Pillnitzer Straße



Werbeanzeigen von Geschäften vor 1945:

Werbepostkarte der Gaststätte
Carola-Automat (Nr. 4)

Anzeige der Koffer- und Taschenfabrik Richard Hänel (Nr. 5)

Werbemarke der Obst- und Südfruchthandlung Eduard Lins (Nr. 9)

Anzeige der Vereins-Parquet-Fabrik A.G. Metzdorf (Nr. 33)

Das Schank-Speisehaus und Kaffee Wilhelm Kieksch um 1930
(Nr. 39), über der Tür Werbung zum 150. Jubiläum der staatlichen Lehrschmiede

Werbung der Firma Paul Schmelzer - Fabrik und Großhandel für Fahrrad- und Kraftfahrzeugteile
(Nr. 50)

Werbung für Angermanns Hotel
(Nr. 54)

Visitenkarte des Photographischen Ateliers Phoenix
(Nr. 64)

Katalog der Firma
Reitz & Co.

Hauptgebäude der Firma um 1935 (Nr. 66)


Johanneskirche

Niederwaldsaal im Schillingmuseum

Die Pillnitzer Straße gehört zu den bereits im Mittelalter entstandenen östlichen Ausfallstraßen und bildete die Verlängerung der Rampischen Gasse. Das hier gelegene Stadtviertel wurde deshalb einst als Rampische Vorstadt bezeichnet und bestand nur aus wenigen Häusern. 1840 wurde sie in Innere (heute Rampische Straße) und Äußere Rampische Gasse geteilt. Namensgeber beider Straßen war ein an ihrem Ende auf dem Gebiet der heutigen Johannstadt gelegenes Vorwerk. 1859 erfolgte die Umbenennung des außerhalb des alten Stadtkerns gelegenen Teils in Pillnitzer Straße. 1874 kam noch der östlich der Güntzstraße gelegene Abschnitt bis zum Striesener Platz hinzu. Letzterer zählt heute zur Striesener Straße. Der verbliebene Teil zwischen Rathenauplatz und Güntzstraße behielt hingegen bis zur Gegenwart seinen Namen.

Die meisten Häuser in der Nähe des Amalienplatzes stammten aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung im Siebenjährigen Krieg, als fast alle Gebäude der Vorstadt dem preußischen Bombardement zum Opfer gefallen waren. Zu diesen älteren Gebäuden gehörte u.a. die Brauerei Amalienhof (Nr. 6) sowie die Wohnhäuser Nr. 8 und 9. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte dann ein weiterer Ausbau der Pillnitzer Straße mit Wohn- und Geschäftshäusern. Typisch waren bis zur Zerstörung 1945 kleine Läden, Handwerksbetriebe und Kneipen. Hinzu kam der Gebäudekomplex des Landgerichts mit angeschlossener Haftanstalt. An der Ecke zur Güntzstraße stand die Johanneskirche mit ihrem markanten Turm. Auch die Straßenbahn verkehrte bis 1945 durch diese Straße.

Mit der Zerstörung der Innenstadt fielen 1945 auch sämtliche Gebäude der Pillnitzer Straße den Bomben zum Opfer. Nach Abbruch der Ruinen entstanden hier in den 1960er Jahren an der dabei deutlich verbreiterten Straße Wohnblocks. Hinzu kamen einige Ladengeschäfte zwischen Mathilden- und Blochmannstraße (Foto). 2010 folgte in der Nähe der früheren Poliklinik ein kleines Einkaufszentrum. Zu den architektonisch interessantesten Gebäuden der Nachwendezeit gehört das auf dem Grundstück der früheren Johanniskirche errichtete St.-Benno-Gymnasium.

 

Gebäude in der Pirnaischen Vorstadt:

Carola-Eck (Nr. 4): Das kleine Lokal in der Nähe des Amalienplatzes existierte bereits vor dem Ersten Weltkrieg und befand sich 1912 im Besitz von Albert Führer. Bekannt war es auch als "Carola-Automat" bzw. "Carola-Büffet" und bot hauptsächlich kleinere kalte und warme Gerichte, Spirituosen und Weine an. Automatenrestaurants, in denen sich die Gäste durch den Einwuf von Münzen selbst bedienen konnten, waren damals sehr beliebt.

