Plakat zur
700-Jahr-Feier der Kreuzschule 1926

Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kreuzschüler

Denkmal Theodor Körners vor der Kreuzschule (1889) -
Foto von E. Donaldini (SLUB/Fotothek)

Die urkundlich belegbare Geschichte der Kreuzschule begann im Jahr 1300, als erstmals ein Schulmeister (Cunradus rector puerorum) erwähnt wurde. Damit ist sie älteste Schule Dresdens und eine der ältesten noch existierenden in Deutschland. Ursprünglich war sie eine Pfarrschule und eng mit der Kreuzkirche verknüpft. 1371 ging sie in die Hoheit der Stadt über und bekam 1413 ihre erste Schulordnung. Bereits 1393 war südlich der Kreuzkirche ein Schulgebäude errichtet worden, so dass sich fortan der Name Kreuzschule einbürgerte. Ausgebildet wurden an dieser einzigen Lateinschule der Stadt vor allem die Söhne der Kaufleute und des Bürgertums sowie die Sänger der "capella sanctae crucis", dem heutigen Dresdner Kreuzchor. Zu den bedeutenden Rektoren der Frühzeit gehörte ab 1411 Peter von Dresden, der dem Gedankengut der Hussiten nahestand und deshalb schon zwei Jahre später aus Dresden vertrieben wurde. Unterrichtsschwerpunkte waren neben dem obligatorischen Erlernen der lateinischen Sprache auch praktische und naturkundliche Fächer.

Mit Einführung der Reformation veränderte sich auch die Lehre der Kreuzschule im Sinne der Vorstellungen von Luther und Melanchthon. Lehrer erhielten erstmals eine regelmäßige Besoldung, mussten sich dafür jedoch einem strengen Verhaltenskodex unterwerfen. 1575 trat eine neue Schulordnung in Kraft, die bis zum Dreißigjährigen Krieg in Kraft blieb. Später war es der von 1639 bis 1676 amtierende Rektor Johann Bohemus, der die Schule zu neuer Blüte führte. Kreuzschule und Kreuzchor gehörten fortan als fester Bestandteil zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich ab 1817 sich zu einem modernen humanistischen Gymnasium. Bis 1828 wuchs die Schülerzahl auf 430 Jungen. Im Zuge der bürgerlich-demokratischen Reformen engagierten sich auch zahlreiche Kreuzschüler und Lehrer, unter ihnen Herrmann Koechly, der 1846 einen Verein zur Neugestaltung des sächsischen Schulwesens gründete. Neben der traditionellen humanistischen Bildung rückte nun auch verstärkt die mathematische, naturwissenschaftliche und sportliche Ausbildung ins Blickfeld. Zudem fanden reformpädagogische Ideen Eingang in den Schulalltag.

Da das alte Schulgebäude am Rathaus längst nicht mehr den Anforderungen genügte, entstand zwischen 1864 und 1866 ein deutlich größerer Neubau am Georgplatz (Foto links). Die im neogotischen Stil gestaltete Schule wurde von Christian Friedrich Arnold entworfen und am 1. Mai 1866 eingeweiht (Bild oben rechts). Die Finanzierung des repräsentativen Baus erfolgte mit Unterstützung des Großkaufmanns Johann Meyer, der in diesem Zusammenhang die Dresdner Ehrenbürgerwürde erhielt.

 

