Bürgerwiese







Mozartdenkmal mit
Stifter-Gedenktafel

Fontäne am Goldfischteich

Plastik "Venus, Amor die Flügel beschneidend"

Plastik "Zwei Mütter"

Plastik "Die Badende"
(Nymphenbrunnen)

Otto-Ludwig-Denkmal

Das Areal der Bürgerwiese liegt in der feuchten Niederung eines früheren Elbarms, der vom Kaitzbach durchflossen wurde und deshalb für eine Bebauung ungeeignet war. Stattdessen besaßen Dresdner Bürger hier Wiesen- und Weideflächen, worauf der Name Bürgerwiese zurückgeht. Erstmals wird sie 1370 als "neue Weide" bzw "Oberwiese" erwähnt. 1458 findet sich der Name "burger wissen" in den Urkunden. Einst bildete das hier gewonnene Heu eine wichtige Einnahmequelle des Rates, wobei zur Erntezeit sogar Flurwächter eingesetzt waren, um eine illegale Entnahme zu verhindern. Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es zudem einen Wiesenvogt, dem die Pflege und Kontrolle der Fläche oblag. Außerdem war sie durch einen hölzernen Zaun, später durch eine feste Mauer gesichert. Am Rande der Bürgerwiese lag bis 1841 der Jüdenteich, bevor dieser als letzter verbliebener der Seevorstadt verfüllt wurde. Das Areal am heutigen Georgplatz diente daraufhin als Festplatz für Schausteller und Wanderzirkusse. 1864 wurde auf dem Platz das 1945 zerstörte Gebäude der Kreuzschule errichtet.

Nach dem Abriss der Stadtbefestigung wurde hier die in südöstliche Richtung aus der Altstadt herausführende Straße Bürgerwiese angelegt und wenig später mit vornehmen Wohnhäusern bebaut (Foto). Zugleich bildeten diese den Abschluss der östlichen Seevorstadt. Die gegenüber liegenden Flächen ließ die Stadt Dresden 1838 zunächst planieren und dabei tiefer gelegene Teile verfüllen. 1843 erhielt der Hofgärtner Carl Adolf Terscheck den Auftrag, das Areal zur Parkanlage umzugestalten. Dieser entschied sich für eine typisch biedermeierliche Anlage mit geschwungenen Wegen, Blumenrabatten und kleinen Gehölzpartien, in der drei barocke Vasen und vier Statuen aus dem früheren Marcolinischen Garten Aufstellung fanden. Eine ursprünglich vorgesehene Versetzung des Neptunbrunnens unterblieb jedoch.

Um dem zunehmenden Bebauungsdruck auf die verbliebenen Freiflächen zu begegnen, beauftragte der Dresdner Stadtrat 1859 den preußischen Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné mit der weiteren Gestaltung. Zeitgleich erhielt auch der königlich-preußische Hofgärtner Hermann Sigismund Neumann den Auftrag für weitere Entwürfe. Ziel war es, die neue städtische Grünanlage mit dem Großen Garten zu verbinden und so einen Grünzug aus der Altstadt heraus zu schaffen. Lenné begann wenig später mit den Planungen, in denen er Ideen Neumanns teilweise aufgriff und die er bei mehreren Besuchen in Dresden überarbeitete. Vorgesehen war eine Erweiterung des Parks bis zur heutigen Lennestraße, die Neugestaltung der Südwestecke des Großen Gartens und die Verbindung zum künftigen Zoologischen Garten an der Tiergartenstraße.

Die Arbeiten begannen im November 1859 und konnten 1869 abgeschlossen werden. Mit der Umsetzung beauftragte man Terschecks Nachfolger Hofgärtner Krause. Dabei entstand neben verschiedenen Baum- und Gehölzgruppen auch der 1879/80 nochmals erweiterte Goldfischteich, der von einem als gestalterisches Element einbezogenen Nebenarm des Kaitzbachs gespeist wird. Die ältere innere Bürgerwiese mit der Gestaltung Terschecks wurde ebenfalls überformt und neu gestaltet. In dieser Zeit erhielt die Bürgerwiese im Kern ihr heutiges Aussehen. Eine Bezahlung für seine Arbeit lehnte Lenné ab. Stattdessen bekam er zum Dank ein Service aus Meißner Porzellan.

