Palais Kaskel-Oppenheim






Innenaufnahmen
des Palais:

Das Palais wurde zwischen 1845 und 1848 von Gottfried Semper für den jüdischen Bankier Martin Wilhelm Oppenheim (1781-1863) erbaut. Ursprünglich hatte es die Adresse Dohnaische Gasse 5/6, später dann Bürgerwiese 5-7. Oppenheim hatte das Grundstück nach dem Erwerb des Dresdner Bürgerrechts und längeren Verhandlungen im August 1845 erworben und entschied sich erneut für Semper als Architekten, der ihm bereits sein Landhaus "Villa Rosa" in der Äußeren Neustadt erbaut hatte.

Das Palais entstand im Stil eines italienischen Renaissancepalastes. Vorbild war der Palazzo Pandolfini in Florenz. Semper entschied sich für einen zweieinhalbgeschossigen Bau mit dreieckigem Grundriss und einer Hauptfassade von 35 Metern Länge, zwei Seitenrisaliten und acht Fensterachsen. Erd- und Obergeschoss waren durch Zierelmente und Gesimse gegliedert, darüber gab es noch ein Mezzaningeschoss mit Ornamenten und und figürlichen Reliefbildern. Auch im Inneren erhielt der Bau eine aufwendige Raumgestaltung. Kernstück war ein Oktogon mit gläserner Kuppel, welches sich im Schenkel der beiden Hauptflügel befand und von dem die wichtigsten Räume des Palais abgingen. Ausgestattet waren diese durch prächtige Kassettendecken, Medaillons und farbigen Raumteilungen. Im dritten Flügel befand sich das Haupttreppenhaus mit Lichthof. Hier waren verschiedene Nebenräume untergebracht. Zahlreiche Wandmalereien im Haus stammten von Friedrich Gonne. Fertig gestellt wurde die Villa nach dreijähriger Bauzeit im Jahr 1848.

Anfangs lebte Martin Wilhelm Oppenheim hier mit seiner Familie im Obergeschoss. Im Untergeschoss wohnte seine Tochter Elisabeth mit ihrem Mann, dem Miniaturenmaler August Grahl und ihrer Familie. Zu dieser Zeit war das Haus ein häufiger Treffpunkt von Dresdner Wissenschaftlern und Künstlern und ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Nach dem Tod des Bankiers 1865 verkauften die Erben das Haus an den aus St. Petersburg stammenden Freiherrn Hermann Christian von Kap-herr. Dieser veräußerte die Villa 1869 an den Kölner Bankier Simon von Oppenheim, der sie seiner Tochter Emma, verheiratete von Kaskel, und ihrem Mann Felix von Kaskel überließ. Diese Familie war jedoch nicht mit den ursprünglichen Besitzern verwandt. Fortan wurde die repräsentative Villa allgemein als Palais Kaskel-Oppenheim bezeichnet und gehörte bis 1945 zu den repräsentativsten Wohnbauten des "Englischen Viertels".

Die neuen Besitzer ließen das Palais in den Jahren 1871 bis 1874 nach Plänen des Architekten Wilhelm Hoffmann gründlich umbauen. Einschneidendste Veränderung war die Umwandlung des bisher dreieckigen Grundrisses zu einem Rechteck. Die dabei entstandene zusätzliche Seitenfassade wurde nach dem Muster der Hauptfassade ausgeführt. Auch im Inneren erfolgten wesentliche Änderungen, die die Semperschen Raumgestaltungen weitgehend beseitigten. Lediglich das Oktogon blieb weitgehend im Ursprungszustand erhalten. Einen letzten Umbau gab es kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Beim Luftangriff 1945 brannte das Gebäude aus, blieb aber in seinen Außenmauern vollständig erhalten.

Obwohl sich Denkmalschützer für den Erhalt und die Sicherung der Ruine aussprachen, um diese später wieder aufzubauen, entschied man sich letztlich für eine Beseitigung. Um 1950 versuchte man nochmals, das Haus für das geplante "Haus der Jungen Pioniere" zu nutzen, jedoch ohne Erfolg. Der daraus resultierende Streit zwischen Stadtplanungsamt und Denkmalamt wurde schließlich zugunsten einer Genehmigung des Abbruchs entschieden. Ende April 1951 wurde das Palais gesprengt. Erhalten blieb lediglich ein Brunnen aus dem Garten des Hauses, der heute vor dem Dresdner Standesamt an der Goetheallee steht. Das Grundstück blieb bis heute unbebaut. Im Zuge der Neuplanungen für dieses Stadtviertel kam 2018 die Idee auf, das historische Gebäude wiederaufzubauen. Bislang werden diese jedoch nicht weiter verfolgt.

Fotos: SLUB / Fotothek

 


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