Amalienhof (Nr. 6): Die Brauerei Amalienhof mit angeschlossenem Hotel ging aus dem früheren Hofbrauhaus hervor, welches sich bis 1776 am Ende der Kleinen Brüdergasse befand. Das im Siebenjährigen Krieg 1760 zerstörte Gebäude wurde zunächst wiederaufgebaut, 1776 aber wegen der Brandgefahr abgebrochen und durch einen Neubau am Elbberg in der Pirnaischen Vorstadt ersetzt. Pächter war der Hofbrauverwalter Johann Gottfried Grohmann, der für sein neues Haus alle bestehenden Privilegien und Rechte des alten Hofbrauhauses erhielt. Zu diesen gehörte u.a. das ganzjährige Braurecht, die Befreiung vom Pfannenzins und das Recht, diese auch auf seine Nachkommen zu übertragen.

Im 19. Jahrhundert wechselte die Brauerei in privates Eigentum und wurde ab 1891 von Bruno Max Lotze geführt. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Amalienhof, der sowohl für die Brauerei selbst als auch für das zugehörige Hotel mit der Gaststätte "Amalienschänke" auf der Amalienstraße 24 galt. 1893 warb der Amalienhof mit vorzüglicher und billiger Unterkunft für Geschäftsreisende und seinem preiswerten Restaurant (Foto links: Bräustübel). Eine weitere Gaststätte befand sich mit dem "Schillerhof" in der Pillnitzer Straße 10.

Nr. 11: In diesem Gebäude befand sich vor dem Ersten Weltkrieg die Fabrik für Photographische Apparate der Gebrüder Junghanss, einer von zahlreichen kleineren Dresdner Kameraherstellern. 1923 ist unter der gleichen Adresse der Verlag der Gebrüder zu finden. Außerdem gab es im Erdgeschoss eine Verkaufsstelle der Drema AG (Dresdner Molkereien).

Nr. 14: Auch in den Nachbarhäusern existierten bis 1945 zahlreiche kleine Läden und Niederlassungen größerer Handelsunternehmen. So hatte in der Pillnitzer Straße 14 ein Laden des bekannten Dresdner Fischgroßhändlers August Paschky sein Domizil. Paschky war wegen seines Engagements in der verbotenen sozialdemokratischen Bewegung mehrfach inhaftiert und starb 1891 an den Folgen der Haft. Im Eckhaus zur Neuen Gasse (Nr. 22) betrieb der Schokoladenhändler Richard Selbmann eine seiner zahlreichen Filialen.

Bilderrahmenfabrik Leopold & Simon (Nr. 18): Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1878 zurück, als am 16. August der Breslauer Kaufmann Ludwig Philipsohn im Nachbarhaus Nr. 16 eine Buchbinderei und Kartonagenfabrik gründete. Mitinhaber war Bernhard Leopold (1849-1932), der wenige Jahre später ab 7. Oktober 1885 in der Nr. 18 gemeinsam mit Adolph Simon (1848-1930) eine eigene Bilderrahmenfabrik führte. Unter dem Namen Leopold & Simon fertigte man mit Hilfe von Handdruck- und Goldprägepressen und verschiedenen Schneidemaschinen Bilder-, Foto- und Wechselrahmen.

Der Erfolg des Unternehmens ermöglichte im Oktober 1897 den Erwerb eines größeren Hintergebäudes auf der Holbeinstraße 74. Hier waren um 1900 ca. 45 Beschäftigte angestellt. 1901 zog die Firma erneut um, jetzt zur Zöllnerstraße 31. Während im Erdgeschoss die eigentlichen Produktionsräume lagen, gab es in der oberen Etage Kontor, Lager und Speiseraum. Das Unternehmen existierte dort bis 1927. Danach übernahm der Kaufmann Rudolf Max Jordan den Markennamen und führte diesen in seiner Bilder- und Bilderrahmenfabrik in Pillnitz weiter, widmete sich dort aber schon bald der Herstellung von Spiegeln. Auf der Orangeriestraße 11 existierte die Firma, ab 1974 als VEB Spiegelfabrik, bis Ende 1990.

