Waltherstraße


Ursprünglich lag in diesem Abschnitt der Landstraße nach Meißen (heute Schäferstraße) der “Briesnitzer Schlag”, eine zur Erhebung von städtischen Abgaben dienende Zollstelle. Nach dem Ausbau eines auch als Ringstraße bzw. Äpfelallee bezeichneten Feldweges erfolgte 1875 die Namensgebung Waltherstraße. Mit dieser sollte der Geheime Medizinalrat und königliche Leibarzt Dr. Hermann Walther (1818-1871) geehrt werden, der zwischen 1849 und 1869 als Oberarzt am Friedrichstädter Krankenhaus wirkte.

Am südlichen Ende der Waltherstraße befand sich ab 1875 der Berliner Bahnhof, Ausgangspunkt der Fernbahnstrecke nach Berlin . Bei den Erschließungsarbeiten für den Eisenbahnbau stieß man hier auf zwei große Gräberfelder der Bronzezeit. Die Klinkergebäude an der Auffahrt zur Waltherstraßenbrücke (Foto) entstanden 1893 beim Ausbau des Rangierbahnhofes und wurden für Verwaltungszwecke genutzt. Zuvor hatte man bereits 1866 an der Waltherstraße einen Neubau für das Königliche Schullehrer-Seminar errichtet, welcher bis 1910 Domizil dieser Einrichtung war. 1926 folgte der noch heute vorhandene größte Dresdner Straßenbahnhof mit Wagenhallen und Wohnhäusern für die Angestellten. Ein moderner Wohn- und Geschäftskomplex befindet sich seit 1997 an der Ecke zur Wachsbleichstraße.

Straßenbahnhof Waltherstraße: Der zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung größte und modernste Dresdner Straßenbahnhof entstand nach Entwürfen von Stadtbaurat Paul Wolf und wurde am 5. Oktober 1926 in Betrieb genommen. Kernstück ist die 110 Meter lange Wagenhalle mit Spannbetondach. Daneben befinden sich Werkstatt- und Verwaltungsgebäude sowie das für die Angestellten des Betriebshofes gedachte Wohnhaus Waltherstraße 11-11c. Die unter Denkmalschutz stehenden Bauten, ein in Dresden seltenes Beispiel des Art-déco-Stils, werden seit 1996 nur noch für gelegentliche Ausstellungen und als Abstellhalle für nicht mehr benötigte Straßenbahnfahrzeuge genutzt.

Waltherstraßenbrücke: Zur Überwindung der Gleisanlagen der Eisenbahnstrecke Dresden - Berlin diente ursprünglich ein Tunnel, welcher jedoch 1894 im Zuge des Ausbaus des Rangierbahnhofes Friedrichstadt durch eine 300 Meter lange Eisenbrücke ersetzt wurde. Das Bauwerk wurde durch 23 Stützen getragen und sicherte dieVerbindung zwischen Löbtau und der Friedrichstadt. 1936 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion und eine Verstärkung des Tragwerks der Brückenfahrbahn.

1945 wurde die Waltherstraßenbrücke beschädigt und konnte zunächst nur notdürftig repariert werden. Da die Durchfahrthöhe für den geplanten elektrischen Zugbetrieb nicht ausreichte, musste das Bauwerk 1966 angehoben werden und stand fortan nur noch Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung. 2004 entstand nach Abbruch der alten Brücke ein moderner Neubau. Die Stahlbetonbrücke verfügt über vier Fahrspuren, kombinierte Rad- und Gehwege mit Treppenabgängen zu den Bahnsteigen der S-Bahn und ist 298 Meter lang.

Foto: Luftaufnahme des Straßenbahnhofes Waltherstraße und der angrenzenden Straßenzüge, unten rechts der Komplex des ehemaligen Schullehrer-Seminars (1926 - Archiv Dresdner Verkehrsbetriebe AG)

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