Kugelhaus


Werbeplakat zur Jahresschau 1928
"Die Technische Stadt"

Das Kugelhaus auf dem Dresdner Ausstellungsgelände am Stübelplatz (Straßburger Platz) wurde 1928 für die siebente Dresdner Jahresschau unter dem Motto "Die Technische Stadt" errichtet. Anlass der Schau war das 100. Jubiläum der Technischen Hochschule, weshalb man sich für ein technisches Thema als Leistungsschau für sächsische Industriebetriebe und Ingenieure entschieden hatte. Dabei standen Exponate zur Gas- und Wasserversorgung, zur Elektrizität sowie zu Neuentwicklungen auf dem Gebiet des Eisenbahn- und Straßenbahnverkehrs, des Feuerschutzes und des Rettungswesens im Mittelpunkt. Als spektakulären Blickfang der Jahresschau entschied man sich für den Bau eines kugelförmigen Ausstellungsgebäudes, welches in dieser Geometrie erstmals in der Welt errichtet wurde.

Das Gebäude entstand nach Plänen des Münchner Architekten Peter Birkenholz (1876-1961) und wurde von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) - Zweigwerk Gustavsburg in nur acht Wochen technisch realisiert. Der auf einer Stahlkonstruktion beruhende Bau besaß an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 24 Metern, die Gesamthöhe betrug ca. 30 Meter. Außen war das Gebäude mit Eisenblechplatten verkleidet, welche durch 20.000 Nieten befestigt waren. Neben Stahl und Glas kamen auch Beton und im Inneren Holz als Baustoffe zum Einsatz. Die ungewöhnliche Form bot zudem bei geringer Grundfläche eine maximale Raumausnutzung. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 16. Juni 1928, einen Monat nach Beginn der Ausstellung.

Im Erdgeschoss des fünfgeschossigen Gebäudes waren verschiedene Glas- und Porzellangeschäfte untergebracht, während die um einen Lichthof gruppierten vier ringförmigen Obergeschosse als Ausstellungsräume dienten. Ganz oben gab es in der fünften Etage eine Gaststätte (Foto links) mit Aussichtsterrasse, von der man über das Ausstellungsgelände und den Großen Garten schauen konnte. Die einzelnen Geschosse waren im Inneren durch Treppen und einen Aufzug verbunden. Nachts wurde das Kugelhaus beleuchtet und mit verschiedenen Lichteffekten illuminiert.

Auch nach dem Ende der Jahresschau am 30. September 1928 blieb das Kugelhaus zunächst erhalten und galt fortan als Wahrzeichen des Dresdner Ausstellungsgeländes. Die ursprünglich bis zum 18. März 1931 befristete baupolizeiliche Nutzungserlaubnis wurde deshalb mehrfach verlängert. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten geriet der Bau jedoch als "undeutsch" ins Visier der neuen Machthaber. Außerdem zeigten sich Mitte der 1930er Jahre erste Verschleißerscheinungen am Kugelhaus. Wegen der großen Beliebtheit versuchte die Stadt Dresden zunächst, das Haus für 500.000 Reichsmark zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg. Letztlich entschied man sich zum Abriss. Dieser erfolgte zwischen Februar und April 1938 und wurde durch die Firma Richard Caspar aus Großharthau realisiert. Erhalten blieben einige Fenster des Gebäudes.

2001 gründete sich in Dresden ein Verein, der sich eine möglichst historisch originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudes zum Ziel setzte. Als Standorte waren u.a. die Lennéstraße, das Neustädter Elbufer sowie der Vorplatz des Hochhauses Gerhard-Hauptmann-Straße 1 vorgesehen. Bislang wurde jedoch keines dieser Vorhaben realisiert. Eine moderne Adaption der Kugelhausidee befindet sich am Wiener Platz.


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