Das zweigeschossige Gebäude bestand aus vier Flügeln, die in Form eines griechischen Kreuzes angeordnet waren und zwei Innenhöfe umschlossen. Der Hauptflügel in Richtung Georgplatz besaß eine aufwendig gestaltete Fassade mit hochgotischem Maßwerk und typischen Zierelementen wie Fialen, gotischen Blendgiebeln und Spitzbögen nach dem Vorbild der Kathedrale von Salisbury. Der Vorbau ruhte auf einem Arkadengang. Die Strebepfeiler zwischen den Fensterachsen waren mit Statuen geschmückt, u. a. mit Plastiken von Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie Allegorien der Grammatik, der Mathematik, der Geschichte und der Poesie. Schöpfer dieser Figuren war der Bildhauer Hermann Hultzsch. Vor dem Gebäude fanden später drei Denkmale Aufstellung. Das einzig an seinem ursprünglichen Standort erhaltene zeigt den Dichter und ehemaligen Kreuzschüler Theodor Körner. Ein zweites war zu Ehren des früheren Rektors der Schule Julius Otto aufgestellt worden. Es befindet sich heute als Kopie unmittelbar neben der Kreuzkirche. Ein drittes Denkmal für den Schriftsteller Karl Gutzkow wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen. Nutzer des Schulhauses blieben bis zur Zerstörung das Gymnasium und der Kreuzchor, der hier auch sein Internat unterhielt. Das Bild links zeigt die Aula der Schule. Die Fresken dieses Raums stammten von Anton Dietrich und wurden erst nach Eröffnung der Schule zwischen 1868 und 1872 geschaffen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam im Foyer noch ein Ehrenmal für gefallene Kruzianer hinzu.

Beim Bombenangriff am 13./14. Februar 1945 wurde auch das Gebäude der Kreuzschule getroffen und brannte völlig aus. 10 Kruzianer starben im Haus. Damit waren auch die Planungen hinfällig, die Kreuzschule im Falle eines Luftangriffs zur Ausweichstelle des Einsatzstabs für die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen zu machen. 1947 konnten einige wertvolle Bauteile, Sandsteinplatten und die Gedenktafel für Ernst Julius Otto aus den Trümmern geborgen und dem Kreuzchor übergeben werden. 1950 erfolgte der Abriss der Ruine (Foto). Mit Wiederaufnahme des Schulbetriebs im August 1945 bezog die Kreuzschule einige Räume im nur teilweise zerstörten Wettiner Gymnasium am Wettiner Platz. Der Kreuzchor fand zunächst Aufnahme im Gymnasium Dresden-Plauen, konnte aber 1947 Teile des ehemaligen Freimaurerinstituts in Striesen beziehen. Zwischen 1954 und 1959 gab es dort eine spezielle "Internatsschule des Dresdner Kreuzchors", die teilweise auch anderen Abiturienten offen stand. 1959 wurden beide Schulen wieder vereinigt und haben seitdem im Gesamtkomplex des Freimaurerinstituts ihr Domizil.

Im Zuge dieses Zusammenschlusses wurde die bereits 1948 von Kreuzgymnasium in Kreuzschule umbenannte Bildungseinrichtung 1959 zur Erweiterten Oberschule (EOS) mit zuächst vier Oberstufen, nach einer Umstrukturierung im DDR-Bildungssysten 1982 mit zwei Abiturstufen. Als eine von nur wenigen Schulen in der DDR bot sie altsprachlichen Unterricht in Latein und Altgriechisch an. Hinzu kamen spezielle Kruzianerklassen der Jahrgangsstufen 5 - 8, in denen die Jungen des Kreuzchors unterrichtet wurden. Nach der Wende wurde die Oberschule im Rahmen des neuen sächsischen Schulgesetzes wieder zum Gymnasium, zunächst in städtischer Trägerschaft. 1997 beschloss der Stadtrat jedoch, keine neuen Schülerjahrgänge mehr aufzunehmen und die Schule künftig in Trägerschaft der evangelischen Kirche zu überführen. Seit 2004 trägt sie offiziell den Namen Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden und ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule. Drei Jahre später begann eine 2009 abgeschlossene umfassende Sanierung des Gebäudes. Dabei entstand ein moderner Verbindungsbau der beiden Gebäudeteile sowie eine neue Turnhalle. Hinzu kamen moderne Kurs- und Funktionsräume im Dachgeschoss sowie eine Mensa im Keller hinzu. Die Wiedereinweihung erfolgte am 10. August 2009 durch Landesbischof Jochen Bohl.

 


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