Nr. 25: In diesem Haus lebte 1898 der Maler Hans Unger (1872-1936), ein Schüler von Friedrich Preller d. J. und Hermann Prell. Unger arbeitete zunächst als Student im Malsaal des Dresdner Hoftheaters und studierte dann von 1893 bis 1895 an der Kunstakademie. Er war Mitglied im Verein Bildender Künstler und der sogenannten "Goppelner Gruppe". Nach der Jahrhundertwende verzog er nach Loschwitz, wo sich auf dem dortigen Friedhof auch sein Grab befindet. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das 1907 geschaffene Mosaik "Göttin des Lichts" am Bau der Ernemann-Kamerawerke, die zugleich zu deren Markenzeichen wurde.

Nr. 26: Zu den historisch interessantesten Gebäuden der Pirnaischen Vorstadt gehörte das Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Wohnhaus Nr. 26. An der Fassade des Gebäudes, dessen Erdgeschoss zeitweise als Papiergroßhandlung, Buttergroßhandel bzw. Möbelgeschäft genutzt wurde, befand sich ein Relief des Bildhauers Christian Gottlieb Kühn (1780-1828), dessen Familie einige Jahre selbst in diesem Haus lebte. Das 1824 geschaffene Kunstwerk zeigt einen Reigen tanzender Musen. Es überstand die Zerstörung des Hauses 1945 und konnte geborgen werden. 1977 fand es seinen neuen Platz in den Räumen des Opernrestaurants im Anbau der Semperoper.

Bild: Briefkopf der Papiergroßhandlung Willi Schwabe (1919)

Zu den Nutzern der oberen Geschosse gehörte von 1868 bis 1873 der Bildhauer Hermann Hultzsch (1837-1905). Als Schüler von Ernst Rietschel hatte Hultzsch bis 1861 an der Kunstakademie studiert und war ab 1888 dort selbst Professor. Später wohnte er in Blasewitz/Neugruna. Sein Grab befindet sich auf dem Striesener Friedhof. Ein weiterer bekannter Künstler war Hermann Prell (1854-1922). Prell übernahm 1892 eine Professur für Historienmalerei an der Kunstakademie und gehörte als "Geheimer Hofrat" der Goppelner Gruppe und der Künstlervereinigung "Mappe" an. Bis 1897 nutzte er im Haus einige Räume als Atelier, bevor er Wohnung und Atelier zur Schillerstraße 27 verlegte.

Nr. 28: Prominenter Bewohner dieses Eckhauses zur Zirkusstraße war der Maler und Architekt Ludwig Theodor Choulant (1827-1900), Sohn des Arztes und Medizinhistorikers Johann Ludwig Choulant, der ebenfalls viele Jahre auf der Pillnitzer Straße lebte (Nr. 47). Choulant hatte an der Technischen Hochschule und der Kunstakademie, u.a. bei Gottfried Semper, studiert und war ab 1868 als sächsischer Hofmaler tätig. Außerdem gehörte er ab 1890 dem Sächsischen Altertumsverein an. Zu seinen architektonischen Arbeiten gehörte die 1945 zerstörte Franziskus-Xaverius-Kirche am Albertplatz und die Kirche des Diakonissenkrankenhauses.

Nr. 29 (Kleist-Haus): Zwischen Anfang September 1807 und Frühjahr 1809 wohnte der Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist (1807-1809) in diesem Haus. In diesen Monaten verfasste er hier wesentliche Teile seiner Dichtungen "Michael Kohlhaas", "Penthesilea", "Das Käthchen von Heilbronn", "Die Hermannsschlacht" und "Prinz Friedrich von Homburg". In Erinnerung an Kleists Aufenthalt ließ die Dresdner Tiedgestiftung 1906 an der Fassade eine Gedenktafel anbringen. Schöpfer war der Künstler Richard König. (Foto links: SLUB / Fotothek).

Beim Abbruch der Ruine des zerstörten Gebäudes konnte die Bronzetafel aus den Trümmern geborgen und eingelagert werden. Anlässlich des 200. Todestages von Heinrich von Kleist ließ die Stadt Dresden die Tafel restaurieren und am 20. Dezember 2011 in der Nähe des früheren Standortes wieder aufstellen. Die neue Gedenkstätte besteht neben der historischen Tafel aus einem modernen Stahlrahmen und einer Sandsteineinfriedung und wurde vom Dresdner Künstler Einhart Grotegut geschaffen (Foto rechts).

