Straßen und Plätze in Kaitz

Altkaitz

Als Altkaitz wird seit 1926 der alte Dorfkern von Kaitz bezeichnet. In diese Namensgebung einbezogen wurde auch die westlich der Kaitzbachbrücke gelegene frühere Coschützer Straße. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Innsbrucker Straße erfolgte eine Neugestaltung der Kreuzung und die Verlängerung der Straße Altkaitz bis zur Stuttgarter Straße in Coschütz.

Am früheren Dorfplatz haben sich noch einige Gebäude aus der Vergangenheit des Ortes erhalten. Bedeutendstes Anwesen ist das 1672 entstandene Amtslehngut (Altkaitz Nr. 1), welches bis 1945 mit 111 Hektar größter Grundbesitzer im Ort war. Die Flächen wurden 1946 an Neubauern verteilt, die sich 1952 zur LPG “Fortschritt” zusammenschlossen. Die historischen Gebäude, zu denen auch ein kleiner Gartenpavillon gehört, stehen unter Denkmalschutz.

Weitere historische Bauernhäuser stehen rund um den kleinen Dorfplatz. Aus dem Jahr 1814 stammt der Dreiseithof Nr 3, der zuvor im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden niedergebrannt war. Bis 1886 befand sich das Gut im Besitz der Familie Schäfer, danach gehörte es der Familie Johne/Nedeß. 1961 endete die privatbäuerliche Gutswirtschaft mit dem zwangsweisen Eintritt in die LPG. Die später verfallenen Gebäude wurden ab 2011 saniert und werden heute zu Wohnzwecken genutzt.

Im Wohnhaus Altkaitz Nr. 5 befand sich bis 1844 die erste Schule des Ortes. Unweit davon erinnert ein Denkmal an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne des Dorfes. Zum Amtslehngut gehörte einst die am Kaitzbach gelegene Hofemühle (Nr. 6), die ab 1670 das Privileg des Brot- und Mehlhandels in Dresden besaß.

 

Fotos: Altkaitz - Amtslehngut und Gartenpavillon - Kriegerdenkmal

Tränenwiese: Das unmittelbar am Kaitzbach gelegene Grundstück in der Nähe des Dorfkerns erhielt seinen Namen in Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1813. Damals befand sich hier während der Schlacht bei Dresden ein Verbandsplatz für die zahlreichen verwundeten Soldaten. Wenig später wurde ihnen zu Ehren ein noch heute vorhandener Gedenkstein aufgestellt. Ein weiterer Stein folgte aus Anlass des 100. Jubiläums der Schlacht im Jahr 1913. Zum 200. Jahrestag wurde am 31. August 2013 ein drittes Denkmal errichtet. Das vom Kaitzer Steinmetz Jens Krämer geschaffene Monument besteht aus drei Steinsäulen, welche die damaligen Verbündeten Preußen, Österreich und Russland symbolisieren.

Geschichtsstein: Ein weiterer Gedenkstein befindet sich an der Ecke Altkaitz / Possendorfer Straße. Das Denkmal erinnert an an das 800. Jubiläum der Ersterwähnung des Dorfes und wurde im September 2006 eingeweiht. Die ca. zwei Meter hohe Sandsteinsäule zeigt an ihrer Vorderseite das alte Dorfsiegel von Kaitz, an den Seiten sind wichtige Ereignisse der Ortsgeschichte und die früheren Schreibweisen von Kaitz dokumentiert. Geschaffen wurde der Gedenkstein vom Kaitzer Steinmetz Jens Krämer.

Die Bannewitzer Straße, eine Seitenstraße der Boderitzer Straße entstand nach dem Ersten Weltkrieg und ist 1926 erstmals im Adressbuch verzeichnet. Ihren Namen erhielt sie nach dem nahegelegenen Ort Bannewitz.

Franzweg

Der parallel zum Kaitzbach verlaufende Franzweg erhielt seinen Namen 1926 nach dem früheren Gemeindevorstand von Kaitz. Max Franz (1860-1916) erwarb hier 1839 ein Grundstück, auf dem 1844 das neue Kaitzer Schulhaus errichtet wurde. Die mehrfach erweiterte Schule wird heute von der  71. Grundschule Am Kaitzbach genutzt. Das 1849 umgebaute Wohngebäude Franzweg Nr. 12 gehört zu den ältesten Häusern in Kaitz und steht unter Denkmalschutz.

Innsbrucker Straße

Die große Straßenschleife Innsbrucker Straße wurde 1925 angelegt, um den Durchgangsverkehr aus dem Kaitzer Dorfkern herauszunehmen. Die Straße ist Teil der dichtbefahrenen Bundesstraße B 170 und wird gegenwärtig als Autobahnzubringer ausgebaut. Südlich des Ortes entsteht künftig die Autobahn- Anschlussstelle Dresden-Süd.

Foto: Blick von Altkaitz über die Innsbrucker Straße zur Südhöhe

Kaitzer Weinberg

Die Straße Kaitzer Weinberg wurde nach 1900 am Nordrand des Kaitzbachtales angelegt und mit Einfamilienhäusern bebaut. Bis 1926 trug sie den Namen Weinbergstraße. Noch bis 1887 nutzten Kaitzer Einwohner die hier gelegenen Grundstücke als Weinberge. An diese Vergangenheit erinnert ein 1686 errichtetes Weinberghaus im Grundstück Nr. 14. Das stark verfallene Gebäude, welches bis zu einem Unwetter 1962 auf dem Dach auch eine Wetterfahne mit Weinbaumotiv besaß,  konnte nach 1990 denkmalgerecht saniert werden. Gleichzeitig entstand ein heftig umstrittener moderner Neubau auf diesem Grundstück.

