Übersichtsplan

Hamburger Saal

Das Schillingmuseum entstand 1888 auf Initiative des Dresdner Bildhauers Johannes Schilling (1828-1910), der sich mit dem Bau ein repräsentatives Ausstellungsgebäude zur Unterbringung seiner zahlreichen Modelle und Plastiken schaffen wollte. Schilling, der selbst am nahegelegenen Striesener Platz 15 wohnte, schuf u.a. das Reiterstandbild König Johanns auf dem Theaterplatz, die Figuren der "Vier Tageszeiten" am Aufgang zur Brühlschen Terrasse und die Pantherquadriga über dem Haupteingang der Semperoper. Zu seinen bedeutendsten Schöpfungen gehört die monumentale "Germania" auf dem Niederwalddenkmal.

Zur Realisierung erwarb der Bildhauer ein Grundstück an der Pillnitzer Straße 63 und beauftragte seinen Sohn Rudolf, ab 1889 Teilhaber des renommierten Architektenbüros Schilling & Gräbner, mit der Bauausführung. Die Finanzierung erfolgte durch eine Ehrengabe des deutschen Kaisers in Höhe von 30.000 Mark sowie eine Zuwendung des sächsischen Staates in gleicher Höhe. Innerhalb von zwei Jahren entstand ein in klassizistischen Bauformen gestalteter Neubau mit mehreren Ausstellungssälen. Die farbige Gestaltung der einzelnen Räume unterstrich deren individuellen Charakter und orientierte sich an Ideen Gottfried Sempers für moderne Museumsbauten. Die feierliche Einweihung fand am 15. Juli 1888 statt.

Bereits in der Vorhalle des Schillingmuseums waren einige Gipsmodelle von kleineren Plastiken Schillings neben einem Modell des Niederwalddenkmals zu sehen. Den Mittelpunkt des Museums bildete der "Niederwald- bzw. Germaniasaal" mit einem Gussmodell der monumentalen Germania-Figur des Niederwalddenkmals. Die Ausmalung des Raumes übernahm der Kunstmaler Friedrich Preller d. J. Abgussmodelle des Wiener Schillerdenkmals und der Quadriga vom Dach der Semperoper waren im "Schiller-Saal" ausgestellt Foto rechts. Hier waren außerdem eine Kopie des Rietschel-Denkmals von der Brühlschen Terrasse und einige frühe Arbeiten Schillings zu sehen. Weitere Räume zeigten Modelle kleinerer Plastiken und Abgüsse verschiedener Reliefs, u.a. des Hamburger Reiterdenkmals für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges, eine Büste von Ernst Hähnel und die Skulpturen der "Vier Tageszeiten" von der Treppe zur Brühlschen Terrasse. Den Abschluss des Rundgangs bildete ein kleiner Raum mit vierzehn Skizzen von Professoren der Universität Straßburg.

1908, zwei Jahre nach der Pensionierung Schillings, erwarb die Stadt Dresden mit Mitteln der Güntz-Stiftung das private Museum und betrieb es bis zur Zerstörung 1945. Beim Luftangriff wurde das Haus teilzerstört, hätte jedoch durch eine Notreparatur gerettet werden können. Das Denkmalamt hatte erwogen, in den Räumen bei der Enttrümmerung geborgene Fragmente und Kunstschätze einzulagern. Nach Genehmigung des Kulturamtes war bereits mit dem Innenausbau begonnen worden. Da man jedoch wenig später Teile des Dachs entfernt und einige Träger demontiert hatte, beschlossen die Dresdner Stadtverordneten 1948 den Abbruch des Gebäudes.

 

Fotos: Der Niederwaldsaal vor und nach der Zerstörung 1945 (SLUB / Fotothek)

 


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