Terrassenufer


Wohnhäuser vor 1945:

Venezianisches Haus (Terrassenufer 3)

Terrassenufer 5

Reichel-Bräu-Stübel (Terrassenufer 7)

Mittelrisalit der "Sonntagschen Häuser"
(Terrassenufer 21)

Das heutige Terrassenufer geht auf einen um ca. 1820 entstandenen Weg unterhalb der Brühlschen Terrasse zurück. Zuvor reichte die Elbe unmittelbar bis an die Festungsmauer, um so eine Eroberung der Stadt von der Wasserseite her zu erschweren. Der kleine Weg, der vom Schlossplatz bis zur Anlegestelle der Elbschiffe führte, wurde zunächst Appareille genannt. Mit dem französischen Wort bezeichnete man die Auffahrt in den inneren Raum einer Festung. 1852 erfolgte der seit längerem geplante Ausbau der Uferstraße bis zum Elbberg.

Älter ist die außerhalb der Stadtmauern gelegene Fortsetzung dieses Weges in der Pirnaischen Vorstadt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die bis zur heutigen Gerichtsstraße führende Straße An der Elbe genannt. Die Straße war nur einseitig bebaut, während die gegenüberliegenden Uferflächen als Ausschiffungs- und Lagerplatz dienten. 1879 erhielt der gesamte Straßenzug von der Augustusbrücke bis zum Sachsenplatz den Namen Terrassenufer. Seit Ende des 19. Jahrhunderts verkehrten hier bis zur Einstellung 1922 sogar Straßenbahnen, wobei die Zufahrt über eine Schleife am Theaterplatz und die schmale Gasse Elbberg erfolgte.

Auf Grund einer Verfügung des Dresdner Oberbürgermeisters wurde das Terrassenufer am 27. Juni 1938 in Ludendorffufer umbenannt Erich Ludendorff (1865-1937) war ein deutscher General und nationalkonservativer Politiker, der als einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus angesehen wurde. Am 24. Juli 1945 erfolgte die Rückbenennung in Terrassenufer.

 

Einzelne Gebäude:

Nr. 1: Einziges Gebäude im Bereich der Inneren Altstadt ist das unmittelbar an der Auffahrt zum Schlossplatz gelegene Haus Terrassenufer 1. Es entstand vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts und wurde um 1870 aufgestockt. Ursprünglich diente es als Dienstsitz des Brückenmeisters der Augustusbrücke, dem die Erhaltung der Augustusbrücke oblag. Bereits im Mittelalter gehörte die Leitung des Brückenamtes zu den wichtigsten Ratsämtern, da der Brückenmeister sämtliche Einnahmen der Elbbrücke (Brückenzoll) und auch die der Kreuzkirche verwaltete. Mit Einführung der Städteordnung 1832 wurde das Amt aufgehoben.

Auch danach wurde das Haus weiterhin als Verwaltungsgebäude genutzt. Zu DDR-Zeiten diente es als Lager der Mitropa, die für die Versorgung der Weißen Flotte zuständig war. Nach 1990 erfolgte ein Umbau zur Gaststätte, die heute als "Radeberger Spezialausschank" fortgeführt wird. Über dem Haupteingang befindet sich ein Medaillon, welches den französischen Mathematiker und Physiker Denis Papin (1647-1710) mit dem von ihm erfundenen Dampfkochtopf zeigt. Von ihm stammen auch die Vorarbeiten zur Dampfmaschine. Das Relief wurde im Zusammenhang mit der Fahrt des ersten Elbdampferrs "Königin Maria" 1836 angebracht.

Venezianisches Haus (Nr. 3): Das Gebäude entstand zwischen 1845 und 1850 an der Einmündung der Straße Elbberg zum Terrassenufer (ehem. An der Elbe 20). Architekt war vermutlich Heinrich Bothen, sein Auftraggeber der sächsische Kammerherr und Hauptmann Freiherr Eugen von Gutschmid. Andere Quellen geben Hugo Erhard als Architekten an. Wegen seiner Fassadengestaltung nach dem Vorbild venezianischer Paläste wurde es als "Venezianisches Haus" bezeichnet. Ursprünglich sollte das Gebäude Auftakt zu einer ganzen Reihe ähnlicher Fassaden werden. Letztlich griff man jedoch lediglich beim um 1880 entstandenen Nachbarhaus Nr. 5 diese Idee auf.