Nr. 31 - 49: Neben Läden und Handwerksbetrieben gab es an der Pillnitzer Straße auch einige gastronomische Einrichtungen, so das bereits 1898 genannte Gasthaus und Restaurant "Zum römischen Kaiser" (Nr. 31). Eine weitere Lokalität befand sich in der nahegelegenen Nr. 34 mit Marquardts Restaurant "Zum Hasen" (Foto rechts). Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm zunächst die Konditorei Böhm die Räume. Zuletzt befand sich hier bis 1945 das Kaffee Kuchelmeister mit angeschlosener Konditorei. Umweit davon luden wechselnde Besitzer in die "Schankwirtschaft Versöhnungshalle" ein (Nr. 37). Anlass für diese Namensgebung war vermutlich das benachbarte Landgericht. Und auch im Nachbarhaus Nr. 39 gab es eine Gaststätte - das Schank-Speisehaus u. Kaffee Wilhelm Kieksch.

Landgericht (Nr. 41): Das Areal zwischen Pillnitzer, Gerichts- und Mathildenstraße nahm das 1876-1878 nach Plänen von Carl Adolph Canzler erbaute Landgericht ein. Im hinteren Teil befand sich am Holbeinplatz die im Volksmund "Mathildenschlösschen" genannte Untersuchungshaftsanstalt. Beim Luftangriff 1945 wurden sowohl das Gericht als auch das Gefängnis getroffen, was ca. 700 Gefangenen die Flucht ermöglichte. An die 1933 bis 1945 hier inhaftierten NS-Gegner erinnert seit 1975 eine Sandsteinstele. Diese befand sich ursprünglich an der Ecke Pillnitzer / Gerichtsstraße und wurde 2009 zur Rietschelstraße versetzt.

Verlag Wolfgang Jess (Nr. 44): Wie die meisten Gebäude der Pillnitzer Straße wurde auch dieses Haus (Foto) teilweise gewerblich genutzt. So gab es hier 1920 im Erdgeschoss "Kaisers Kaffee-Geschäft" und die Strumpf- und Wollwaren Fabrik Albin Neubert, im 1. Obergeschoss die Buchhandlung von Gerhard Kühtmann. Kurz darauf mietete sich der Verleger Wolfgang Jess (1885-1945) in die Räume ein. Jess war nach seiner Buchhandelslehre in Leipzig, Berlin und London tätig und kam 1920 nach Dresden, wo er am 1. März seinen Verlag eröffnete. In kurzer Zeit erwarb er sich mit seinen Kunst- und Kulturbüchern weit über die Stadtgrenzen reichende Anerkennung, verlegte aber auch Werke junger Autoren und Experimentelles. Am 13. Februar 1945 verbrannten sämtliche Archivalien und Druckvorlagen. Jess selbst gilt seit der Schlacht um Berlin als vermisst.

Nach 1945 führte seine Ehefrau Marianne den Verlag weiter. 1947 begann sie in ihrer Wohnung auf der Schillerstraße 11 mit einem neuen Verlagsprogramm. Bevorzugt widmete sie sich den Neuauflagen alter Klassiker. Hinzu kamen neue Titel in bereits früher begonnenen Reihen sowie Jahrbücher zur Förderung der Kunstpflege. Politische Differenzen führten jedoch in den 1950er Jahren zu Problemen und 1958 zur Republikflucht des Geschäftsführers Hans Krey. Daraufhin verlor der Verlag Wolfgang Jess seine Lizenz. Marianne Jess löste das bestehende Verlagsarchiv auf und verzog 1969 nach Eutin in Holstein, später nach Köln.

Paul Aretz Verlag GmbH (Nr. 44): Mit dem Verlag von Paul Aretz hatte kurzzeitig ein weiterer Verleger im Haus seinen Sitz. Aretz (1890-1949)studierte an den Universitäten in Basel und Bern und ließ sich 1921 als Verleger und Buchhändler in Dresden nieder. Sein erstes größeres Werk war eine Darstellung von Napoleons Gefangenschaft und Tod inklusive dessen Erinnerungen an St. Helena. Mehrfach wechselte Aretz seinen Geschäftssitz, der sich 1925 auf der Tiergartenstraße 28, 1927 auf der Pillnitzer Straße 44 und 1930 auf der Bergstraße 14 befand. Zudem besaß er auf der Altenzeller Straße 21 eine Verlagsbuchhandlung. Schwerpunkt der Verlagstätigkeit waren Bücher zu historischen Themen, die teilweise von seiner Frau Gertrude verfasst wurden. Die politischen Umstände veranlassten Aretz 1934, Dresden zu verlassen und in die Schweiz zurückzugehen, wo er 1949 verstarb.

