Robotron






Die Geschichte des Kombinates Robotron begann am 1. April 1969 in Dresden mit dem Zusammenschluss mehrerer Betriebe und Forschungseinrichtungen der DDR-Mikroelektronik. Bereits 1958 hatte der Chemnitzer VEB Elektronische Rechenmaschinen Elrema das aus "Roboter" und "Elektronik" hervorgegangene Kunstwort erstmals verwendet. 1961 gründete der Physiker Werner Hartmann in Dresden die Arbeitsstelle für Molekularelektronik, später das führende Forschungsinstitut in der DDR auf diesem Gebiet. Zu den ersten Entwicklungen gehörte der ab 1968 in Radeberg hergestellte Großcomputer R 300. Später kamen weitere Großrechner, aber auch kleinere Computer und Heim-PCs wie der A 5120 (Foto: Joee/Wikipedia) hinzu.

Mit der Vorstellung des Rechners auf der Leipziger Messe und dem Export der Geräte in die UdSSR entwickelte sich Robotron, gefördert durch die DDR-Staatsführung, zum wichtigen Hersteller elektronischer Geräte. Neben Rechnern und Automatisierungstechnik entstanden auch Schreibmaschinen, die z.T. in die Bundesrepublik, nach Ägypten und in andere Länder exportiert wurden, später Kleinrechner, Bank- und Fahrkartenautomaten, Fernseher und andere Heimelektronik. Produziert wurde in einer Fabrik in Dresden-Gruna. Zweigbetriebe des Kombinates Robotron gab es u.a. in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Erfurt, Pirna, Radeberg, Riesa, Sohland, Hoyerswerda und Zella-Mehlis. 1978 kam noch das bisherige Kombinat Zentronik mit Betrieben in Karl-Marx-Stadt und Sömmerda hinzu.

Als Stammsitz war für Robotron ursprünglich ein Gebäudekomplex am Dresdner Stadtrand vorgesehen, kurzzeitig sogar ein Ausbau der Ruine des Schlosses, bevor man sich 1968 für ein Grundstück am Rande des Stadtzentrums entschied. Zwischen 1970 und 1973 entstanden hier mehrere Gebäude mit Büros und Forschungslaboren. Bis heute blieb davon das frühere Verwaltungsgebäude (Foto: Grunaer Straße 2 / St. Petersburger Straße 9-15) erhalten. Der langgestreckte sechsgeschossige Bau mit Terrassengeschoss entstand in Stahlbetonskelettbauweise und erhielt eine blaue Aluminium-Glas-Fassade. Die Pläne stammten von den Architekten Axel Magdeburg und Werner Schmidt. Zur künstlerischen Gestaltung erhielt der Bau einen umlaufenden Fries aus Betonelementen, gestaltet von Friedrich Kracht und Siegfried Schade. Im Eckbereich zur Grunaer Straße gibt es am Pirnaischen Platz eine kleine Grünfläche mit dem 1974 von Leoni Wirth, Helmut Kappel und Karl Bergmann gestalteten Glasbrunnen.

Weitere Gebäude wurden an der Lingnerallee und der Ostseite der St. Petersburger Straße bis zum Georgplatz erbaut, u.a. für den VEB Robotron-Meßelektronik "Otto Schön", das Robotron-Großforschungszentrum (GFZ) und das Rechenzentrum an der Zinzendorfstraße (Foto links). Auch diese Bauten besaßen einst einigen baukünstlerischen Schmuck, u.a. eine Betonsteinwand im Hof sowie farbige Treppenhausfenster im Atrium (von Roswitha Oehme-Heintze). Diese konnten beim Abriss der Häuser 2016 nur teilweise geborgen werden. Umstritten ist das Schicksal der architektonisch wertvollen Robotron-Kantine (Foto rechts: 1972 SLUB/Fotothek, Regine Richter), die künftig evtl. als Kunsthalle genutzt werden soll. Das übrige Areal ist als Baufläche für die Wohn- und Geschäftshäuser der sogenannten "Lingnerstadt" vorgesehen.

Mit dem Ende der DDR endete 1990 auch die Geschichte des Kombinates Robotron. 1990 gingen aus diesem mehrere Nachfolgebetriebe hervor, von denen einige jedoch bereits wenig später von der Treuhand geschlossen wurden. Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter gründete 1990 die Robotron Datenbank-Software GmbH, die mit über 500 Mitarbeitern noch heute existiert. Sitz dieser Firma ist das Gewerbegebiet Gittersee (Stuttgarter Straße), wo auch ein kleines Firmenmuseum existiert. Zudem setzen die Siemens-Halbleiterfabrik (später Infineon) und die Mikrochip-Fabrik AMD (Globalfoundries) die Geschichte des Kombinates mit vielen ehemaligen Robotron-Mitarbeitern fort.

 


[Home] [Nord] [Nordwest] [Neustadt] [Nordost] [West] [Zentrum] [Südwest] [Süd] [Südost] [Ost] [Register] [Kontakt] [Impressum]