Arnholdbad






Das Georg-Arnhold-Bad wurde 1923 auf dem Areal der "Güntzwiesen", einer bereits 1896 von der Stadt Dresden als Sportgelände erworbenen Fläche, im Süden der Pirnaischen Vorstadt angelegt. In diesem Jahr ließ die Stadt unter der Leitung des Stadtbaurates Paul Wolf ein Konzept für die Bebauung des Areals erarbeiten, dass neben einem Stadion auch die Schaffung einer für internationale Wettkämpfe geeigneten Schwimmbahn vorsah. Die technische Planung übernahm der Leipziger Ingenieur Paatz, die Bauleitung Amtsbaurat Helm. Die schwierige finanzielle Lage ermöglichte jedoch zunächst lediglich den Bau der im Mai 1923 eröffneten Ilgen-Kampfbahn.

Erst eine großzügige Spende des Kommerzienrates Georg Arnhold, Mitinhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold, erlaubte schließlich die Umsetzung der Pläne. Allerdings reichten die zunächst gestifteten Mittel wegen des Währungsverfalls nicht aus, was die Bank aus Anlass ihres 30-jährigen Geschäftsjubiläums zu einem Nachschlag veranlasste. Innerhalb von zwei Jahren entstand an der Lennéstraße ein modernes Freibad mit einem 100 x 30 Meter großen Beton-Schwimmbecken, einem 10-Meter-Sprungturm mit 3- und 5-Meter-Podesten, Kampfrichterpodium und zwei Zuschauertribünen mit bis zu 5000 Plätzen. Die verbliebenen Freiflächen dienten als Liegeplätze für Badbesucher. Den Eingang zum Bad bildeten zwei bis heute erhaltene Torhäuschen, ein Zierbrunnen sowie zwei Sandstein-Stelen, die u. a. ein Reliefbild des Mäzens Hermann Ilgen zeigen.

Am 27. Mai 1926 wurde das Bad offiziell eingeweiht und erhielt nach seinem Stifter den Namen Georg-Arnhold-Bad. Das Rahmenprogramm sah neben der Aufführung verschiedener Musikstücke u. a. ein Massenschwimmen der Dresdner Volksschulen, Schwimm- und Turmsprung-Wettkämpfe und einen Fackeltanz vor. Anwesend war auch der zu dieser Zeit beste Schwimmsportler Deutschlands Erich Rademacher. Wenige Tage später, am 4. Juni 1926, erfolgte die Freigabe des Bades für die Öffentlichkeit. Genutzt wurde es sowohl für sportliche Wettkämpfe als auch für den obligatorischen Schwimmunterricht der Schulen. In der übrigen Zeit stand es den Dresdnern als Erholungsort zur Verfügung. Die Tageskarte kostete anfangs 30 Pfennige, wobei Mitglieder von Schwimmvereinen nur die Hälfte entrichten mussten. Geöffnet war in den Sommermonaten täglich von 9 bis 21 Uhr. 1930 erfolgte aus Anlass der II. Internationalen Hygieneausstellung noch der Einbau einer Wasserreinigungsanlage. Zuvor hatte man auf eine rein biologische Klärung durch Algen und eingesetzte Forellen gesetzt.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten gab es für das Grundstück neue Pläne. 1934 sollte auf Wunsch der NS-Gauleitung ein "Braunes Haus" mit Thingplatz für nationalsozialistische Großveranstaltungen entstehen, was eine Verlegung des Bades notwendig gemacht hätte. Die Söhne des Stifters stimmten einer solchen Verlegung unter der Bedingung zu, dass das neue Bad ebenfalls in zentraler Lage entsteht und den Namen seines Stifters behält. Letztlich verhinderten die beginnenden Kriegsvorbereitungen alle diesbezüglichen Pläne. Da Arnhold Jude war, änderten die Nazis jedoch den Namen des Freibades in Güntzwiesenbad.

Beim Luftangriff auf Dresden erlitt auch das Bad erhebliche Schäden, u.a. an den Kassen- und Sanitärgebäuden. Dennoch konnte es auf Weisung des Sportbeauftragten des sowjetischen Stadtkommandanten schon im Juli 1945 wieder geöffnet werden. 1948 bekam es seinen ursprünglichen Namen Georg-Arnhold-Bad zurück. Die völlig zerstörten Umkleideräume wurden Anfang der 1950er Jahre erneuert. In dieser Zeit erfolgte auch eine Neuaufteilung des Schwimmbeckens in eine 25-Meter-Kurzbahn und eine 50-Meter-Langbahn. Zwischen 1974 und 1978 gab es größere Sanierungsarbeiten, u.a. mit einem Teilabbruch der alten Funktionsgebäude und Liegeterrassen. Gleichzeitig wurden neue Sanitäranlagen geschaffen und die Ostterrasse erneuert. 1976 musste der Sprungturm wegen Baufälligkeit abgerissen werden (Foto um 1970 - SLUB / Fotothek).

Eine umfassende Erneuerung des Georg-Arnhold-Bades erfolgte 1994/95. Das bestehende Schwimmbecken wurde durch ein 25-Meter-Sportbecken aus Edelstahl ersetzt. Gleichzeitig entstanden ein Erlebnisbecken mit Rutsche und ein Planschbecken für kleine Kinder. Die Einweihung des sanierten Bades erfolgte im Beisein des Dresdner Oberbürgermeisters und eines Enkels des Stifters am 12. Juni 1995. Im zweiten Bauabschnitt kam bis 1997 ein kombiniertes Hallenbad mit Schwimmhalle, Erlebnisbad und einer 86 Meter langen Röhrenrutsche hinzu. Attraktion ist ein sogenanntes Vierjahreszeiten-Becken, welches über einen Kanal auch im Winter die Nutzung eines Freibeckens ermöglicht. Wenig später folgten die Außenanlagen mit Sonnenterrassen und Liegewiese. Die Finanzierung erfolgte zum Teil mit Hilfe von Spenden der Nachkommen Georg Arnholds, die heute in der USA leben. Derzeit ist das Georg-Arnhold-Bad meistbesuchtes Bad in Dresden. Ende 2017 wurde eine völlig neue Saunalandschaft übergeben, wobei die Räume zum Teil mit Dresden-typischen Motiven gestaltet sind. Der noch aus der Gründungszeit stammende Eingangsbereich mit den beiden Torhäusern und dem Brunnenhof steht unter Denkmalschutz.


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