In den folgenden Jahrzehnten fanden in der Parkanlage weitere Plastiken, Brunnen und Kleindenkmale ihre Aufstellung. Dazu gehören der 1907 vom Dresdner Mozartverein gestiftete Mozartbrunnen, zwei Bildwerke am Rande des Goldfischteiches und eine Herme, die an den Dichter Otto Ludwig erinnert. Pläne, in der Anlage ein Theater zu bauen bzw. Teile der Bürgerwiese für eine Erweiterung des Zoos zu nutzen, lehnte die Stadt ab. Beim Luftangriff 1945 wurden auch große Bereiche der Bürgerwiese zerstört. Vor allem im Bereich des Georgplatzes fielen zahlreiche hohe Bäume den Bomben zum Opfer. An Stelle des schwer beschädigten Mozartdenkmals standen viele Jahre Fragmente des Brunnens "Stürmische Wogen" vom Albertplatz. In den Nachkriegsjahren dienten Teile der Bürgerwiese sogar als Kleingärten. Eine denkmalgerechte Rekonstruktion des Parks, bei der auch das rekonstruierte Mozartdenkmal (Foto) an seinen Standort zurückkehrte, begann noch zu DDR-Zeiten und war bis 1993 beendet. Zur Erinnerung an den Schöpfer der Bürgerwiese wurde 1989 am Lennéplatz ein Denkmal errichtet.

 

Brunnen und Plastiken:

Antike Figurengruppen: Die vier Sandsteinfiguren zeigen antike Sagen- und Heldengestalten und wurden um 1770 vom Bildhauer Thaddäus Ignatias Wiskotschill geschaffen. Sie stellen Perikles und Alcibiades, die als Staatsmänner und Feldherren am Aufbau der griechischen Demokratie beteiligt waren und Mucius Scaevola und Thalestris, zwei sagenhafte Figuren der Antike, dar. Ursprünglich standen sie im Garten des Marcolinipalais in der Friedrichstadt und wurden von dort zusammen mit drei barocken Vasen 1854 zur Bürgerwiese versetzt. Von den Vasen ist heute nur eine im Park vorhanden. Nach 1870 entstand zwischen den Skulpturen ein Kinderspielplatz.

Mozartdenkmal: Das als Brunnen gestaltete Denkmal stammt aus dem Jahr 1907 und wurde vom Dresdner Mozartverein gestiftet. Es zeigt drei um einen Altar tanzende vergoldete Grazien. Diese Figuren sollen Anmut, Ernst und Heiterkeit von Mozarts Musik verkörpern, auf eine bildliche Darstellung des Künstlers selbst verzichtete man jedoch. Schöpfer war der Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus (1875-1958).

Vorausgegangen war die Konstitution eines Denkmalausschusses des Mozartvereins, der 1902 um die kostenlose Überlassung eines geeigneten Standplatzes bat. Dieser wurde in der inneren Bürgerwiese gefunden, wobei jedoch eine der drei Vasen vom Marcolini-Garten weichen musste. Diese wurde daraufhin zum Zöllnerplatz versetzt. Ein künstlerischer Wettbewerb über die Gestaltung führte nicht zu einem befriedigenden Ergebnis, so dass man schließlich den jungen Charlottenburger Bildhauer Hermann Hosaeus beauftragte. Dieser hatte das Denkmal ohne Auftrag aus Begeisterung für Mozarts Musik entworfen und sich für eine ungewöhnliche Gestaltung im Jugendstil entschieden. Trotz Protesten konservativer Kreise setzte der Verein seine Entscheidung durch. Die offizielle Einweihung erfolgte am 16. Juni 1907 im Beisein von Oberbürgermeister Beutler und Prinzessin Mathilde. Eine Bronzetafel mit der Inschrift "Errichtet vom Mozartverein zu Dresden 1907 auf Anregung seines ersten musikalischen Leiters Alois Schmitt" erinnerte an die Initiatoren. 1923 wurde sie durch die noch heute erhaltene Steintafel ersetzt.

1945 wurde das Mozartdenkmal schwer beschädigt und daraufhin demontiert und eingelagert. Eine bereits in den 1950er Jahren vorgesehene Rekonstruktion unter Zuhilfenahme von Gipsmodellen des Künslers scheiterte jedoch. Stattdessen fanden hier Teile eines Zweitgusses des Brunnens "Stürmische Wogen" von Robert Diez Aufstellung. Der Brunnen zierte gemeinsam mit seinem Gegenstück "Stille Wasser" bis 1945 den Albertplatz, musste dann jedoch dort der Aufstellung des Sowjetischen Siegesdenkmals weichen. Nach erfolgter Restaurierung durch den Restaurator Eberhard Wolf und die Kunstgießerei Lauchhammer kehrte das Mozartdenkmal wieder an seinen früheren Standort zurück und wurde dort am 5. Dezember 1991, dem 200. Todestag Mozarts, eingeweiht.

Venus, Amor die Flügel beschneidend: Die neoklassizistische Marmorgruppe befindet sich in einem Rondell in der Nähe des 1861 angelegten Goldfischteichs und wurde 1888 aufgestellt. Schöpfer war Theodor Heinrich Bäumer, der die Statue im Rahmen eines Wettbewerbs zwei Jahre zuvor gefertigt hatte. Die Plastik zeigt die griechische Liebesgöttin Venus, die sich liebevoll über Amor niederbeugt und ihm die Flügel stutzt. Gleichzeitig soll so die mütterliche Pflicht, den Übermut des Kindes einzuschränken, symbolisiert werden (Foto links).

