Kretzschmar, Bösenberg & Co.


Das Unternehmen wurde 1868 vom Dresdner Kaufmann Carl Gustav Beuchelt und dem aus Leipzig stammenden Gustav Adolf Bösenberg unter dem Namen "Beuchelt & Bösenberg" gegründet und hatte seinen Sitz auf der Serrestraße 5/7 in der Nähe des Pirnaischen Platzes. Hergestellt wurden Lampen und Kronleuchter und das für deren Betrieb notwendige Zubehör. Anfang 1881 stieg Beuchelt aus der Firma aus. Neuer Mitinhaber wurde Wilhelm Heino Kretzschmar. Der vielseitig engagierte Unternehmer gehörte als Abgeordneter dem sächsischen Landtag an, war Mitglied des Verbandes sächsischer Industrieller und Gründungsmitglied des Dresdner Kolonialvereins. Zudem war er Vorstandschef der Gewerkschaft der Scharfenberger Grube "Güte Gottes" und ab 1899 Besitzer des "Turmhauses" in den Radeberger Weinbergen. Auch sein Kompagnon Gustav Adolf Bösenberg war politisch aktiv und wirkte als Dresdner Stadtrat. Nach seinem Tod 1891 stiegen die Witwe Anna Helene und der gemeinsame Sohn Hermann Alfred Bösenberg in das Geschäft ein, woraufhin die Firma in Kretzschmar, Bösenberg & Co. umbenannt wurde.

Wurden die Produkte zunächst nur an Privatleute und Firmen verkauft, gelang es später auch, den Staat als Auftraggeber zu gewinnen. Ab 1893 belieferte man den Dresdner Hof mit Glasglühkörpern, Zylindern und Brennern für die Ausstattung der Schlösser in Dresden und Pillnitz. 1909 wurde Kretzschmar, Bösenberg & Co. offiziell zum Hoflieferanten ernannt. Ein weiterer wichtiger Auftraggeber war die sächsische Staatsbahn, die ihre Signallaternen vom Unternehmen bezog. Zum Produktionsprogramm gehörten zudem unterschiedlichste Leuchter, Zier- und Tischlampen, Gartenlaternen. Hinzu kam ein Installationsgeschäft für Gasanlagen.

1909 verstarb Heino Kretzschmar, woraufhin sein Sohn Franz Gustav in die Firma beitrat, ebenso wie Kretzschmars Witwe Marie Auguste als Kommanditistin. 1914 waren im Betrieb an der Serrestraße 107 Arbeiter beschäftigt, deren Zahl kriegsbedingt jedoch auf nur noch 39 im Jahr 1918 sank. Den gesunkenen zivilen Bedarf versuchte man durch Lieferungen an das Militär mit Signallampen und der Ausstattung von Lazaretten auszugleichen. Um wirtschaftlich bestehen zu können, hatte man sich schon 1914 mit den Dresdner Werkstätten für Beleuchtungswesen und den Firmen F. Johne & Co. und Ebeling & Kröhner zusammengeschlossen. Trotzdem gelang es, während des Krieges eine Filiale auf der Bautzner Landstraße 34 am Weißen Hirsch zu eröffnen. Vorrangig wurden hier Antiquitäten und Repliken historischer Beleuchtungskörper aus Bösenbergs reichhaltiger Sammlung verkauft.

Die Firma blieb auch nach dem Ersten Weltkrieg bestehen und versuchte, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Bösenberg war Mitbegründer der Vereinigung Deutscher Lampenfabrikanten und Herausgeber einer Fachzeitschrift des Verbandes. Nach dem Tod Kretzschmars übernahm er 1931 die alleinige Geschäftsführung. 1934 erweiterte er die unternehmerische Tätigkeit offiziell auf den Handel mit Antiquitäten und Kunstgegenständen. Im gleichen Jahr kam auch sein Lampenmuseum in das Stammhaus auf der Serrestraße. Nach Bösenbergs Tod 1941 führten Gesellschafter den Betrieb weiter, bevor dieser beim Luftangriff 1945 zerstört wurde.

 

Lampenmuseum:

Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit befasste sich Alfred Bösenberg auch intensiv mit der Geschichte der Beleuchtungskörper und trug dafür eine reichhaltige Sammlung historischer Lampen aus aller Welt zusammen. Zur Sammlung gehörten zahlreiche Leuchter und Lampen, Kienspan- und Kerzenhalter, Gebetslampen usw. von der Antike bis zur Gegenwart. Erstmals wurde diese auf der I. Internationalen Hygieneausstellung 1911 öffentlich präsentiert. Weitere Ausstellungen folgten in Leipzig, Freiberg und Amsterdam.

Das große Interesse veranlasste den Sammler, die Kollektion zu erweitern und in einem Schauraum der "Villa Klara" auf der Bautzner Landstraße 34 als Lampenmuseum zu zeigen, wo sich zugleich eine Verkaufsniederlassung der Firma befand (Foto rechts). 1915 erschien zudem eine Sammelkartenserie mit Bildern und Erläuterungen zu Exponaten des Museums (Bilder), wenig später ein Katalog "Leuchtkörper und Lampen aus früheren Zeiten" mit über 1500 Abbildungen und Erläuterungen. Außerdem gab es regelmäßige Schenkungen an sächsische Heimatmuseen, u.a. in Hainichen, Oschatz, Annaberg und Großenhain. Auch im Deutschen Museum München und im Dresdner Volkskunstmuseum befinden sich Exponate aus Bösenbergs Sammlung. Gelegentlich hielt Bösenberg auch Vorträge und Vorlesungen an der Technischen Hochschule. 1934 wurde das Lampenmuseum in das Stammhaus auf der Serrestraße verlegt und dort 1945 zerstört.

 


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