Heinrich Bothen, der selbst einige Jahre in Italien gelebt hatte, entwarf einen viergeschossigen Sandsteinbau mit Sitzbogenfenstern, wobei er Elemente des Palazzo Ca´d´Oro, des Palazzo Pisani Moretta und des Palazzo dei Tucchi übernahm. Nach der Fertigstellung diente das Venezianische Haus als Wohnhaus, im obersten Geschoss befanden sich Künstlerateliers. Außerdem gab es im Erdgeschoss zeitweise eine Gaststätte sowie Geschäfte. 1945 wurde das Haus zerstört und die Ruine später abgerissen. Ein Wiederaufbau in historischem Stil und einigen Nachbarhäusern wird derzeit erwogen.

Nr. 9 ("Zum Schwarzen Bär"): Das Barockhaus mit der ehemaligen Anschrift An der Elbe 13 entstand vermutlich bereits vor dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Architekt des Gebäudes war der Dresdner Festungsmaurermeister Johann Gottfried Findeisen (1692-1759). Mit seinen drei Etagen und zehn Fensterachsen gehörte es zu den bemerkenswertesten Barockhäusern der Vorstadt. Seinen Namen trug es nach einem Relief am Schlussstein, das einen an einen Baum gebundenen Bären mit Federhut und Wanderstab zeigte. Bereits um 1810 ist es als Gasthaus "Zum schwarzen Bär" erwähnte und diente bis 1945 diesem Zweck.

10. Bezirksschule: (Nr. 11/13) Das Grundstück Terrassenufer 11/13 und die dahinter liegende Fläche bis zur Marschallstraße 21 war bis 1945 Standort der 10. Bezirksschule (ab 1919 10. Volksschule). Zu den hier unterrichtenden Lehrern gehörten u.a. Otto Lippold (+ 1910) und Karl Ewald Fritzsch (1894-1974). Lippold war Vorsitzender der Fibelkommission des Dresdner Lehrervereins und Verfasser einer 1906 eingeführten neuen Fibel. Der Volkskundler Fritzsch arbeitete von 1919 bis 1932 als Lehrer an der Schule, wechselte dann jedoch an die TH, wo er 1942 zum Dr. phil. promovierte. Nach 1945 war er maßgeblich am Wiederaufbau der Landesstelle für Volksforschung beteiligt. Zum Gebäudekomplex der 10. Bezirksschule gehörte auch eine im Hof gelegene Doppelturnhalle. Hier befand sich ab Dezember 1906 eine der ersten offiziellen staatlichen Impfstellen.

1945 wurden Schule und Turnhalle zerstört. An ihrer Stelle entstand in den 1970er Jahren die 18. POS "Käthe Kollwitz" in einem Schulbau vom Typ "Dresden Atrium". Derzeit dient das Schulhaus als zentraler Auslagerungsstandort für in Sanierung befindliche Schulen. Dafür entstand 2018 ein dreigeschossiger Ergänzungsbau in Modulbauweise.

Nr. 13: In diesem Gebäude (ehem. An der Elbe 33, ab 1839 Nr. 9) wohnte ab 1818 der Maler Johan Christian Clausen Dahl (1788-1857). Dahl gilt neben Caspar David Friedrich als einer der bekanntesten Maler der Romantik und war ab 1824 Professor an der Kunstakademie. Zudem gehörte er der Dresdner Kunstgenossenschaft an und war Mitbegründer des Sächsischen Kunstvereins. 1823 bezog der mit Dahl eng befreundete Landschaftsmaler Caspar David Friedrich (1774-1840) ebenfalls eine Wohnung in diesem Haus. Friedrich schuf zahlreiche Landschaftsbilder und wird heute als bedeutendster Maler der deutschen Romantik betrachtet. Bis zu seiner Heirat hatte der Maler nur wenige Häuser weiter (An der Elbe 26) seine Wohnung.