Die Finanzierung des Kunstwerks übernahm die Hermannstiftung, die Kosten des Sockels trug die Stadt Dresden. Am 4. Juni 1886 wurde sie vom Stiftungsvorstadt Prof. Kummer an den Dresdner Bürgermeister Bönisch übergeben.

 

Zwei Mütter: Einer anderen Thematik widmet sich die am 28. April 1902 aufgestellte Bronzeplastik "Zwei Mütter" von Heinrich Epler (Foto rechts). Die dramatische Szene zeigt eine junge Mutter, die ihr Kind vor dem drohenden Tod in den Fluten auf einen Felsen rettet, wo bereits eine Tigerin mit ihrem jungen Zuflucht gefunden hat. Hier soll die allen Gefahren trotzende Mutterliebe von Mensch und Tier dargestellt werden. Erstmals wurde die Figurengruppe auf der Deutschen Kunstausstellung 1899 gezeigt und im Anschluss von der Stadt angekauft. Die bauliche Umsetzung übernahm der Architekt Gräbner.

 

 

Nymphenbrunnen ("Die Badende"): Jenseits der Blüherstraße findet sich am Rande des Parks eine kleine Brunnenanlage. Der sogenannte Nymphenbrunnen wurde von Wilhelm Kreis entworfen und besteht aus einem Granit-Wasserbecken mit Wasser speiender Maske. Bekrönt wird er von einer Marmorfigur des Bildhauers Hermann Bruno Fischer, einer badenden nackten Frau. Die Figur war im Rahmen eines städtischen Wettbewerbs zur Förderung des freien künstlerischen Schaffens 1901 hervorgegangen. 1904 war zunächst ein Gipsmodell auf der Großen Kunstausstellung zu sehen, bevor mit Unterstützung der Dr. Güntzschen Stiftung die endgültige Fassung in Marmor angefertigt werden konnte. Wilhelm Kreis wählte Standort und Gestaltung des Brunnens und dessen Vorplatzes.

Am 12. April 1904 legte Kreis diesen Vorschlag der Stadtverwaltung vor, die erst über ein Jahr später am 29. August 1905 einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete. Für die Plastik kam weißer Marmor aus dem Tiroler Etschtal zur Verwendung. Die wassertechnische Ausstattung übernahm die Stadt selbst. Die Übergabe des Brunnens erfolgte am 14. Mai 1908. Eine Restaurierung erfolgte nach 1990.

Otto-Ludwig-Denkmal: Die Marmorplastik in der Nähe der Parkstraße erinnert an den Schriftsteller Otto Ludwig (1813-1865), der nach einem Kurzaufenthalt 1843/44 ab 1849 ständig in Dresden lebte und hier der literarisch-künstlerischen "Dresdner Montagsgesellschaft" angehörte. Ludwig verfasste verschiedene Gedichte und Erzählungen und liegt auf dem Trinitatisfriedhof begraben. Das Denkmal stammt vom Bildhauer Arnold Kramer und wurde 1901 aufgestellt.

Alte Dohnaische Straße: Die Straße war einst Teil der wichtigen Verkehrsverbindung aus dem Südosten, die von Dohna aus in Richtung Innenstadt führte. Auf Anregung des an der Gestaltung des Parks beteiligten Hofgärtners Neumann verlagerte man 1859 den Verkehr von der nördlichen zur Südseite der Anlage. Die frühere Poststraße blieb dabei als Fußweg erhalten und wurde mit Alleebäumen bepflanzt. Nach 1945 bezog man den Abschnitt zwischen Blüher- und Lennéstraße in die Nebenflächen des Rudolf-Harbig-Stadions ein. 2009 konnte dieser Teilabschnitt jedoch rekonstruiert und wieder der Öffentlichkeit zurückgegeben werden (Foto).

Siegfriedbrunnen: Das jüngste Bauwerk der Bürgerwiese ist der Siegfriedbrunnen im östlichen Teil jenseits der Lennéstraße, der heute meist zum Großen Garten gerechnet wird. Die monumentale Brunnenplastik wurde 1936 anlässlich der Reichsgartenschau aufgestellt und zeigt eine idealisierte Heldendarstellung des Siegfried aus der Nibelungensage. In dieser Szene sinkt Siegfried, getroffen von einem Pfeil seines Rivalen Hagen von Tronje, tödlich getroffen zu Boden. Schöpfer war der Bildhauer Franz Wesche. Als Material kam für Becken und Figur Kunststein zum Einsatz, ein Gemisch aus Steinsplitt, Zement und Wasser.

 


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