Café Weinberg: Das Café Weinberg wurde  1912/13 auf einem früheren Weinberggrundstück am Südhang des Kaitzbachtales erbaut. Zuvor hatte der Dresdner Konditormeister Ernst Theodor Opitz das Areal von der Kaitzer Bauernfamilie Franz erworben.  Die originalgetreu erhaltene Innenausstattung von 1912 stammt aus den Hellerauer Werkstätten und wurde von Richard Riemerschmid entworfen. Von der Veranda und dem angrenzenden Gästegarten bietet sich eine herrliche Aussicht über das Kaitzbachtal bis zur Sächsischen Schweiz. Das auch zu DDR-Zeiten in Privatbesitz befindliche Café wurde 1999 saniert und steht unter Denkmalschutz.

Paul-Richter-Haus: Da Kaitz nie eine eigene Kirche besaß und kirchlich zur Leubnitzer Kirche gehört, mussten die Bewohner weite Wege zum Gottesdienst zurücklegen. Aus diesem Grund wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Haus am Kaitzer Weinberg ein Gemeindezentrum eingerichtet. Das als Paul-Richter-Haus bezeichnete Gebäude erhielt seinen Namen nach dem früheren Wilsdruffer Pfarrer Paul Richter (* 1894 in Kaitz, + 1942 im KZ Dachau), der als Mitglied der bekennenden Kirche von den Nazis verfolgt wurde. Sein Grab befindet sich auf dem Leubnitzer Friedhof.

  Feinste Christollen

Meraner Straße

Die Meraner Straße wurde nach dem Ersten Weltkrieg oberhalb der früheren Kaitzer Weinberge angelegt und nach der Stadt Meran in Südtirol benannt. Noch bis nach 1990 prägten neben Einfamilienhäusern Felder und eine Schweinemastanlage das Straßenbild, bevor auch hier neue Wohnhäuser errichtet wurden. An der Ecke Meraner / Possendorfer Straße befindet sich eine um 1830 aufgestellte historische Wegsäule. Die ca. 1,60 Meter hohe Säule weist auf frühere Verbindungswege nach Plauen, Kleinpestitz, Kaitz und Coschütz hin und wurde 2009 saniert.

Possendorfer Straße

Die Possendorfer Straße ist Teil der alten Landstraße von Dresden nach Possendorf, die bis zum Bau der Schleife Innsbrucker Straße 1925 direkt durch den Dorfkern führte. 1680 ließ der Besitzer des Amtslehngutes an dieser Straße einige Tagelöhnerhäuser errichten, die zur Unterbringung der Arbeitskräfte des Gutes dienten und noch bis 1920 zusammen mit dem Herrengut einen eigenen Gutsbezirk bildeten.. Im 19. Jahrhundert wurden in einigen dieser Gebäude kleinere Läden und Handwerksbetriebe eingerichtet. Außerdem befand sich hier viele Jahre die heute als Wohnhaus genutzte Gaststätte “Sängereiche”, einst Vereinslokal des 1884 gegründeten Kaitzer Gesangsvereins “Sängerlust”. Die erhaltenen Häuser Nr. 27 bis 51 stehen zum Großteil unter Denkmalschutz (Foto) . Eine steinerne Bogenbrücke über den Kaitzbach entstand 1807.

Gasthof Kaitz: Ursprünglich befand sich hier auch der frühere Gasthof des Ortes (Nr. 21), der 1813 der Schlacht von Dresden zum Opfer fiel, bis 1828 jedoch wiederaufgebaut werden konnte. Nach 1945 wurde das Lokal geschlossen und das Gebäude 1979 wegen Baufälligkeit abgetragen.

Firma Nagetusch (Nr. 26): Das Unternehmen wurde 1931 als Karosseriebaufirma von August Richard Nagetusch gegründet und hatte seinen Sitz ursprünglich auf dem Gelände des Alten Schlachthofs an der Leipziger Straße. Die Zerstörung der Produktionsräume am 13. Februar 1945 führte zum Umzug nach Kaitz auf die Possendorfer Straße 26. In den 1950er begann Nagetusch mit der Entwicklung eines modernen Leichtbau-Wohnwagens, der erstmals auf der Leipziger Herbstmesse 1958 vorgestellt wurde. Die Fertigung der Anhänger, die wegen ihres geringen Gewichts auch von Pkws gezogen werden konnten, erfolgte u.a. im VEB Schiffswerft Rechlin und im Karosseriewerk Rosenthal. Neben Camping-Wohnwagen entstanden auch Verkaufswagen für Imbiss-Stände und den mobilen Handel (Foto: Wikipedia / gernhaex).

Nach der Flucht des Sohns Manfred Nagetusch nach Westberlin 1963 geriet die Familie ins Visier der DDR-Staatsführung. Richard Nagetusch wurde einige Jahre später aus politischen Gründen verhaftet und 1971 von der Bundesrepublik freigekauft. 1972 erfolgte die Zwangsverstaatlichung des Betriebes, der nun zum VEB Karosseriewerk Dresden gehörte. Hier setzte man die Produktion der Nagetusch-Anhänger noch kurze Zeit fort, bevor die Modelle 1973 durch den Campinganhänger “Bastei” abgelöst wurden und der Markenname Nagetusch verschwand. Auf dem Grundstück in Kaitz befindet sich heute eine Kfz-Werkstatt.

 


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