Nach dem Tod der beiden Künstler bewohnten Dahls Sohn Siegwald Johannes Dahl (1827-1902) und Friedrichs Sohn Gustav Adolf Friedrich (1824-1899) die elterlichen Wohnungen. Beide waren ebenfalls Maler und als Tier- bzw. Porträtmaler erfolgreich. Siegwald Johannes Dahl hatte von 1842-1845 an der Kunstakademie studiert, wobei seine Ausbildung zum Teil durch den Vater, teilweise durch Wilhelm Wegener erfolgte. Gustav Adolf Friedrich, der seine Wohnung im 4. Stock des Hauses hatte, studierte ebenfalls an Kunstakademie Schüler, u.a. als Schüler von Ludwig Richter und von Carl Christian Vogel von Vogelstein.

Stadt Leitmeritz (Nr. 14): Hier befand sich bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gastwirtschaft, die 1861 unter dem Namen Herklotz, wohl nach ihrem Besitzer erwähnt ist. Später trug das Lokal offiziell den Namen "Stadt Leitmeritz". Eine weitere kleine Gaststätte existierte viele Jahre am Terrassenufer 7 (An der Elbe 15). Bis 1945 war sie unter dem Namen "Reichelbräu" bekannt.

Nr. 16 ("Goldenes Schiffchen"): Zu den älteren Gebäuden gehörte auch das Wohnhaus An der Elbe 6, später Terrassenufer 16 (Foto rechts). Wohl nach seinem Fassadenschmuck wurde es umgangssprachlich als "Goldenes Schiffchen" bezeichnet. Zeitweise befand sich hier die Schlepp-Anmeldung der Vereinigten Elbschiffahrts-Gesellschaften. In den oberen Etagen gab es Wohnungen. Zu den Bewohnern gehörte bis zu seinem Tod der Architekt Konstantin Lipsius (1832-1894). Der Schüler von Hermann Nicolai hatte ab 1851 an der Kunstakademie studiert und war später dort selbst Professor. Seine bekannteste Schöpfung ist das Gebäude der Akademie und die angrenzende Ausstellungshalle des Kunstvereins auf der Brühlschen Terrasse.

Nr. 21 (Sonntagsche Häuser): Der viergeschossige Wohnhauskomplex, zu dem auch das angrenzende Gebäude Rietschelstraße 25 gehörte, nahm den ganzen Straßenblock zwischen Terassenufer, Gerichts- und Rietschelstraße ein und war zum Zeitpunkt seiner Entstehung 1873/74 größter Gruppenbau in Dresden. Die repräsentativen Mietshäuser wurden von ihrem Architekten Johannes Hugo Strunz im Neorenaissancestil gestaltet und besaßen eine 70 Meter lange Fassade zur Elbseite mit 24 Achsen. Im Mittelteil und an den Straßenecken waren sie durch turmartige Aufbauten gegliedert, die Straßenecken waren abgerundet. Besitzer war der Particulier (Schiffseigentümer) Hermann Sonntag, weshalb die Häuser allgemein "Sonntagsche Häuser" genannt wurden. 1879 folgte an der gegenüberliegenden Ecke zur Rietschelstraße das ähnlich repräsentative Neorenaissance-Gebäude Terrassenufer 22 nach Plänen des Architekten Carl Friedrich Kraft.

Nr. 23: In diesem Haus befand sich bis 1896 das Hauptkontor der 1837 gegründeten Kohlen- und Holzgroßhandlung Moritz Gasse. Johann Moritz Gasse (1816-1896) stammte aus einer alten Dresdner Fischerfamilie und war als Schiffseigner, Kohlenhändler, Versicherungsagent und Besitzer eines Elbebades tätig. Seine Söhne Moritz und Paul Gasse betrieben später im Haus einen Verlag.

