Ratsziegelscheune: Die sich im Besitz des Dresdner Rates befindliche Ziegelei entstand vermutlich im 14. Jahrhundert und diente der Versorgung der Stadt mit Baumaterial. 1370 ist erstmals die sogenannte Ziegelwiese in der Nähe des heutigen Sachsenplatzes genannt, welche zum Trocknen der Lehmziegel vor dem Brennvorgang diente. Verwalter war ein Ratsherr, der die gebrannten Ziegel für städtische Bauvorhaben lieferte oder an private Bauherren verkaufte. Die Produktionsmenge belief sich im Jahr 1507 auf 126.700 Mauer- und 60.400 Dachziegel.

1531 wurde ein eigenes Ziegelamt gegründet, dessen Leiter ab 1548 ein Gehilfe (Ziegelschreiber), der Ziegelmeister und ein Ziegelstreicher unterstanden. Am 15. März 1574 fasste der städtische Rat den Beschluss, jedem Bauwilligen ein Drittel des Kalks bzw. ein Drittel der Ziegel kostenlos zur Verfügung zu stellen, soweit wesentliche Teile des Baus in Stein ausgeführt werden. Dieser Ratsbeschluss sowie die Bauordnung, die für Neubauten eine steinerne Ziegeldeckung und für Eckhäuser die komplette Ausführung in Stein verlangte, trug maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Ratsziegelei bei. Die Lehmgruben befanden sich zunächst an der in unmittelbarer Nähe gelegenen Ziegelwiese und im Vorort Plauen, später an der nach Pillnitz führenden Landstraße und in Tolkewitz. Der Transport erfolgte mit Hilfe von Karren oder auf dem Wasserweg. Am Zielort wurde der Lehm zunächst von Tagelöhnern mit Sand vermischt, zu einer formbaren Masse bearbeitet und schließlich in Holzformen gestrichen. Nach der Trocknung folgte der abschließende Brennvorgang. Durch dieses Verfahren war eine Produktion nur im Saisonbetrieb möglich.

Die Erschöpfung der Lehmvorkommen und der dadurch notwendige weite Transports des Rohstoffs machten die Ziegelei jedoch zunehmend unrentabel. Wiederholt musste der Rat durch Zuschüsse aus der Stadtkasse den Ziegelpreis stabil halten. 1715 verpachtete man die Ratsziegelei an private Betreiber. Im Siebenjährigen Krieg brannte die Ziegelscheune ab und wurde daraufhin etwas versetzt unmittelbar neben der Amtsziegelscheune wieder aufgebaut. 1840 erfolgte die öffentliche Versteigerung, bevor ca. zehn Jahre später der Betrieb endete.

Amtsziegelscheune: Neben der städtischen Ratsziegelscheune gab es mit der Festungs- und Amtsziegelscheune, auch "Militär-Ziegelscheune" genannt, einen weiteren Ziegeleibetrieb in unmittelbarer Nachbarschaft. Hier wurden vor allem Ziegel und Kalk für den Festungsbau gebrannt. Außerdem diente sie dem Bedarf des kurfürstlichen Hofes und für staatliche Bauvorhaben. Auch diese Ziegelei entstand vermutlich bereits im Mittelalter und ist seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Im Gegensatz zur Ratsziegelei bestand sie aus einem geschlossenen Gebäudekomplex mit Brennhaus, Ziegelschuppen und Wohnhaus, welcher bis zum Abriss eine markante Landmarke der Vorstadt bildete. Betreut wurde sie von einem amtlich bestellten Baumeister als Verwalter. Differenzen mit den Pächtern führten Mitte des 18. Jahrhundert zum Verkauf der Ziegelei.

Zu den Bewohnern der Amtsziegelei gehörte der später als Geodät und Astronom bekannt gewordene Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1796-1840). Besitzer des Unternehmens war bis 1795 der Ziegelmeister Johann Christoph Sonntag. Nach Sonntags Tod übernahm Lohrmanns Vater als Vormund dessen minderjährigen Sohnes Friedrich Wilhelm Sonntag die Leitung der Ziegelei. Er führte auch seinen eigenen Sohn schon früh an die Technik des Ziegeleibetriebes heran und weckte so dessen Interesse für naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Ab 1810 war Lohrmanns Sohn sogar selbst für einige Monate als Arbeitsbursche im väterlichen Betrieb tätig. Später studierte er an der Bauschule und leitete ab 1835 die Technische Bildungsanstalt, Vorläufer der Technischen Universität. Zeitweise besaß er ein Haus in der Neuen Gasse. Sein Grab befindet sich auf dem Eliasfriedhof.

Im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden stand das Gebiet um die beiden Ziegeleien im Brennpunkt des Geschehens. Zum einen wurden Ziegel für den Bau von Befestigungen für die französischen Truppen benötigt, zum anderen war die Amtsziegelei mit ihrem hohen Ofengebäude ein idealer Beobachtungspunkt. Französische Offiziere ließen in unmittelbarer Umgebung zwei Schanzen an der Elbe und an der Ostseite des Eliasfriedhofes errichten. Von hier aus sollte sowohl der Elbübergang als auch der "Ziegelschlag" an der Straße in Richtung Zentrum gesichert werden. Am 26. August 1813 kam es zu heftigen Kämpfen zwischen Napoleonischen und russischen Einheiten, die auch die Ziegeleien schwer in Mitleidenschaft zogen. Die Ziegelscheune diente dabei als Verbandsplatz für Verwundete.

Im 19. Jahrhundert verschlechterte sich die Wirtschaftlichkeit der beiden Ziegeleien. Grund war eine Erschöpfung der Lehmvorkommen und die zunehmende Bebauung in diesem Gebiet. Außerdem entstanden vor allem in den südlichen und westlichen Dresdner Vororten modernere Konkurrenzbetriebe. Um 1850 stellte die ehemalige Amtsziegelei ihren Betrieb ein. Die letzten baulichen Reste der Gebäude verschwanden jedoch erst 1938. Bis zur Zerstörung 1945 erinnerte noch der Name "Ziegelviertel" zwischen Rietschel-, Schulgut- und Ziegelstraße an die einstigen Ziegeleien. Heute gibt es hier nur noch die Ziegelstraße.

 


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