Zu den repräsentativsten und stadtbildprägenden Gebäuden der Innenstadt gehörte bis zu seiner Zerstörung 1945 der Kaiserpalast an der Nordseite des Pirnaischen Platzes. Das Geschäftshaus mit der Adresse Amalienstraße 1 bildete zugleich den Kopfbau einer sich bis zum Amalienplatz (Rathenauplatz) erstreckenden doppelten Häuserzeile zwischen Maximiliansring und Amalienstraße, die nach Abtragung der Stadtbefestigung im 19. Jahrhundert entstanden war.

Bis zum Bau des Kaiserpalastes stand auf diesem Grundstück in der Nähe des einstigen Pirnaischen Tores ein schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit ausgebautem Mansarddach, welches von Gottlob Friedrich Thormeyer entworfen worden war. Zuletzt befand sich in diesem Haus das von Otto Scharfe betriebene Restaurant und Café Pirnaischer Platz. Für diesen Zweck hatte man das einstige Wohnhaus mit einer großen Veranda zum Platz versehen und entsprechend umgebaut. Allerdings verdeckte dieses Haus nur teilweise die hohen Brandwände der Nachbarhäuser, so dass man sich entschied, es durch einen repräsentativen Neubau zu ersetzen.

Bauherr dieses Hauses, welches nach seiner Fertigstellung den Namen "Kaiserpalast" erhielt, war der aus Kötzschenbroda stammende Apotheker Friedrich Hermann Ilgen, der durch die Erfindung eines Mäusegiftes und Grundstücksspekulationen zu Reichtum gekommen war. Illgen ließ dafür mehrere Entwürfe erarbeiten und einem Auswahlkomitee vorlegen, dem u.a. der Architekt des Ständehauses Paul Wallot angehörte. Sieger des Wettbewerbs wurde das Architektenbüro Schilling und Graebner, welches den Auftrag erhielt, das "reichste Dresdner Privatgebäude" zu errichten. Für die Fassadengestaltung entschied man sich für einen aufwendigen Neobarockstil mit Balkonen, Erkern, Ecktürmen und einer mächtigen turmbekrönten Kuppel. Verziert wurde der Bau durch baukünstlerischen Schmuck und eine Giebelgruppe von Hans Hartmann-Maclean. Die Fassade der ersten beiden Etagen war mit Sandstein verkleidet. Die großen Fenster zur Platzseite und im Vestibül gestaltete der Glasmaler Josef Goller.

Genutzt wurde das Gebäude zunächst hauptsächlich für gastronomische Zwecke. U.a. gab es im Erdgeschoss ein preiswertes bürgerliches Restaurant, im ersten und zweiten Stock das "Grand Restaurant" sowie mehrere Säle für ein zahlungskräftigeres Publikum (Foto rechts: großer Speisesaal im 1. Obergeschoss). Die Wände dieser Räume zierten Gemälde von Otto Fischer. In der obersten vierten Etage befanden sich Ateliers. Bis zum Ersten Weltkrieg blieb der von wechselnden Betreibern bewirtschaftete Restaurantkomplex ein beliebter Treff der Dresdner und Gäste der Stadt.

Bedingt durch den Rückkehr des Fremdenverkehrs und die schwierige wirtschaftliche Lage der Nachkriegszeit konnte sich das Restaurant jedoch nach 1918 nicht mehr halten und schloss seine Türen. In der Folge kam es zu einem umfassenden Umbau im Inneren. Ab 1920 gab es im Erdgeschoss eine Bankfiliale, die oberen Etagen wurden für Wohnungen genutzt. Beim Luftangriff 1945 brannte der Kaiserpalast aus, blieb jedochin seiner Grundstruktur erhalten. Erst 1951 entschied man sich, auch dieses Gebäude abzutragen. Das Gundstück ist bis heute unbebaut und wurde in den 1960er Jahren teilweise in den Verkehrszug St. Petersburger Straße - Carolabrücke einbezogen.


[Home] [Nord] [Nordwest] [Neustadt] [Nordost] [West] [Zentrum] [Südwest] [Süd] [Südost] [Ost] [Register] [Kontakt] [Impressum]