Nr. 46: In diesem Gebäude besaß ab 1887 der Fotograf James Buchanan Aurig (1857-1935) sein erstes Photographisches Atelier. Der in Chemnitz ausgebildete Fotograf war zuvor u.a. bei der renommierten Dresdner Lichtdruckanstalt Römmler & Jonas tätig gewesen und machte sich dann selbständig. Anfang der 1890er Jahre verlegte Aurig sein Geschäft in den Vorort Blasewitz, wo er 1894 die noch erhaltene Villa Justinenstraße 2 erwarb. Bekannt war er als Porträtfotograf und Dokumentarist historischer Ereignisse und Bauten. 1911 erhielt er den Titel des "Hofphotographen Seiner Majestät". Sein Grab befindet sich im Tolkewitzer Urnenhain.

Foto: Ladengeschäfte an der Pillnitzer Straße 46 in den 1940er Jahren

Zigarettenfabrik Gebrüder Selowsky (Nr. 46): Im Hintergebäude des Grundstücks hatte die Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Zigarettenfabrik Gebrüder Selowsky ihren Sitz. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1923 in eine Aktiengesellschaft in umgewandelt. Auch die Aufnahme neuer Kapitalgeber und die daraus resultierende Umbenennung in Gebrüder Selowsky Jean Vouris AG Cigarettenfabrik im Mai 1923 brachte keinen andauernden Erfolg. Am 4. Dezember 1924 musste der Betrieb Konkurs anmelden. Die Räume übernahm daraufhin die Zigarren- und Tabakfabrik Luxander & Co. GmbH.

Nr. 47: Das Eckhaus zur Cranachstraße war Mitte des 19. Jahrhunderts Wohnsitz des Arztes und Medizinhistorikers Johann Ludwig Choulant (1791-1861). Der Sohn eines 1789 nach Dresden emigrierten Franzosen erlernte zunächst an der Hofapotheke das Apothekerhandwerk und studierte dann am Collegium medico-chirurgicum in Dresden und an der Leipziger Universität Medizin. Ab 1821 war Choulant Arzt am Königlichen Krankenstift und ein Jahr später Dozent an der Chirurgisch-Medizinischen Akademie. 1823 wurde er zum Professor der theoretischen Heilkunde berufen. Neben seiner Tätigkeit als Arzt war er ab 1843 Rektor der Akademie, Medizinalreferent im sächsischen Ministerium des Innern und gab zudem verschiedene medizinhistorische Schriften heraus. Sein Sohn Ludwig Theodor Choulant, Maler und Architekt, wohnte später in der Pillnitzer Straße 28.

Mentor-Kamerafabrik (Nr. 49): Das 1898 von Hugo Breutmann in Berlin gegründete Unternehmen, nach Aufnahme eines Partners ab 1899 als Goltz & Breutmann OHG firmierend, verlegte 1906 seinen Sitz nach Dresden auf die Pillnitzer Straße 49. Gefertigt wurden hauptsächlich Schlitzverschluss- und Spiegelreflexkameras, während des Ersten Weltkriegs auch Fliegerkameras. Ab 1918 erwarb die Firma durch ihre unter dem Markenzeichen "Mentor" verkauften Apparate internationalen Ruf. 1944 musste die Mentor Kamerafabrik Goltz & Breutmann jedoch Konkurs anmelden und wurde vom Mechanikermeister Rudolf Großer übernommen, der bis zum Luftangriff am 13. Februar 1945 in den Räumen Kameras produzierte.