Nr. 25: In diesem Eckhaus zur Schulgutstraße wohnte vor dem Ersten Weltkrieg der Bildhauer Ernst Wilhelm Paul (1856-1931). Nach seinem Studium an der Kunstakademie bei Johannes Schilling arbeitete Paul als Bildhauer und Lehrer der Dresdner Kunstschule und gehörte ab 1899 als Ehrenmitglied der Dresdner Kunstgenossenschaft an. Zu seinen Werken gehören u.a. einige Plastiken an der Kunstakademie, die Plastik "Industrie" am Landtagsgebäude Brühlsche Terrasse sowie die Plastik der "Sandalenbinderin" im Lahmann-Sanatorium. Auch an der künstlerischen Gestaltung des 1945 zerstörten Löbtauer Rathauses war er beteiligt.

Nr. 27: Im Nebenhaus besaß der Dresdner Maler Karl Wilhelm Müller (1839-1904) sein Atelier. Müller, der ab 1869 an der Bürgerwiese wohnte, gehörte der "Goppelner Gruppe" an und war ein Schüler Ludwig Richters.

Die gegenüber der Uferbebauung liegenden Flächen blieben bis heute weitgehend unbebaut und wurden früher als Lagerflächen für die Frachtschiffahrt genutzt. U.a. gab es an der Einmündung der Steinstraße im 19. Jahrhundert die Sandstein-Niederlagen für den bei Pirna gebrochenen Elbsandstein. Zwischen Gerichtsstraße und Schulgutstraße befanden sich Lagerflächen der einst hier befindlichen Ziegelei, während um die Albertbrücke Kohlenhandlungen ihr Domizil hatten. Die im Besitz der Stadt Dresden befindlichen Grundstücke in der Nähe des Sachsenplatzes wurden als "Städtische Ausschiffungsplätze", die in Richtung Carolabrücke gelegenen staatlichen als "Fiskalische Ausschiffungsplätze" bezeichnet.

 

Bebauung nach 1945:

Mit Zerstörung der gesamten Vorkriegsbebauung zwischen Carola- und Albertbrücke erhielt auch das Terassenufer ein völlig neues Gesicht. In den 1960er Jahren entstanden, zurückgesetzt zur ursprünglichen Bauflucht, mehrgeschossige Wohnblocks in klassischen Bauformen. Unmittelbar an der Auffahrt zur Carolabrücke wurden an der Steinstraße zwei zwölfgeschossige Hochhäuser errichtet, die das Stadtbild dominierten, wegen der Zerstörung einstiger Sichtachsen jedoch heftig umstritten waren. Eines dieser Gebäude dient bis heute als Hotel, das zweite (Nr. 14) wurde 2005 abgerissen.

Hotel am Terrassenufer (Nr. 12): Das zwölfgeschossige Hochhaus wurde 1963/64 gemeinsam mit seinem heute nicht mehr vorhandenem Pendant Nr. 14 zwischen Amalienstraße (St. Petersburger Straße) und Steinstraße errichtet und ist in mehrfacher Hinsicht historisch bemerkenswert. Als eines der ersten Bauvorhaben in Dresden wurde es in konsequent modernen Bauformen in industrieller Bauweise gebaut. Das Wohnhochhaus ist als Mittelganghaus gestaltet und hat eine Höhe von 37,50 m. Architekten waren Günter Szyszka und Georg Wolf vom VEB Dresden-Projekt. Die Ausführung erfolgte mit vorgefertigten Großplatten, die mit Keramik verkleidet wurden. Bäder wurde als komplette Duschzellen vorgefertigt und eingesetzt. Ganz oben erhielten beide Gebäude begehbare Terrassendächer.

Während das nördliche Gebäude bis zu seinem Abbruch 2005 als Wohnhaus diente, entstand im anderen das Hotel "Dresden-Tourist" mit 216 Zimmern. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 14. Mai 1964. Später wurde es als Ledigenwohnheim und für Personal der Dresden GAST GmbH genutzt. Nach dem Verkauf 1991 erfolgte eine grundlegende Modernisierung sowie Anbauten für Foyer und Speisesaal. Obwohl der Abriss seitens der Stadtplanung immer wieder gefordert wurde, dient das Haus bis heute als Hotel. Planungen, an dessen Stelle ein niedrigeres Hotel und Wohnhäuser zu errichten, blieben bislang unrealisiert.

 

Fotos: Die DREWAG-Station am Terrassenufer in der Nähe des Sachsenplatzes.

 


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