Herrenschwitzbad,
in der Wandnische Plastik Georg Wrbas
"Junge mit Fisch"

Das Güntzbad entstand zwischen 1903 und 1905 als öffentliches Hallenbad an der Straße Elbberg in der Nähe der Carolabrücke. Die Planungen für den Jugendstilbau stammten vom Dresdner Stadtbaurat Edmund Bräter. Die Finanzierung in Höhe von 1,65 Millionen Mark übernahm die Güntz-Stiftung, nach der das neue Bad auch seinen Namen erhielt. Mit seinen modernen Wassererwärmungs- und -aufbereitungsanlagen, einer Unterwasserbeleuchtung der Schwimmbecken, einer elektrisch gesteuerten Uhrenanlage, eigenen Brunnen und Stromversorgung war das Bad zum Zeitpunkt seiner Eröffnung modernstes Hallenbad in Dresden.

Der am 2. Januar 1906 eröffnete Bau erhielt zur Straßenseite eine repräsentative Außenfassade mit Jugendstilelementen (Foto). Im Inneren gab es zwei Schwimmhallen für Damen und Herren sowie die zugehörigen Umkleide- und Sanitärräume. Das Herrenschwimmbecken besaß eine Gesamtfläche von 275 Quadratmetern, während das etwas kleinere Damenschwimmbad eine Länge von 18 Metern und eine Breite von 9 Metern aufwies. Weitere Räume beherbergten ein irisch-römisches Schwitzbad sowie insgesamt 50 Kabinen mit Wannenbädern. Diese dienten vorrangig der Bevölkerung der Pirnaischen Vorstadt, welche oft noch keine Badezimmer in ihren Wohnungen besaß. Außerdem stand eine hauseigene Wäscherei zur Verfügung, in der man Haushaltwäsche und Kleidung waschen und bügeln lassen konnte. Hinzu kam ein Erfrischungsraum, das sogenannte "Bad-Café". Die künstlerische Ausgestaltung mit farbigen Keramikfliesen und Plastiken übernahm der Bildhauer Georg Wrba.

 

Fotos: Blick in die Herren- und in die Damenschwimmhalle

Das Güntzbad erfreute sich schnell großen Zuspruchs, vor allem an den regelmäßigen "Volkstagen", an denen man beide Schwimmbecken zum halben Preis nutzen konnte. Regulär mussten hingegen 40 Pfennige für Erwachsene und 30 Pfennige für Kinder bezahlt werden. Bereits im Eröffnungsjahr verzeichnete das Bad 195.000 Besucher, 1914 ca. 372.000 und 1926 sogar 775.000 Badegäste.

Die große Nachfrage führte 1925 zur Entscheidung, das Güntzbad zu erweitern und zu modernisieren. Innerhalb von zwei Jahren entstanden unter Leitung von Stadtbaurat Paul Wolf zusätzliche Räume für Heil- und Kurbehandlungen mit medizinischen Bädern, Bestrahlungsgeräten und Massageliegen. Außerdem wurde die Zahl der Wannen- und Schwitzbäder deutlich erhöht. Nach Einbau eines Aufzuges stand den Besuchern außerdem eine Dachterasse zum Sonnenbaden zur Verfügung. Hinzu kam eine Ausleihe von Badetüchern sowie ein Friseursalon. Für die musikalische Unterhaltung erhielt das Haus eine zentrale Musikanlage, über die Rundfunksendungen ausgestrahlt und in den Ruheräumen über Kopfhörer verfolgt werden konnten. Hauptsächlich wurde das Güntzbad von der Bevölkerung nutzt, stand abends aber auch Dresdner Schwimmvereinen zum Training und für Wettkämpfe zur Verfügung.

1945 wurde das Bad schwer beschädigt und brannte aus. Die ausbaufähige Ruine blieb zunächst erhalten und war bis 1960 zum Wiederaufbau vorgesehen (Foto um 1950 / SLUB - Fotothek). Wegen der hohen Kosten entschied man sich jedoch 1962 für den Abbruch, der zwei Jahre später erfolgte. In der Nähe des einstigen Standortes wurde in den 1970er Jahren die Schwimmhalle Steinstraße errichtet, welche noch bis nach 1990 in Betrieb war. Seit 2010 befindet sich auf dem Areal des Freibades Zschonergrund eine aus der Ruine des Güntzbades geborgene Bronzeplastik Georg Wrbas. Die Figur "Junge mit Fisch" stand ehemals im Herrenschwitzbad des Güntzbades und wird vom Zschonergrund-Badverein zu besonderen Anlässen gezeigt.

 


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