Bereits am 1. Juli 1945 begann Großer wieder mit der Reparatur von Kameras sowie der Fertigung einfacher Zubehörteile. Das erste Nachkriegsmodell wurde im Februar 1948 vorgestellt. Wenig später präsentierte "Mentor" seine neue Baureihe auf der Leipziger Frühjahrsmesse. 1952 verlegte der Betrieb seinen Sitz nach Pillnitz, wo er weiterhin Spiegelreflex-, Studio- und Panoramakameras herstellte. Nach dem Tod Rudolf Großers 1968 übernahm sein Sohn Claus den Betrieb, musste ihn jedoch im Rahmen der Zwangsverstaatlichung in der DDR 1972 verkaufen. Ab 24. April 1972 hieß die Firma VEB Mentor Großformat-Kameras Dresden und wurde am 1. April 1980 dem Kombinat VEB Pentacon angegliedert, wobei der Markenname aufgegeben wurde.

Nr. 53: Im Gartenhaus des Grundstücks befand sich ab 1873 der Firmensitz der Firma G. Meurer, die 1871 von Gottlob Siegfried Meurer und seinem Bruder in der Nähe von Pirna gegründet worden war. Hauptprodukt war ein von Meurer entwickelter Spirituskocher, mit dem sich das junge Unternehmen schnell einen guten Ruf erwarb. Der wachsende Erfolg führte 1879 zur Anmietung größerer Geschäftsräume in der Johannstadt und 1899 zur Verlegung nach Cossebaude, wo die Firma als Eisenwerke Meurer AG bekannt wurde.

Angermanns Hotel (Nr. 54): In diesem um 1870 errichteten Eckhaus zur Albrechtstraße gründete 1871 der Fotograf Emil Römmler seine Licht- und Kunstdruckanstalt Römmler & Jonas. Das Unternehmen, welches bereits zwei Jahre später zur Neuen Gasse und später zur Blasewitzer Straße verzog, gehörte bis 1945 zu den renommiertesten Kunstdruckereien Deutschlands.

Ab ca. 1890 befand sich im Haus Angermanns Hotel garni. Dessen Besitzer, J. Friedrich Angermann hatte bereits zuvor ein Restaurant und eine Flaschenbierhandlung im Erdgeschoss betrieben. Später wurde die Gaststätte wohl verpachtet und nach ihrem neuen Wirt Emil Siebert´s Restaurant genannt, der 1893 mit dem Ausschank von echt Münchner Hofbräu warb. Angermann trat fortan nur noch als Hotelier in Erscheinung und empfahl sein Haus gegenüber dem Justizgebäude (Landgericht) mit neuen und behaglich eingerichteten Zimmern in jeder Preislage. Zudem bot er seinen Gästen an, sich die Speisen aus Sieberts Restaurant aufs Zimmer servieren zu lassen. Nach der Jahrhundertwende befanden sich Hotel und Gaststätte wieder unter gemeinsamer Leitung und bestanden unter dem Namen Angermanns Hotel bis 1945. Zu den Gästen des Lokals gehörte u.a. der Maler Otto Griebel, der 1926 auch eine Zeichnung des Schankraums schuf.

Nr. 57 (Filmverleih Gefilge): Im 2. Obergeschoss dieses Gebäudes an der Einmündung der Pestalozzistraße hatte bis 1932 die 1918 gegründete Gesellschaft für wissenschaftliche und unterhaltende Kinematographie m.b.H. (Gefilge) ihren Sitz. Das Unternehmen war von den aus Werden an der Ruhr stammenden Brüdern Moritz und Ernst Gerbrecht und dem Ingenieur Wolfgang Filzinger gegründet worden und betrieb den Handel und Verleih von kinematographischen Apparaten und Filmen. Zudem betrieb die Firma ein eigenes Lichtspielhaus. Später produzierte Filzinger als Kameramann auch eigene Filme, hauptsächlich Werbefilme für die Industrie und Dokumentationen.

Pillnitzer Hof (Nr. 66): Auch im östlichen Teil der Pillnitzer Straße, zwischen Blochmann- und Eliasstraße (Güntzstraße) gab es einst zwei Gaststätten. Eine befand sich um 1900 an der Ecke zur Blochmannstraße (Pillnitzer Straße 62) und hieß "Zur Pirnaischen Vorstadt" (später "Charlottenhof"). Ein zweites Lokal existierte vor dem Ersten Weltkrieg mit dem "Pillnitzer Hof" in der Nr. 66. Zugleich befand sich hier Ende des 19. Jahrhunderts die Fahrradhandlung von Julius Strohbach. Im Garten hinter dem Gebäude betrieb er "Strohbach´s Radfahrbahn", auf dem potentielle Käufer das Radfahren erlernen konnten.

