weniger Jahre wurden 150 Parzellen geschaffen. Der neu gegründete Verein erhielt zunächst den Namen “Höhenluft II”, wurde dann jedoch, um Verwechslungen mit einer gleichnamigen Sparte in Cotta zu vermeiden, umbenannt.

Wasserwerk Coschütz:

Die älteste nachweisbare Wasserversorgungsanlage erhielt Coschütz bereits im 17. Jahrhundert. Diese bestand aus Holzröhren und leitete das aus Gittersee stammende Quellwasser in den Gemeindeteich, so dass auch bei längeren Trockenperioden ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Mehrfach wurde diese Leitung erneuert, zuletzt 1868. Die wachsende Bevölkerungszahl und die Entstehung neuer Wohnsiedlungen machten jedoch Ende des 19. Jahrhunderts den Ausbau einer modernen Wasserversorgung erforderlich. Zunächst plante man einen Anschluss an das 1891 im Kaitzgrund errichtete Bienertsche Wasserwerk, konnte sich jedoch nicht über die Konditionen einigen. Nach mehreren erfolglosen Bohrversuchen entschloss sich die Gemeinde schließlich, in Gittersee ein Flurstück für die Errichtung eines Hochbehälters zu erwerben. Ab 1899 wurde im Kaitzgrund gewonnenes Grundwasser mittels Pumpen in den Behälter transportiert und von dort über ein neu geschaffenes Leitungsnetz an die Häuser verteilt.

Das neue Coschützer Wasserwerk entstand Mitte der 1930er Jahre auf einer Freifläche an der Kohlenstraße. Zuvor existierte hier zeitweise eine Ziegelei. 1935 wurde ein Vertrag zwischen der sächsischen Landesregierung und der Stadt Dresden abgeschlossen, der die Nutzung der Weißeritztalsperren für die Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt vorsah. Zunächst wurde 1937 mit der Realisierung eines Stollensystems zur Zuführung des Rohwassers begonnen. Baubeginn für das eigentliche Werk war im Jahr 1939. Kriegsbedingt verzögerten sich die Arbeiten, so dass der Betrieb erst 1946/47 aufgenommen werden konnte. Um einen großen Hof gruppieren sich die Funktions- und Verwaltungsgebäude mit Labor-, Büro-, Werkstatt- und Sozialräumen. Blickfang ist das Chemikaliengebäude für die Wasseraufbereitung.

Das Wasser stammt aus den Talsperren Klingenberg und Lehnmühle und wird durch Stollenanlagen über Dorfhain und Tharandt bis nach Coßmannsdorf geleitet. Dort beginnt eine Rohrleitung, die bis ins Coschützer Werk führt. Hier wird das ankommende Wasser mit Hilfe von Filteranlagen gereinigt und als Trinkwasser aufbereitet. Das Coschützer Wasserwerk deckt den Bedarf der gesamten südlichen Dresdner Stadtteile und ist bedeutendstes Werk in Dresden. Außerdem befindet sich auf dem Gelände die zentrale Steuerwarte für sämtliche Wasserversorgungsanlagen der Stadt sowie das Trinkwasserlabor zur Überwachung der Qualität des Wassers.

Elektrizitätswerk Coschütz:

Das Elektrizitätswerk entstand 1899 auf dem Grundstück der früheren Finkenmühle unterhalb des Collmberges an der Flurgrenze zwischen Coschütz und Birkigt. Zuvor war die 1843 eingerichtete Mühle als Getreidemühle genutzt worden. Ihre Wasserkraft erhielt sie teilweise durch das aus den Gitterseer Kohleschächten abgeleitete Grubenwasser. Nach dem Erwerb des Grundstücks begann der Bau eines modernen Kraftwerkes mit zwei Dampfmaschinen zu je 72 kW und einer weiteren mit 165 kW Leistung. Die technischen Anlagen stammten von dem in Niedersedlitz ansässigen Unternehmen O. L. Kummer & Co. Für den Kohletransport erhielt das Werk einen Gleisanschluss an die vorbeiführende Windbergbahn. Nach seiner Fertigstellung versorgte es neben Coschütz auch die Dresdner Vorstadt Naußlitz, die Orte Birkigt, Boderitz, Cunnersdorf, Dölzschen, Gittersee, Groß- und Kleinburgk, Kleinnaundorf, Zschiedge sowie die Rittergüter in Burgk und Cunnersdorf mit Strom. 1937 wurde der Betrieb eingestellt.

Coschützer Straßen

Weiterführende Literatur und Quellen

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