Foto: Strohbachs Radfahrbahn an der Pillnitzer Straße

Nach dem Ersten Weltkrieg bezog der Sanitärgroßhandel Reitz & Comp. GmbH das Hintergebäude. Das Unternehmen verkaufte Badewannen, Waschtische, Toilettenbecken und anderen Sanitärbedarf. Bis 1945 kamen weitere Muster- und Verkaufsräume in den Nachbarhäusern 68 und 70 an der Ecke zur Güntzstraße hinzu (Foto). Firmenchef Otto Barth bemühte sich auch nach der völligen Zerstörung 1945 um einen Wiederaufbau der Firma, verließ jedoch wegen des wachsenden staatlichen Drucks 1956 die DDR und gründete in Karlsruhe 1956 die GAWA GmbH, die bis heute existiert.

 

Gebäude in der Johannstadt:

Bis 1945 gehörte auch der Abschnitt östlich der Güntzstraße bis zum heute nicht mehr vorhandenen Striesener Platz (zwischen Hans-Grundig- und Permoserstraße) zur Pillnitzer Straße. Im Gegensatz zum in Richtung Innenstadt gelegenen Teil prägten hier villenartige Einzelbauten das Straßenbild. Unmittelbar an der Ecke zur Güntzstraße stand ein repräsentatives Wohnhaus, zu dessen prominenten Bewohnern die Gutsbesitzerin und Erfinderin Henriette Magdalene von der Sahla (1793-1891), die Bildhauer Rudolf Born (1882-1869) und Heinrich Epler (1846-1905) und der Maler und Grafiker Otto Fischer (1870-1947) gehörten (Güntzstraße 22). Außerdem befand sich an der Kreuzung mit der Marschnerstraße das Schillingmuseum (Nr. 63). Das gegenüberliegende Grundstück gehörte zur Johannstädter Oberrealschule.

Nr. 61: An der dem Schillingmuseum gegenüber gelegenen Ecke zur Marschnerstraße stand ein Mitte des 19. Jahrhunderts errichtetes Wohnhaus. Ursprünglich gehörte das Areal zum Städtischen Akzisehaus am Rampischen Schlag, an dem in die Stadt reisenden Händler ihre Waren versteuern mussten. Um 1862 lebte hier der Privatgelehrte, Buch- und Kunsthändler und Verleger Johann Traugott Löschke und warb in Anzeigen für seine "Odische Heilanstalt Schlößchen Kreuz", in der Patienten mit homöopathischen Methoden behandelt wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte das Haus dem Verein Krüppelhilfe e.V., der im Erdgeschoss eine Geschäfts- und Beratungsstelle unterhielt. In den beiden Obergeschossen befand sich eine Heilanstalt für Körperbehinderte, bis 1945 Bruno-Everth-Haus genannt.

Nr. 69: Den Abschluss der Pillnitzer Straße bildeten die Wohnhäuser Nr. 69 und die beiden gegenüberliegenden Villen Nr. 80 und 82. Das angrenzende Gebiet war um 1870 als Grünfläche gestaltet worden und hatte 1869 den Namen Striesener Platz erhalten. In der Nr. 69 wohnte vor dem Ersten Weltkrieg der Architekt Rudolf Schilling, Inhaber des renommierten Architektenbüros Schilling & Graebner. 1888 entwarf er das benachbarte Museumsgebäude für seinen Vater, den Bildhauer Johannes Schilling. Ab 1939 befand sich im Haus die Landesbildstelle Sachsen, deren Aufgabe das Sammeln regionalkundlicher Fotografien und die Versorgung von Bildungseinrichtungen mit Lehrmitteln war. Ihre Bestände gehören heute zur Fotothek der SLUB.

Nr. 78: Das Gebäude an der Südseite der Pillnitzer Straße zwischen Güntz- und Marschnerstraße war Domizil der von Preußschen Marienstiftung, einem bis 1945 bestehenden Stift für ältere Damen.

Nr. 80: In dieser Villa (Foto links) befand sich viele Jahre die Fremdenpension Hecht. Inhaberin war die Witwe Amalie Bianca Hecht, deren verstorbener Mann im Gebäude um 1900 auch eine Milchkuranstalt betrieben hatte.

 


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